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Neuwerk: Grüner droht damit, Hamburg die Elbinsel wegzunehmen

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Von: Kevin Goonewardena

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Hamburg will seinen Schlick künftig im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer entsorgen. Deswegen will ein Grünen-Politiker der Stadt nun die Insel Neuwerk wegnehmen.

Hamburg – Rund 120 Kilometer von Hamburg entfernt befindet sich der am weitesten entfernte Stadtteil der Hansestadt: Neuwerk. Die bewohnte Enklave zu der auch die Nachbarinseln Scharhörn und Nigehörn gehören, liegt in der Helgoländer Bucht im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer rund 15 Kilometer vor der Küste von Cuxhaven in Niedersachsen* – und war unter anderem Schauplatz einer Tatort-Folge mit dem legendären Duo Manfred Krug und Charles Brauer, später mit Til Schweiger alias Ermittler Nick Tschiller*

Nun gibt es Stunk um Hamburgs westlichsten Vorposten: Grünen-Politiker Stefan Wenzel will überprüfen lassen, ob Neuwerk überhaupt rechtmäßig zu Hamburg gehört! Was ist der Grund?

Name:Neuwerkefan
Lage:Helgoländer Bucht, Nordsee
Bezirk:Hamburg-Mitte
Fläche:3,3 km²
Bevölkerung:30

HPA-Studie stuft Schlick als unbedenklich ein - Umweltverbände drohen mit Klage

Wenzels Vorstoß steht im Zusammenhang mit dem umstrittenen Vorhaben des Hamburger Senats, Schlick aus dem Hamburger Hafen im Gebiet der Nachbarinsel Scharhörn in der Nordsee* zu entsorgen. Das sei laut einer von der Hamburg Port Authority (HPA) in Auftrag gegebenen Studie für das Welterbe Wattenmeer, den Tourismus sowie Küsten-und Umweltschutz unbedenklich, heißt es dort. Das berichtet die „taz“. Die Umweltverbände WWF, NABU und Bund sehen das anders: Sie fordern den umgehenden Stopp der Pläne und drohen mit Klagen.

Schlick aus der Elbe: Immer mehr muss ausgebaggert und entsorgt werden

Das Schlick-Problem der Hamburger Politik ist kein neues: Es wird immer wieder thematisiert wenn es um die Elbvertiefung geht.* Immer mehr Sand und Schlick muss der Senat aus der Elbe baggern lassen, damit die Schiffe den Hamburger Hafen ansteuern können. Doch durch die wiederholten Ausbaggerungen der Elbe hat sich die Fließgeschwindigkeit des Stroms erhöht, gleichzeitig strömt immer weniger Wasser die Elbe hinab. Das sorgt wiederum dafür, dass Sand und Gestein in die Elbe hinein-, als herausgespült wird.

Kühe stehen auf der Nordseeinsel Neuwerk auf einer Weide. Im Hintergrund sind der historische Leuchtturm und das Schullandheim zu sehen.
Vor der Insel Scharhörn die zum Stadtteil Neuwerk gehört, deren gleichnamige Hauptinsel man hier sieht, möchte der Senat den Aushub aus dem Hamburger Hafen verbuddeln. Umweltverbände und Politiker wollen dass verhindern. © Daniel Bockwoldt/dpa

Die Ablagerungen lassen die Fahrrinne verschlicken und müssen ausgebaggert und entsorgt werden. Ein Teufelskreis. Doch auch der zunehmende Müll bereitet Hamburg Probleme, eine geeignete Entsorgungsstelle für den Schlick zu finden. Die will man nun in Scharhörn gefunden haben.

Müllentsorgung vor Scharhörn: Vorteil, nicht die Nachbarn fragen zu müssen – aber Gegenwind von allen Seiten

Das Gebiet habe den Vorteil, so schreibt es die „taz“, dass es zu Hamburg gehört und die hanseatischen Politiker ihre Kollegen aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein* nicht fragen müssen, ob sie den Elbschlick in deren Gewässern verkappen dürfen, wie es in der Fachsprache heißt. So hat Hamburg etwa bereits eine bestehende Vereinbarung mit Schleswig-Holstein, die es der Hansestadt erlaubt, bis zu 1,5 Millionen Tonnen Schlick vor Helgoland ins Meer zu schütten. Doch die dortigen Kapazitäten reichen nicht mehr aus.

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Grünen-Politiker Stefan Wenzel will nun überprüfen lassen, ob Neuwerk – und damit auch Scharhörn – überhaupt rechtmäßig zu Hamburg gehören. Von 1393 an bis zum Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 gehörte Neuwerk bereits zu Hamburg, bevor die Hansestadt unter anderem die Insel Neuwerk mit Preußen gegen Altona und Wilhelmsburg tauschte. Nach dem Krieg ging Neuwerk nach Niedersachsen über. Mit der Neugliederung (Cuxhaven-Gesetz) 1969 wurden Neuwerk und Scharhörn wieder nach Hamburg eingemeindet, Hamburg trat seinerseits im Gegenzug Rechte im Cuxhavener Hafengebiet ab.

Das Wattenmeer ist eines der wertvollsten Naturgebiete, die wir auf der Welt haben und da gilt es, jeglichen Schutz für dieses wertvolle Naturreservat zu haben

Enak Ferlemann (CDU) gegenüber der Taz

Markus Schreiber, Abgeordneter der SPD in der Hamburgischen Bürgschaft, sagte in der BILD, Wenzels Vorstoß klinge nach „politischer Geisterfahrt“. Das Ganze sei eine „künstliche Aufregung“, so Schreiber mit Blick auf den Kommunalwahlkampf in Niedersachsen.  Michael Pollmann (Grüne), Staatsrat bei der Umweltbehörde und zuständig für Neuwerk, erteilte seinem Parteifreund Wenzel via BILD auch gleich eine Absage. Er sagte: „Neuwerk ist ein wunderschöner Teil von Hamburg und wird es auch bleiben.“

Mit uns ist eine Deponie vor Scharhörn für den Hamburger Hafenschlick nicht machbar.

Olaf Lies (SPD), Umweltminister Niedersachsen

Doch auch wenn der Verstoß Wenzels, Bundestagsabgeordneter und unter Ministerpräsident Stephan Weil* (SPD) von 2013 bis 2017 Umweltminister in Niedersachsen, nach einer Überprüfung der Zugehörigkeit Neuwerks zu Hamburg keinen Anklang findet und höchst wahrscheinlich auch nicht eingeleitet wird, kommt der Gegenwind für das Vorhaben der Hamburger Politiker nicht nur von den Seiten der Umweltverbände. So äußerten sich gegenüber der „taz“ etwa CDU- und SPD-Politiker ablehnend – darunter auch der gegenwärtige Umweltminister des Landes Niedersachsens, Olaf Lies (SPD). *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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