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Nach tödlichem Unfall: Smudo verteidigt Luca-App

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Von: Tomasz Gralla

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Der illegale Zugriff der Polizei auf Daten der Luca-App zur Aufklärung eines tödlichen Unfalls in Mainz sorgt für Kritik. Smudo, Mitentwickler der App, wehrt sich.

Hamburg – Harsche Kritik an der von Smudo mitentwickelten Luca-App. Wieder einmal, muss man sagen. Hintergrund ist diesmal die Ermittlungsarbeit der Polizei, die auf Daten der Luca-App zugriff, um Zeugen für einen tödlichen Sturz zu finden. Einige Politiker riefen daraufhin zur Löschung der Anwendung auf. Smudo verteidigt seine App und hält die Löschungsaufforderung für „verantwortungslos“.

App:luca
Maintainer:culture4life GmbH
Entwickler:neXenio Gmbh
Erscheinungsjahr:2021

Smudo rechtfertigt seine Luca-App

Es sei nicht zu rechtfertigen, „dass ein Aufruf von ein bis zwei mir bisher nicht bekannter Politiker dazu führen könnte, dass mitten in der pandemischen Lage Menschen die Luca-App löschen“, sagt Smudo gegenüber der Bild-Zeitung.

Bei den „ein bis zwei“ Politikern handelt es sich um Daniel Karrais (FDP), Landtagsabgeordneter und digital politischer Sprecher, und Alexander Salomon (Grüne), Fraktionssprecher für Medien- und Netzpolitik. Mit der Kritik stehen die beiden Politiker aber nicht allein. Schon seit Start der App zur Nachverfolgung von Coronavirus-Infektionsketten gibt es von Experten immer wieder Empfehlungen, die Luca-App aufgrund von Datenschutz zu löschen.

„Wir als Luca-System sind außen vor und können in dem Prozess keine Daten lesen“, betont der Fantastische-Vier-Star.

Der Rapper Smudo (Die Fantastischen Vier) in einem Büro neben eine Hand, die ein Handy mit der Luca-App hält
Sicherheitslücken: Rapper Smudo (Die Fantastischen Vier) verteidigt die Luca-App, die er mitentwickelt hat, gegen Kritiker. (24hamburg.de-Montage) © Steffen Schellhorn/Arnulf Hettrich/imago

Kritik an der Luca-App: „keine rechtliche Grundlage“

Die erneut aufgekochte Kritik an der App, die Smudo mitentwickelt hat und an der er wirtschaftlich beteiligt ist, hat ihren Ursprung in Mainz. Die Polizei greift nach einem Unfall in der Landeshauptstadt auf die Daten der App zurück, um Zeugen für das Unglück zu finden. Ein rechtswidriger Vorgang, dessen sich auch die Staatsanwaltschaft Mainz bewusst ist und in einer vom SWR zitierten Stellungnahme schreibt: „Die Staatsanwaltschaft Mainz drückt ihr Bedauern gegenüber den insoweit vom unzulässigen Zugriff auf die Daten Betroffenen aus und bittet darum, diesen Zugriff zu entschuldigen.“

Für die Datenerhebung gäbe es, so die Staatsanwaltschaft weiter, „keine hinreichende rechtliche Grundlage“. Die Erfinder der Luca-App selbst kritisieren das Vorgehen der Behörden und stellen in einer eigenen Stellungnahme fest: „luca selbst hatte keine Kenntnis von dem Vorfall. Das liegt daran, dass luca selbst auf diese Daten unter keinen Umständen zugreifen kann.“

Ministerien prüfen den Nutzen der Luca-App

Die Coronazahlen steigen wieder drastisch, die Inzidenzwerte erreichen jeden Tag neue Höchstwerte. Auch in der Hansestadt Hamburg, der Heimat Smudos, ist die Lage angespannt, weswegen der Senat in Hamburg neue 2G-Plus-Coronaregeln verabschiedet hat, die ab sofort gelten. Die Luca-App helfe jeden Tag „effektiv“, erklärt der Sänger weiter im Bild-Interview, „Infektionsketten zu unterbrechen, gerade mit Blick auf Omikron.“

13 Bundesländer, die eine Luca-Lizenz haben, prüfen aktuell, wie effektiv die Handyanwendung tatsächlich Infektionsketten nachverfolgt. Vom Ergebnis der Untersuchungen könnte abhängen, ob die Lizenzen, die bis Ende März beziehungsweise Ende April gültig sind, verlängert werden. Auf Spiegel-Anfrage wisse noch keines der 13 zuständigen Ministerien, ob sie die App weiterhin nutzen wollen. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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