Schluss mit Klein-Klein

Radfahrerverband fordert: Tempo 30 für Autofahrer in ganz Hamburg

  • Susanne Kröber
    vonSusanne Kröber
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Das geplante nächtliche Tempo-30-Limit für 85 Hauptstraßen in Hamburg geht dem Radfahrerverband ADFC nicht weit genug. Der fordert: Tempo 30 für ganz Hamburg.

Hamburg – Im Kampf gegen Hamburgs Lärmproblem wurde Ende Mai ein Aktionsplan vorgestellt: Auf 20 Straßen mit besonders hoher Verkehrsbelastung soll ab Mitte 2022 in der Zeit von 22 bis 6 Uhr ein Tempolimit von 30 km/h eingeführt werden, 2024 sollen 62 weitere Straßenabschnitte folgen.

Stadt in Deutschland:Hansestadt Hamburg
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)
Vorwahl:040
Sehenswürdigkeiten:Hamburger Hafen, Michel, Alster, Elbe

Doch diese Neuerungen sind nicht weitreichend genug, um Hamburgs Umwelt- und Lärmproblematik in den Griff zu bekommen, prangert der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club nun an. „Die vielen, aber meist auch nur sehr kurzen nächtlichen Tempo-30-Strecken, die jetzt kommen sollen, sind ein Tropfen auf den heißen Stein – mit einem solchen Klein-Klein wird die Stadt die gesetzlichen Lärm- und Klimaschutzvorgaben nicht einhalten können“, erklärt der stellvertretende Landesvorsitzende des ADFC Hamburg, Tom Jakobi.

Tempo-30-Limit in Hamburg: Das wären die Vorteile einer Temporeduktion in der ganzen Stadt

Zwar begrüßt der ADFC den von Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) vorgelegten Lärmaktionsplan, in einer Ausweitung auf die ganze Stadt Hamburg sieht Jakobi allerdings deutliche Vorteile gegenüber einer schrittweisen Vorgehensweise. Laut Bundesverwaltungsgericht seien die Behörden dazu verpflichtet, bei Lärmwerten von mehr als 60 dB(A) in der Nacht beziehungsweise 70 dB(A) Abhilfe zu schaffen.

Der ADFC fordert Tempo 30 in ganz Hamburg. (24hamburg.de-Montage)

Ein Blick auf die Lärmkarten der Stadt Hamburg zeige jedoch, dass diese Werte auf fast allen Hauptstraßen rund um die Uhr überschritten würden. Tempo 30 in ganz Hamburg auch tagsüber könnte diese Werte senken. „Eine solche einmalige Maßnahme hätte außerdem den Vorteil, dass Busfahrpläne und Ampelschaltungen nur einmal angepasst werden müssten“, gibt Jakobi zu bedenken.

Tempo 30 in Hamburg: Umsetzung dauert zu lange

Was nützt der schönste Beschluss, wenn er nicht umgesetzt wird! So bemängelt Jakobi, dass die Einführung der Tempolimits in Hamburg nicht nur viel zu viel Zeit in Anspruch nimmt, sondern sogar teilweise gar nicht durchgeführt wird. „Selbst aus dem ohnehin unzureichenden Lärmaktionsplan von 2013 sind 10 von 24 einst geplanten Temporeduktionen auch nach acht Jahren immer noch nicht realisiert worden.“

Vorbild für den ADFC, der sich als Teil des Bündnisses „Pro Tempolimit!“ unter anderem gemeinsam mit der Verkehrsopfer-Unfallhilfe Deutschland (VOD), Greenpeace und dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) für Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts einsetzt, sind dabei Spanien und Frankreich.

In Spanien gilt seit kurzem Tempo 30 in allen Städten landesweit, Frankreich führte das Tempolimit 2020 in mehr als 200 Städten ein. In Frankreich sind seitdem laut ADFC die schweren und tödlichen Unfälle um 70 Prozent zurückgegangen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) machte sich im Mai 2021 bei der globalen Verkehrssicherheitswoche in Genf für ein Tempo-30-Limit in geschlossenen Ortschaften stark. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Hoch Zwei Stock/Angerer/imago images

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