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Kritik an neuer HVV-App: Spioniert sie Fahrgäste aus?

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Von: Anika Zuschke

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Der HVV hat gerade erst eine innovative neue App vorgestellt: „hvv any“ soll Nutzern in Zukunft das günstigste Ticket kalkulieren. Aber auf Kosten welcher Daten?

Hamburg – Am Donnerstag während des Mobilitätskongresses (ITS) kündigte der HVV zusammen mit der Hochbahn ein neues Angebot für Nutzer von Hamburger öffentlichen Verkehrsmitteln an: „HVV any“ wird als Teil der App „HVV Switch“ voraussichtlich ab dem Frühjahr 2022 verfügbar sein. Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) verspricht damit ein Angebot, das Bus- und Bahnfahren ohne vorherigen Ticketkauf und ohne die vorherige Tarifsuche möglich macht.

Doch wie ist das möglich und welche Nutzerdaten müssen dafür erfasst werden?

Unternehmen:Hamburger Verkehrsverbund (HVV)
Kundenservice:040 19449
CEO:Dietrich Hartmann (seit 2011)
Hauptsitz:Hamburg

„Erst fahren, dann bezahlen“, lautet das Motto von „hvv any“, dem neuen Ticket-System des Hamburger Verkehrsverbundes. Es soll alle Umstiege und Fahrten der Nutzer automatisch erfassen und anschließend das günstigste Ticket kalkulieren. Am nächsten Morgen erhält der jeweilige Fahrgast dann per Mail die Rechnung für die Fahrten am Vortag. Die HVV-Preise sollen ab 2022 im Nahverkehr übrigens wieder steigen.

Neue App von HVV: Wie geht „hvv any“ mit den Daten der Nutzer um?

Es ist eine clevere Idee, die vielen Hamburgern in Zukunft einiges an Zeit am Fahrkartenautomat ersparen kann. Und das ist nicht die einzige Innovation öffentlicher Verkehrsmittel in der Hansestadt: In Hamburg kommen neuerdings auch fahrerlose S-Bahnen zum Einsatz.

Doch lassen sich anhand der erhobenen Daten von „hvv any“ Rückschlüsse auf das Privatleben der Fahrgäste ziehen? Der Ablauf eines Ticketerwerbs verhält sich folgendermaßen:

Eine U-Bahn fährt durch Hamburg, der Menüpunkt „Datenschutz“ ist in den Einstellungen eines iPhones zu lesen.
Wie verhält es sich in der neuen HVV-App mit dem Datenschutz der Nutzer? (Symbolbild) © teamwork/Imago/Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Vor Fahrtbeginn muss sich der Fahrgast in der App einchecken, Umstiege werden von dieser selbstständig registriert und fünf bis zehn Minuten nach Verlassen der letzten Haltestelle wird der betroffene User ausgecheckt – entweder von der App oder manuell auf Eigeninitiative hin.

Hamburger Datenschutzbeauftragter klärt über die Datennutzung der HVV-App auf

Der Hamburger Morgenpost zufolge wird das durch sogenannte „Beacons“ bewerkstelligt. Das sind Sender, die als Markierungspunkte dienen und die von Smartphones erkannt werden können. Solche Beacons sind Angaben der Mopo nach bereits in 2700 Fahrzeugen, an über 50 Stationen und auf allen Fähren untergebracht worden.

Um den Weg des Fahrgastes nachzuvollziehen und im Zuge dessen das günstigste Ticket berechnen zu können, „werden Bewegungsdaten der Nutzer:innen verarbeitet“, erklärt der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz, Ulrich Kühn, gegenüber der Hamburger Morgenpost. Dazu gehören ihm zufolge auch die empfangenen Bluetooth-Signale von den Beacons.

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Kühn: Es könnten umfassende Rückschlüsse auf die Persönlichkeit der Fahrgäste gezogen werden

Aus dem Grund mahnt der Datenschutzbeauftragte im Gespräch mit der Mopo: „Die Nutzer:innen dieses Tarifmodells sollten sich bewusst sein, dass die durch die App erfassten Daten geeignet wären, ein Bewegungsprofil zu erstellen.“ Aus der Gesamtschau besuchter Orte könnten umfassende Rückschlüsse auf die Persönlichkeit der Fahrgäste gezogen werden, fährt Kühn fort.

Die Nutzer:innen dieses Tarifmodells sollten sich bewusst sein, dass die durch die App erfassten Daten geeignet wären, ein Bewegungsprofil zu erstellen.

Ulrich Kühn, Hamburgischer Beauftragter für Datenschutz

Diese gingen seiner Ansicht nach weit über Wohnort, Arbeitsstätte und Freizeitaktivitäten hinaus. Außerdem ermögliche die Kombination mit den Bewegungsdaten anderer Fahrgäste wiederum Rückschlüsse darauf, wer gemeinsame Fahrten unternehme, erläutert der Datenschutzbeauftragte gegenüber der Mopo.

„Aus den Uhrzeit[en] der Fahrten lässt sich nicht nur die Tagesstruktur, sondern auch die Teilnahme an Veranstaltungen oder Demos ableiten“, so Kühn. Er betont gegenüber der Morgenpost aber auch, dass derartige Auswertungen weder von der Hochbahn noch vom HVV beabsichtigt seien. Verbraucher sollten sich dem potenziellen Missbrauchsrisiko jedoch bewusst sein, falls die Daten in falsche Hände gerieten.

Hochbahn-Sprecherin verweist auf Datenschutz der HVV-App

Auch die Hochbahn weist auf MOPO-Anfrage darauf hin, dass alle Daten ausschließlich für die korrekte Abwicklung der Ticket-Erstellung sowie tägliche Fahrpreisabrechnung verwendet würden. „Sie werden weder dauerhaft gespeichert, noch mit Dritten geteilt“, stellt Sprecherin Constanze Dinse im Gespräch mit der Mopo sicher.

Außerdem werden Kunden über die Erfassung ihrer Daten gemäß der Datenschutzgrundverordnung informiert und müssen diesen auch zustimmen.

In Angeboten des HVV ist es in letzter Zeit übrigens zu einigen Zwischenfällen gekommen: So ist ein HVV-Mitarbeiter ausgerastet und hat einen Vater attackiert und erst am Mittwochabend hat ein Maskenverweigerer auf brutale Weise einen Busfahrer angegriffen. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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