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Nach sieben Überfällen: Hamburgs Bio-Räuber muss jetzt doch in U-Haft

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Von: Jan Knötzsch

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Er hat seinen Spitznamen längst weg – und einiges auf dem berühmten Kerbholz: Hamburgs Bio-Räuber. Erst war die Justiz gnädig mit ihm. Jetzt nicht mehr.

Hamburg – Es sind nur ein paar Worte. Die aber hatten zuletzt für jede Menge Empörung, Ärger und obendrein auch noch für ganz schlechte Presse für die Staatsanwaltschaft Hamburg gesorgt. Um welchen Satz es genau geht? Um diesen hier: „Die Voraussetzungen für die Beantragung eines Haftbefehls liegen aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht vor.“ Gesagt hat ihn Lilly Oechtering, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hamburg – und zwar in Zusammenhang mit den Überfällen des in Hamburg als Bio-Räuber bekannten 43-Jährigen, der mehrere Filialen von „Tjaden‘s Biomarkt“ überfallen hat.

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Den Bio-Räuber hatte die Polizei Hamburg zwar am 9. Juni 2022 festgenommen, als die Beamten den Bio-Räuber ihn bei einem weiteren Raub fassten. In Untersuchungshaft aber kam der Mann nicht. Sehr zum Unverständnis vieler Hamburger und Hamburgerinnen. Stattdessen ließ die Staatsanwaltschaft den Serien-Bio-Räuber frei – und schnell lautete der Tenor: „Verbrechen in Hamburg lohnt sich“.

Jetzt ist das Gegenteil bewiesen: Es lohnt sich nicht! Der Bio-Räuber sitzt in U-Haft.

Bio-Räuber in U-Haft in Hamburg: Er überfiel in Eppendorf und Eimsbüttel „Tjaden‘s“-Filialen und Pizza-Lieferdienst

Dies hat die Polizei Hamburg am Montag, 20. Juni 2022, bekanntgegeben. Vielmehr: das Landeskriminalamt zusammen mit der Hamburger Staatsanwaltschaft, die den 43-Jährigen zunächst nicht in Haft nehmen konnte – oder wollte? Das hatte im Anschluss an die Festnahme besonders in Polizeikreisen für Unverständnis gesorgt – und in der Öffentlichkeit für jede Menge Kritik. Unter anderem von Jan Reinecke, dem Landesvorsitzenden des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, der via Mopo erklärte: „Dass der Verdächtige nicht in U-Haft sitzt, hat offenkundig damit zu tun, dass die Justiz mangelhaft aufgestellt ist und dass entsprechende Prüfungen teils nicht mehr gewährleistet werden können.“

Überfall auf den Biomarkt in Eppendorf. Polizei fahndet nach dem Täter.
Sechsmal hatte der Tatverdächtige in Hamburg Biomärkte überfallen. © Elias Bartl

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In der Folgezeit wehrten sich sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Justizsenatorin Anna Gallina (Grüne) gegen den Vorwurf, der Bio-Räuber sei nur deswegen nicht in U-Haft gekommen, weil es personelle Engpässe gebe. Vielmehr habe der Mann nicht in U-Haft genommen werden können, weil zum „Zeitpunkt des Zugriffs keine weitere Straftat begangen war und für die zurückliegende Raubserie erst noch restliche Ermittlungsergebnisse abgewartet“ werden mussten. Anders als nach der Festnahme des Bio-Räubers am 9. Juni 2022, als „die Voraussetzungen für einen Haftbefehl noch nicht zweifelsfrei“ gegeben waren, reicht es jetzt für die U-Haft.

Hamburger Bio-Räuber: Darum war er zunächst nicht in U-Haft – und warum er es jetzt doch ist

Warum? Ganz einfach: Weil sich Polizei und Staatsanwaltschaft nun sicher sind, dass der 43-Jährige für sechs Überfalle auf die Filialen von „Tjaden‘s“ in Eimsbüttel und Eppendorf sowie ein Pizza-Lieferdienst-Geschäft verantwortlich ist. Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, handelt es sich bei dem 43-jährigen Bio-Räuber um einen kriminellen „Anfänger“, der vermutete, in einem Bio-Supermarkt auf weniger Widerstand zu treffen als bei seinem Überfall auf den Pizza-Lieferdienst, wo er mithilfe einer Schusswaffe Bargeld erfolglos gefordert hatte. Die Polizei ist inzwischen sicher, dass es sich bei dem Mann um einen Serientäter handelt.

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Nach Angaben der Polizei hatte der 43-Jährige in den Biomärkten von „Tjaden‘s“ die Mitarbeiter mit einer Soft-Air Waffe bedroht. Sein Ziel dabei: Bargeld im drei- bis vierstelligen Betrag zu erbeuten. Bei seinem letzten Überfall auf einen der Biomärkte in Hamburg hatte ein Mobiles Einsatzkommando (MEK) den 43-Jährigen gestoppt, der eine Schreckschusswaffe bei sich trug. Eine Atemalkohol-Probe ergab damals einen Wert von 2,3 Promille.

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