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Neue Forschungstierhaltung am UKE – Fegebank verteidigt Tierversuche

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Von: Elias Bartl

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Neue Käfige für die Maushaltung mit individuell belüfteter Käfighaltung sind in einem Laborraum des Neubaus der Forschungstierhaltung des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zu sehen.
Neue Käfige für die Maushaltung mit individuell belüfteter Käfighaltung sind in einem Laborraum des Neubaus der Forschungstierhaltung des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zu sehen. © Christian Charisius/DPA

Ob Corona oder Krebs - die Ärzte am Universitätsklinikum Eppendorf sind ständig auf der Suche nach neuen Therapien und Medikamenten. Dafür sind Studien an Tieren unvermeidlich.

Hamburg – Nach mehr als drei Jahren Bauzeit ist am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ein neues Gebäude für die Forschungstierhaltung eröffnet worden. Zusammen mit Vertretern des Klinikums und der beteiligten Baufirmen durchschnitt Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) am Freitag ein blaues Band vor dem Eingang des Neubaus. Die Tiere sollen erst in den kommenden Monaten aus dem alten Gebäude in das neue gebracht werden. Dort können nach Angaben des UKE rund 12 000 Versuchstiere gehalten werden.

Das Universitätsklinikum Hamburg stehe für den bestmöglichen Umgang mit Forschungstieren, sagte Fegebank. Tierversuche seien für die Wissenschaft und die Gesellschaft jedoch ein Dilemma: Auf der einen Seite gebe es die Hoffnung auf neue Therapien und Medikamente, auf der anderen Seite stehe der Schutz der Tiere. Ohne Studien an Tieren wäre die schnelle Entwicklung des Corona-Impfstoffs nicht möglich gewesen, auch Patienten mit Krebs und Aids hätten kaum Perspektiven, sagte Fegebank.

Neue Forschungstierhaltung am UKE: Tierhaltung und -versuche so artgerecht wie möglich

Der Neubau sei eine wichtige Investition, um Tierhaltung und -versuche so artgerecht und tierfreundlich wie möglich zu machen. „Na klar, wir wünschen uns alle, dass eines Tages keine Tiere mehr für Forschung gehalten werden müssen“, sagte die Grünen-Politikerin. Zugleich betonte sie: „Wir sind absolut noch nicht an dem Punkt, wo wir aus Tierversuchen aussteigen können.“ Der Hamburger Senat hatte Ende 2017 rund 31 Millionen Euro für das Bauprojekt zur Verfügung gestellt. In der Abteilung des UKE wurden 2021 - an mehreren Standorten - knapp 39 000 Tiere gehalten. 98,8 Prozent waren nach Angaben des Senats Mäuse, der Rest Ratten sowie wenige Meerschweinchen, Kaninchen, Frettchen, Schafe, Schweine und Krallenfrösche.

Die Universitätsmedizin stehe zwischen der großen Verantwortung für die Patienten und der Verantwortung für die Tiere, erklärte der Ärztliche Direktor des UKE, Christian Gerloff. Ärzte dürften den Patienten keinen Schaden zufügen. Gerloff erinnerte an den Contergan-Skandal um 1960. „Das will niemand jemals wieder erleben“, sagte der Neurologe. In der Forschung sei der Schritt vom Molekül zur Zelle und von der Zelle zum Gesamtsystem Mensch ein gigantischer. Dieser sei nur möglich, wenn die neuen Therapien systematisch an Tiermodellen erforscht würden.

Digitalisierung statt Tierversuchen

Eine Möglichkeit, Tierversuche zu ersetzen, sei die Digitalisierung. Das bedeute, für den Menschen einen digitalen Avatar zu erschaffen, an dem die Effekte von neuen Therapien simuliert werden könnten. „Da sind wir natürlich weit weg von“, sagte Gerloff. Es gebe auch die Idee, bei großen Medikamentenstudien mit vielen menschlichen Probanden Effekte mit künstlicher Intelligenz zu berechnen.

Bei jedem neuen Forschungsprojekt werde nach Alternativen zu Tierversuchen gesucht, versicherte die Dekanin der Medizinischen Fakultät, Blanche Schwappach-Pignataro. Anfang Januar sei eine neu geschaffene Professur zur Erforschung von Ersatzmethoden mit der Biomedizinerin Maike Frye besetzt worden. Das mit Keller fünfgeschossige neue Gebäude verfügt über mehrere Räume zur Haltung von Großtieren wie Schafe und Schweine, aber vor allem über Käfige für Mäuse. Es gibt eine automatische Käfigwaschanlage und einen sogenannten Autoklav zum Sterilisieren der Käfige. Zwei Roboter sollen beim Reinigen der Nagerkäfige helfen.

„Stoppt Tierversuche“ – Protest vor dem UKE

Es müsse ein sehr hoher Hygienestandard eingehalten werden, erklärte der Immunologe Hans-Willi Mittrücker. Darum würden Tiere von außerhalb gar nicht in den eigentlichen Forschungsbereich kommen. Stattdessen würden den angelieferten Mäusen Embryos entnommen und diese in der eigenen Muttertierzucht sogenannten Ammen eingesetzt. Von bestimmten genetischen Linien frieren die Forscher Spermien ein, um bei neuen wissenschaftlichen Projekten geeignete Tiere züchten zu können. Auch das reduziere die Zahl der benötigten Tiere, sagte Mittrücker.

Die Forschungstierhaltung am UKE habe dazu beigetragen, dass es das bislang einzige Medikament in der EU gegen Hepatitis D gebe, sagte die Biologin Maura Dandri-Petersen. Das vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung entwickelte Medikament könne die Verbreitung der Viren stoppen, erklärte die Leiterin der Studie. Während der feierlichen Eröffnung des Neubaus protestierten fünf Mitglieder der Initiative Ärzte gegen Tierversuche vor dem Klinikgelände. „Stoppt Tierversuche - Für eine Forschung ohne Tierleid“, hieß es auf einem Transparent.

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