Luftverschmutzung

Neue Feinstaubgrenzwerte der WHO: Kommt jetzt das Diesefahrverbot in Hamburg?

  • Tomasz Gralla
    VonTomasz Gralla
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Die WHO hat ihre Empfehlungen für Stickstoffdioxid- und Feinstaubgrenzwerte erheblich verschärft. Hamburg könnte nun ein noch strengeres Dieselfahrverbot drohen.

Hamburg – Die Luft wird dünn. Im wahrsten Sinne des Wortes, für Dieselfahrzeugnutzer aber auch im übertragenem Sinne. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Mittwoch neue Empfehlungen ausgesprochen zum Ausstoß von Feinstaub und Stickstoffdioxid. Die Politik, auch in Hamburg, ist nun in Zugzwang.

WeltgesundheitsorganisationWHO
Gründung:7. April 1948
Mitgliedsstaaten:194
Leitung:Tedros Adhanom Ghebreyesus
Hauptsitz:Genf, Schweiz

WHO verschärft Empfehlung für Stickstoffdioxid und Feinstaubbegrenzung drastisch

Die WHO spricht aufgrund neuer Langzeitberechnungen teils stark verschärfte Grenzwerte für Feinstaub* und Stickstoffdioxid aus, die maßgeblich für schlechte Luftqualität verantwortlich sind.

Wie auch in der Infografik zu sehen ist, sinkt die WHO-Empfehlung beim großen Feinstaub von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft auf 15; beim feinen Feinstaub sinkt sie um die Hälfte von 10 auf 5 Mikrogramm.

Die WHO verschärft Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid teils massiv

Der von der WHO empfohlene Grenzwert für Stickstoffdioxid sinkt ebenfalls massiv auf 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel. Diese Anpassung ist besonders groß, denn die vergangene Leitlinie (wie übrigens auch der von der EU beschlossene Grenzwert) betrug 40 Mikrogramm.

Feinstaubgrenzwerte: Folgt nach WHO-Empfehlung nun ein Dieselfahrverbot auch in Hamburg?

In Großstädten wie Hamburg sind Dieselfahrzeuge Quelle Nummer eins der von der WHO stark angepassten Schadstoffe. In der Hansestadt gibt es bereits an einigen Straßen Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge. Könnten diese Verbote jetzt verschärft und vom Hamburger Senat erweiterte werden?

In naher Zukunft wahrscheinlich nicht, auf lange Sicht allerdings schon. Denn: Die Richtlinien der WHO sind nur Empfehlungen und keineswegs rechtlich bindend. Aber: Das Europäische Parlament hat sich darauf geeinigt, dass der neue WHO-Leitfaden als Grundlage für EU-Klimapolitik genommen wird.

An der Max-Brauer-Allee in Hamburg herrscht schon seit dem 31.05.2018 ein Teilfahrverbot für Dieselfahrzeuge. (Archivbild)

Sollten die Vorgaben zu europäischem Recht werden, hätte das „massive Änderungen in der Verkehrspolitik und am [Hamburger] Hafen“ zur Folge, bestätigt Malte Siegert, Vorsitzende des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), dem Hamburger Abendblatt. Die NABU kritisierte erst kürzlich die schlechte Luft am Hamburger Hafen.

Hamburg: Bessere Luftqualität durch Verbot von Dieselfahrzeugen?

Umweltorganisationen fordern, die Richtlinien so schnell wie möglich gesetzlich umzusetzen. Dabei geht es nicht darum, Dieselfahrzeuge komplett aus den Städten zu verbannen. Das primäre Ziel ist es, die Luftverschmutzung zu reduzieren und die Luft sauberer zu machen.

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Die WHO schätzt, dass Luftverschmutzung zu sieben Millionen vorzeitigen Todesfällen jährlich führt. Bei Erwachsenen hat die Luftqualität Einfluss auf Herzerkrankungen und Infarkte, bei Kindern beeinflusst sie das Lungenwachstum und kann Asthma hervorrufen. Zudem gäbe es Anzeichen dafür, dass Schadstoffe in der Luft Diabetes und Nervenerkrankungen verursache, so die Weltgesundheitsorganisation.

Wenn diese Gefahren und Krankheiten durch ein Fahrverbot von Dieselfahrzeugen auch in Hamburg reduziert werden können, steht nun das Europäische Parlament in der Pflicht. *24hamburg.de und 24auto.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa

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