1. 24hamburg
  2. Hamburg

Nachbarn wegen zu lautem Fernseher erstochen – fast neun Jahre Haft

Erstellt:

Kommentare

Ein Paar sitzt vor dem Fernseher und schaut Netflix.
„Der konkrete Tatanlass, der laute Fernseher, bleibt krass und erschreckend“, betonte die Richterin. (Symbolbild) © Daniel Reinhardt/dpa

Wegen des zu lauten Fernsehers hatte ein 61-Jähriger seinen Nachbarn mit zwölf Messerstichen getötet. Am Landgericht Hamburg fiel am Montag das Urteil.

Hamburg – Nach einem tödlich geendeten Nachbarschaftsstreit um Fernsehlärm hat das Landgericht Hamburg einen Angeklagten wegen Totschlags zu acht Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Der 61-Jährige habe den über ihn in einem Wohnstift für ältere Menschen wohnenden Mann vorsätzlich mit zwölf Messerstichen getötet, weil dieser seinen Fernseher zu laut gestellt hatte, erklärte die Vorsitzende der Strafkammer, Nora Karstens, am Montag.

Sei schneller informiert: die Blaulicht-News direkt aufs Handy – ganz einfach via Telegram.

Richterin ist schockiert: Zwölf Messerstiche wegen Lärmbelästigung

Der Tat vom 2. Mai dieses Jahres sei eine lange Auseinandersetzung um Lärm vorausgegangen. Der 66 Jahre alte Nachbar sei mehrfach nach Beschwerden von anderen Bewohnern abgemahnt worden, es habe sogar eine Räumungsklage gegeben. Doch natürlich: „Der konkrete Tatanlass – der laute Fernseher – bleibt krass und erschreckend“, betonte die Richterin.

Am Tattag habe sich der allein lebende Angeklagte nach einem Spaziergang Pizza und Wein gekauft, wovon er fast einen Liter getrunken habe, sagte Karstens. Weil der Nachbar den Fernseher am frühen Abend laut laufen ließ, sei er in Wut geraten. Er habe sich ein Küchenmesser mit einer 16 Zentimeter langen Klinge gegriffen und sei zu der eine Etage höher liegenden Wohnung des 66-Jährigen gegangen. Auf sein Klingeln habe der Nachbar geöffnet und der Angeklagte habe ihn gefragt: „Warum bist du so laut?“

Als keine Reaktion kam, habe er ihm mindestens zwölf Stiche in den Oberkörper versetzt. Der 66-Jährige, der außerhalb der Wohnung einen Rollator nutzte, habe keine nennenswerte Gegenwehr leisten können. Er sei auf dem Boden seiner Wohnung verblutet und erstickt.

Fast neun Jahre Haft: Mann ersticht Nachbarn wegen zu lautem Fernseher

Täglich die Blaulicht-Nachrichten direkt ins Postfach.

Nur wenige Stunden nach der Tat hatte sich der Angeklagte den Beamten in der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel gestellt. Dort und auch vor Gericht habe er die Tat gestanden. Dabei habe er gesagt, er habe den Nachbarn zur Rede stellen wollen.

Die Staatsanwaltschaft hatte den 61-Jährigen ursprünglich wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen angeklagt. Nach Abschluss der Beweisaufnahme hatte die Behörde jedoch auf Totschlag plädiert und zwölf Jahre Haft gefordert. Der Verteidiger hatte beantragt, seinen Mandanten wegen eines minderschweren Falls des Totschlags zu fünf Jahren Haft zu verurteilen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (DPA)

Auch interessant

Kommentare