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Neugraben: Der historische und naturverbunde Stadtteil

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Von: Kevin Goonewardena

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Der Heidschnuckenweg in der Fischbeker Heide im Bezirk Hamburg-Neugraben-Fischbek
Natur pur: der Heidschnuckenweg im Bezirk Hamburg-Neugraben-Fischbek. (24hamburg.de-Montage) © imago

Neugraben-Fischbek war für sein Problemviertel bekannt. Die Altstadt, die Natur und neue Neubaugebiete sollen den Ruf auflösen.

Ländliche Idylle, abgerockte Arbeiterviertel, quietschbunte Künstler-WGs, mondäne Stadtvillen: Das alles ist Hamburg. Jede Woche samstags gehen wir auf Streifzug. Heute sagen wir: #ahoineugraben.

Hamburg-Neugraben – Nimmt man die Fläche als Maßstab, dann ist der Stadtteil Neugraben-Fischbek einer der größte aller Hamburger Stadtteile. Bekannt ist der Stadtteil im Bezirk Harburg im äußersten Südwesten von Hamburg vor allem für seine ausgedehnte Natur. Auch der Ruf eines Problemstadtteils klebte lange an Neugraben. Und manchmal wird dieser Ruf auch noch untermauert.

Doch weitreichende, in Teilen noch im Bau befindlichen Neubaugebiete – etwa die Siedlung Vogelkamp – sind schon jetzt dabei, eben jenen Ruf abzustreifen und machen Neugraben-Fischbek zu einem der gefragtesten Stadtteile für Familien überhaupt. 32.054 Einwohner hatte der Stadtteil Ende 2020 bereits – und das Wachstum geht weiter.

Name des Stadtteils:Neugraben-Fischbek
Bezirk:Harburg
Fläche:22,5 km²
Bevölkerung:32.054 (31. Dez. 2020)

Neugraben: Neugrabener Moor und erste Siedlungen

Im Jahr 1510 fand Neugraben das erste Mal Erwähnung, damals noch als „Niegraben“. Fischbek ist erst 1522 erstmalig namentlich erwähnt worden – von einem Neugrabener Bauern mit Namen Gödeke Tidemann. 1650 entwässerten 30 Bauern das Moor und legten Gräben an, daher der Name „Neugraben“. Durch eine neue Eisbahnlinie Harburg-Cuxhaven, die 1881 verlegt wurde, entdeckten Industrie und Gewerbe Neugraben für sich.

Lange Zeit waren Neugraben und Fischbek getrennte Stadtteile. Erst 1951 wurden sie zu einem zusammengefasst. Heute ist die Haltestelle „Fischbek/Sandbek“ die letzte beziehungsweise die erste Station der S-Bahn Hamburg im Hamburger Stadtgebiet auf dem Weg nach oder von Stade aus. Seit 2016 stehen auf der Fußgängerterrasse des Süderelbe Einkaufszentrums (SEZ) 50 historische Foto-Paletten, auf denen Besucher die Geschichte entdecken können.

Die Fischbeker Heide
Die Fischbeker Heide während der Heideblüte, die jedes Jahr für wenige Wochen die Heidelandschaft in ein zauberhaftes Lila taucht. © Irina Heß/Imago

Neugraben: Neugrabener Heide und Fischbeker Heide mit dem höchsten Berg Hamburgs

Neugraben-Fischbek liegt an den Ausläufern des sogenannten Alten Land, des größten zusammenhängenden Obstanbaugebiets Europas. Neugraben-Fischbek ist quasi auch Namensgeber von Neugrabener und Fischbeker Heide, zusammen das zweitgrößte Heidegebiet Deutschlands überhaupt. Dort, an der Grenze zu Niedersachsen, befindet sich auch der mit 116 Metern höchste Berg Hamburgs, der Hasselbrack. Damit ist die Erhebung zwar acht Meter höher als das Hotel Radisson Blu am Dammtor und überragt auch die Elbphilharmonie noch um drei Meter, doch der Michel (132 Meter) oder die Pylone der Köhlbrandbrücke (137 Meter) sind höher. Der Heinrich-Hertz-Fernsehturm (258 Meter) ist sogar mehr als doppelt so hoch wie der höchste Berg Hamburgs.

Neugraben: Vogelkamp Neubaugebiet

Während ein Teil von Neugraben-Fischbek noch aus den historischen Gebäuden besteht, sieht es in einem anderen Teil ganz anders aus. Hinter dem Neugrabener Bahnhof befand sich lange Zeit nur die moorige Feldmark, heute breitet sich eine Wohnsiedlung namens Vogelkamp dort aus. Einige Jahre wurde das Projekte aufgrund der Proteste nach hinten verschoben. In der Neugrabener Landschaft ragen die ersten Mehrfamilien– und Reihenhaussiedlungen aus der Erde.

Insgesamt sind 1500 Wohnungen – inklusive Kita und Schulen – im neuen Bürgerzentrum geplant. Zurzeit befinden auf dem Neugraben-Fischbeker Neubaugebiet viele Bagger und Kräne. Das Projekt entstand im Rahmen der Internationalen Bauaustellung (IBA) mit dem Thema „Naturnahes Wohnen“ – bereits in Wilhelmsburg sind im Rahmen der IBA-Ausstellung zahlreiche Neubaugebiete entstanden, darunter die sogenannte Neue Mitte Wilhelmsburg.

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Neugraben: Historischer Dorfkern

Neugraben-Fischbek wirkt wie aus einer anderen Zeit gesprungen. Die Francoper Straße befindet sich im mit Kopfstein gepflasterten Neugrabener Dorf und führt durch die Jahrhunderte. Dort befinden sich noch Dutzende historische Katen, Scheinen und Reetdach-Bauernhöfe aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Drumherum stehen uralte Bäume, die die denkmalgeschützten Hufnerhöfe säumen. Empfehlenswert im historischen Neugraben ist das Lokal „Zur Börse“, das sich im schönsten Hufnerhof befindet. Dort gibt es gute alte Hausmannskost, die sich kein Gast entgehen lassen sollte. In der Ulenflucht steht noch das ehemalige Rauchhaus. In diesem wurde noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts geräuchert. In der einzigen Kneipe vor Ort, dem „Donnerwetter“, treffen sich Neugrabener, um den Abend zu genießen.

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Neugraben: Einkaufen bei Kaufland, arbeiten in Hausbruch und Neu-Wulmstorf

Seit 2006 betreibt Kaufland eine Filiale im Zentrum von Neugraben. Dort befinden sich auch die anderen Geschäfte des Ortsteils, darunter auch viele kleine Fachgeschäfte – etwa ein Bioladen oder eine unabhängige Buchhandlung. Größere Industrieansiedlungen gibt es in Neugraben nicht mehr. Im benachbarten Hausbruch finden sich dafür unter anderem ein Werk von tesa, das Mercedes-Benz-Werk Bostelbek oder die Holsten-Brauerei seit ihrem Wegzug aus Altona. Auch die angrenzende Gemeinde Neu-Wumstorf im Landkreis Stade jenseits der Grenzen Hamburgs ist beliebt zum Einkaufen und Arbeiten bei den Neugrabenern.

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