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Neonazis bei Corona-Demo in Hamburg: „Wer mit Nazis marschiert, hat nichts kapiert“

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Von: Anika Zuschke

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Vergangenen Samstag sind mehrere Tausend Menschen gegen die Corona-Maßnahmen in Barmbek auf die Straße gegangen. Ein Neonazi-Block mischte sich auch darunter.

Barmbek – Am vergangenen Samstag, 22. Januar 2022, sind wieder zahlreiche Menschen in Hamburg auf die Straße gegangen, um gegen die geltenden Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Im Hamburger Stadtteil Barmbek machten laut Angaben der Polizei etwa 3300 Menschen ihrem Ärger über die geltenden Covid-Regeln Luft. Unter diesen haben sich aber auch rund 50 Personen befunden, die mutmaßlich dem rechten Spektrum zuzuordnen seien, berichtet die Polizei. Die Gruppe von Neonazis hat bei der Corona-Demo in Barmbek für Entsetzen gesorgt.

Politische Ideologie:Neonazismus
Steht für:Die Wiederaufnahme und Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts im deutschsprachigen Raum
Wortherkunft:Altgriechisch: νέος néos ‚neu‘, ‚jung‘ und Nazismus
Vertreter des Neonazismus:Neonazis

Corona-Demo in Barmbek am Samstag: Unter Querdenker und Impfgegner mischt sich ein Neonazi-Block

Für den vergangenen Samstag meldeten Querdenker in Hamburg gleich zwei Corona-Demos an – eine davon sorgte dabei für besonders viel Aufmerksamkeit. Grund dafür war ein Neonazi-Block, der sich unter die zahlreichen Impfgegner und Querdenker mischte. Dieser rief großen Ärger hervor, da sich die Versammlungsleitung offenbar nicht ausreichend von den rechtsorientierten Demonstrierenden distanzierte – obwohl sie wohl von dem Neonazi-Block wusste.

Kim Uhrig vom „Hamburger Bündnis gegen Rechts“ äußerte gegenüber der Hamburger Morgenpost entrüstet: „Es stellt eine Zäsur für Hamburg dar, dass organisierte Neonazis ungehindert und akzeptiert von Tausenden auf Hamburgs Straßen laufen können. Es muss endlich eine deutliche Grenze gegen diese gefährlichen Proteste in Hamburg geben.“ Die Innenbehörde und der Verfassungsschutz würden die „verschwörungsideologischen“ Demos mit der Bezeichnung „friedliche Bürgerproteste“ verharmlosen, fährt sie laut Mopo fort.

„Initiative gegen Rechts“ kritisiert fehlende Distanz zu Neonazis: „Wer mit Nazis marschiert, hat nichts kapiert“

Auch die „Barmbeker Initiative gegen Rechts“ kritisierte dem NDR zufolge, dass sich die Gegner der Corona-Politik nicht eindeutig von mitlaufenden Rechten und Faschisten distanziert haben. Ein Sprecher der Initiative äußerte gegenüber dem NDR bestimmt: „Wer mit Nazis marschiert, hat wirklich nichts kapiert“.

Die Organisatoren hatten Informationen des Hamburger Abendblattes zufolge hingegen bereits vor der Demo immer wieder bekräftigt, dass sie nicht mit den Rechten in Zusammenhang gebracht werden wollen. Offenbar konnte sie das Mitlaufen der Extremisten nicht verhindern. Der Veranstalter beschwerte sich laut Abendblatt darüber, als „Nazi“ diffamiert zu werden. Das sei „unter aller Sau“.

Demonstration von Kritikern der Corona-Maßnahmen in Barmbek, ein Demonstrant hält ein Schild mit der Aufschrift: „Wir zusammen für die Freiheit!!!“.
Unter die Corona-Demonstranten am vergangenen Samstag mischte sich auch ein Neonazi-Block. © Hanno Bode/Imago

Corona-Demo in Hamburg-Barmbek: Etwa 50 Neonazis nehmen teil – und verteilen Infomaterial einer NPD-Kampagne

Fakt ist jedoch, dass sich neben der Corona-Demo mit dem Motto „Gegen Ausgrenzung, Spaltung und Zwang“ etwa 50 Neonazis mischen konnten, die laut Mopo Parolen wie „Das System ist am Ende, wir sind die Wende“ verlauten ließen. Außerdem soll Infomaterial der NPD-Kampagne „Gegengift“ verteilt worden sein. Wie das „Hamburger Bündnis gegen Rechts“ der Morgenpost am Montag mitteilte, sei ein Ordner von den Organisatoren sogar extra gestellt worden, der den rechten Block mit einem Transparent mit der Aufschrift „Nur wir können es beenden!“ geleitet habe.

Holocaust-Relativierungen und Symbole seien auf den Demos keine Einzelfälle, führt das Bündnis weiter aus. Auch Anspielungen auf das nationalsozialistische Regime und die Einstufung als Opfer in der Tradition der Verfolgten des Nationalsozialismus gebe es regelmäßig. Dabei wurde zeitweise sogar das Symbol des Judensterns für die eigenen Überzeugungen missbraucht.

Bekannte Gesichter der norddeutschen Neonazi-Szene nehmen wohl an Corona-Demo in Barmbek teil

Recherchen mehrerer antifaschistischer Gruppen zufolge nahmen auch einige bekannte Gesichter der norddeutschen Neonazi-Szene an der Demo in Barmbek teil, berichtet die Hamburger Morgenpost. Dazu gehörte wohl Hannes Ostendorf, Frontmann der rechtsextremen Band „Kategorie C“ und musikalischer Partner von Sänger Xavier Naidoo – der immer wieder gegen die Corona-Maßnahmen in Deutschland angesungen hat*. Sowie Torsten Klebe und Jan-Steffen Holthusen, die einst an der Spitze des Hamburger NPD-Landesverbandes saßen. Außerdem seien Vertreter der NPD-Jugendorganisation Junge Nationalisten (JN) und der rechtsextremen Kleinpartei III. Weg Teil der Demo gewesen.

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Corona-Demo in Hamburg-Barmbek am Samstag läuft weitestgehend friedlich ab

Wie so häufig hat sich auch am vergangenen Samstag eine Gegendemonstration unter dem Motto „Solidarisch aus der Corona-Krise“ mit rund 120 Personen gegen die Querdenker stark gemacht. Auf ihren Schildern waren Statements wie „Nachdenken statt Querdenken“ und „Für eine solidarische Zukunft – Impfen statt Schimpfen“ zu lesen. Zwischen den linken und rechten Gruppen kam es kurzzeitig laut Polizei zu „verbalen Scharmützeln“, größere Zwischenfälle habe es aber wohl nicht gegeben.

Die Polizei musste dem Hamburger Abendblatt zufolge die Gegendemonstranten jedoch abschirmen, als der rechte Block vorbeizog. Die Gegendemonstranten sollen zudem einen Feuerwerkskörper in Richtung der „gemäßigten“ Demonstranten geworfen haben. Insgesamt achteten alle Demo-Teilnehmer aber weitestgehend auf den erforderlichen Abstand und die Maskenpflicht. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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