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Neue „Pimmelgate“-Plakate: Neben Andy Grote auch Gerhard Schröder Zielscheibe

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Von: Kevin Goonewardena

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Das sogenannte „Pimmelgate“ um Hamburgs Innensenator Andy Grote schlug bundesweit hohe Wellen. Jetzt sind neue Plakate aufgetaucht. Folgt die nächste Runde?

Hamburg - Mit dem Shitstorm, der über Hamburgs Innensenator Andy Grote im Herbst 2021 hereinbrach, nachdem er die Wohnung eines Twitter-Nutzers durch das SEK durchsuchen ließ, wird der SPD-Politiker kaum gerechnet haben. Doch die Reaktion auf den Polizeieinsatz und das darauffolgende Katz-und Maus-Spiel zwischen der Polizei Hamburg und Linksextremen aus dem Umfeld der Roten Flora amüsierte in der Folge wochenlang die Bundesrepublik Selbst die altehrwürdige Washington Post berichtete über das sogenannte „Pimmelgate“.

Hintergrund der von Beobachtern als völlig unverhältnismäßig eingestuften Aktion: Ein Twitter-Nutzer hatte Grote auf dem Kurznachrichtendienst als „1 Pimmel“ bezeichnet. Der fühlte sich beleidigt, ließ die Polizei Hamburg anrücken – und die Sache nahm ihren Lauf. Jetzt gibt‘s offenbar „Pimmelgate“ Teil zwei.

Name:Andreas Grote
Geburtstag und -ort:14. Juni 1968, Dissen am Teutoburger Wald
Mitglied der SPD seit:1996
Aktuelles politisches Amt:Innen- und Sportsenator Hamburg, seit 2016

„Pimmelgate: Erst Aufkleber, dann Plakate gegen Andy Grote an der Rote Flora – Aktivisten und Polizei liefern sich Katz-und-Maus-Spiel

Im Umfeld der Wohnung Grotes im Stadtteil St. Pauli tauchten zuerst Aufkleber auf, auf denen zu lesen war „Andy, du bist so 1 Pimmel“. Das umstrittene FC St. Pauli-Mitglied Grote ließ die Beamten anrücken, die zur Erheiterung– nicht nur der linken Szene der Hansestadt – im strömenden Regen die Aufkleber mühsam wieder entfernten. Doch richtig Fahrt nahm die Posse auf, als eben jener Spruch an dem legendären, bundesweit bekannten linksautonomen Zentrum Rote Flora prangte.

Mitten im Schanzenviertel, einem der Ausgehviertel und Touristenspots der Hansestadt Hamburg. „Andy, du bist so 1 Pimmel“ war dort zu lesen. Ausgestattet mit Eimer und Farbe tauchten auch hier Beamte der Polizei Hamburg auf und übermalten den Spruch an der Fassade der Flora.

Linke-Aktivisten holen Sieg im „Pimmelgate“ um Andy Grote – dann tauchen Guerilla-Plakate auf

In den folgenden Tagen übermalten sich Flora-Aktivisten und Polizei gegenseitig. Bis die Polizei Hamburg schließlich aufgab und die linke Szene einen Sieg über Grote und die Hamburger Polizei feierte. Grote hatte sich zuvor über die Auswirkungen des „Pimmelgates“ auf sich und seine Familie geäußert, sprach unter anderem von Extrementen vor seiner Haustür. Doch auch nach der Beendigung der Auseinandersetzung an der Flora-Fassade hält die Pimmel-Affäre noch an.

Andy Grote auf einem Plakat, dessen Design an das Cover des Nachrichtenmagazins Der Spiegel angelehnt ist in der Lüneburger Straße in Harburg am 15. Mai 2022.
Andy Grote auf einem Plakat, dessen Design an das Cover des Nachrichtenmagazins Der Spiegel angelehnt ist: „Mensch Andy, sei doch nicht so steif!“ heißt es dort – so wie hier in der Lüneburger Straße in Harburg. © Kevin Goonewardena

Oder besser gesagt: Sie geht in eine weitere Runde So tauchten jüngst im Hamburger Stadtteil Veddel Plakate im Stile des Nachrichtenmagazins Der Spiegel („Der Pimmel“) auf, die Andy Grote zeigten. Statt „Der Spiegel“ steht dort über einem Cover „Der Pimmel“ – und es wird gefordert: „Mensch Andy, sei doch nicht so steif.“ Die Plakate wurden, vermutlich von der Stadtreinigung Hamburg, entfernt. Verläuft der nächste Teil der „Pimmelgate“-Affäre damit jetzt im Sand?

„Pimmelgate“: Neue Plakate gegenAndy Grote aufgetaucht – auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder wird verhöhnt

Mehr als ein halbes Jahr später nach dem ursprünglichen „Pimmelgate“ sind nun also Plakate aufgetaucht, die, die „Spiegel“-Persiflage zeigen. In den Tagen vom 12. Mai 2022 an wurden rund um den Harburger Ring im Stadtteil Harburg an den Werbetafeln der dortigen Bushaltestellen großformatige Plakate des Motivs angebracht. Diese sind mittlerweile wieder entfernt, doch in Nebenstraßen, beispielsweise der Fußgängerzone Lüneburger Straße, lassen sich die Motive noch finden. Außerdem zu sehen: Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Der umstrittene SPD-Politiker steht wegen seiner Nähe zu Russland schon seit Jahren in der Kritik. Nach dem Einmarsch der russischen Truppen ins Nachbarland Ukraine ist die Diskussion um Schröder hierzulande neu aufgeflammt.

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Medien, Politiker und Öffentlichkeit fordern den Ex-Kanzler auf, seine hochdotierten Aufsichtsratsmandate bei russischen Staatskonzernen niederzulegen. Schröder hat auch drei Monate nach dem Ukraine-Krieg weder selbigen verurteilt, noch Russlands Präsident Wladimir Putin für dessen Politik kritisiert. Auch seine Mandate hat Schröder behalten. Gerhard Schröder und Wladimir Putin gelten schon seit der Amtszeit des Merkel-Vorgängers als Männerfreunde. Die Plakate verhöhnen den Ex-Kanzler als Rentner, der in Russland arbeiten müsse, weil die Rente nicht ausreichen würde.

Gerhard Schröderauf einem satirischen Plakat in der Lüneburger Straße in Harburg am 15. Mai 2022
Gerhard Schröder wird auf einem Plakat in der Fußgängerzone in Hamburg Harburg verhöhnt. © Kevin Goonewardena

„Pimmelgate“: Schröder und Grote auf Plakaten – Protest um „Dauermonolog der Werbeindustrie zu unterbrechen“

Die Plakate sind mit Twitter- und Instagram-Icons versehen, die auf die Kanäle der Gruppe „DIES IREA“ (@nervtjeden) verweisen. Auf deren Instagram-Account heißt es „Die Gruppe „DIES IREA“ kapert Werbeflächen, im öffentlichen Raum, um den Dauermonolog der Werbeindustrie zu unterbrechen.“ Und weiter „ART not ADS“. Auf Instagram folgen rund 8900 Menschen den Aktivitäten DIES IREA. Auch Horst Seehofer, die AfD, die FDP oder die Bundeswehr waren schon Ziel von Kampagnen der Aktivisten.

Abwarten, wie es nun in der „Pimmelgate“-Affäre um Andy Grote weitergeht ...

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