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Nach Knallhart-Kritik: So will Hamburg in diesem Winter Obdachlose schützen

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Von: Anika Zuschke

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Der Winter steht bevor. Obdachlose sind zu dieser Jahreszeit Eiseskälte, Schnee und Regen ausgesetzt. Hamburg will dem dieses Jahr entgegenwirken. Was ist geplant?

Hamburg – Hamburg geht mit strammen Schritten auf den Winter zu – auch die prognostizierten Sahara-Tage in der kommenden Woche können nicht ewig anhalten. Kalte Nächte treffen dabei obdachlos auf der Straße lebende Menschen besonders hart. Deswegen möchte die Stadt nach Informationen der Hamburger Morgenpost in diesem Winter erstmals ein Hotel für die Unterbringung Obdachloser mieten.

Eine Reaktion auf das Armutszeugnis aus dem letzten Winter, als die Politik unter Druck geriet?

Lebenslage, in der Menschen über keinen festen Wohnsitz verfügen und im öffentlichen Raum, im Freien oder in Notunterkünften übernachten:Obdachlosigkeit
Anteil Obdachloser in den Industriestaaten:Etwa 80 Prozent Männer unter alleinstehenden Obdachlosen
„Obdachlos sein“ bedeutet:Außerhalb einer Wohnung übernachten zu müssen

Eine im März 2018 durchgeführte Zählung und Befragung obdachloser Menschen von der „GEO (Gesellschaft für Organisation und Entscheidung) Bielefeld“ hat ergeben, dass in Hamburg mindestens 1.920 Personen auf der Straße leben.

Diese Zahl ist laut der Diakonie Hamburg bereits vor 2018 angestiegen und es ist anzunehmen, dass sie auch während der Corona-Krise eher zu- als abgenommen hat. Zudem belegen exklusive Fallzahlen der Hamburger Morgenpost, dass Übergriffe auf Obdachlose in Hamburg auf dramatische Weise zugenommen haben.

Obdachlose in Hamburg: So will die Stadt ihnen in diesem Winter helfen

Um diesen Menschen im Winter einen sicheren und warmen Unterschlupf zu bieten, möchte Hamburg ihnen die Möglichkeit eines Hotelzimmers zur Verfügung stellen. Die Stadt würde mit einer solchen Unterbringung von Obdachlosen eine Kehrtwende im Winternotprogramm bewältigen. Bei dem Hotel soll es sich der Mopo zufolge um das „Plaza Inn“ in Moorfleet handeln.

Ein Obdachloser schläft in der Innenstadt im Schnee, ein Hotelschlüssel hängt in der Tür.
Hamburg möchte voraussichtlich diesen Winter erstmals ein Hotel für Obdachlose mieten. (24hamburg.de-Montage/Symbolbild) © Ole Spata/Swen Pförtner/dpa

Der Sprecher der Sozialbehörde der Hansestadt Hamburg, Martin Helfrich, wollte den Deal mit dem Hotel jedoch auf MOPO-Anfrage bisher weder bestätigen noch dementieren, sondern verwies auf eine Bekanntmachung in der kommenden Woche.

Kältebus hätte damit eine weitere Anlaufstation für Obdachlose in Hamburg

Die Fahrer des Kältebusses haben die freudigen Nachrichten laut MOPO zuerst erhalten. Kältebusse sollen in der Zeit zwischen November und März als Erfrierungsschutz für obdachlose Menschen dienen, die auch im Winter auf der Straße übernachten müssen. In Hamburg soll ein solcher Kältebus auf nicht festgelegten Routen vor allem im Bereich Altona und Innenstadt unterwegs sein.

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Mit dem Hotel gäbe es diesen Winter neben Notunterkünften noch eine neue Anlaufstation, zu der Obdachlose vom Kältebus gefahren werden können. Das „Plaza Inn“ in Moorfleet würde laut der Mopo 360 Betten in Doppelzimmern, jeweils mit Bad und Fernseher auf dem Zimmer, zur Verfügung stellen können.

Obdachlose in Hamburg: Können sie diesen Winter im „Plaza Inn“ in Moorfleet wohnen?

Bisher wurden nur in absoluten Ausnahmefällen beispielsweise chronisch kranke Obdachlose auf Kosten der Stadt in einem Hotel untergebracht. Obwohl sich Hilfsorganisationen und Kirchenvertreter laut der Mopo seit Langem dafür einsetzen, dass Obdachlose zur kalten Jahreszeit statt in Sammelunterkünften in Hotelzimmer einquartiert werden, haben sich diese Wünsche bis jetzt nicht durchgesetzt.

Das bereits existierende Hamburger Winternotprogramm gilt ausschließlich als Erfrierungsschutz für kalte Nächte, das wohnungslose Männer und Frauen tagsüber wieder verlassen müssen. Im letzten Winter wurden die Appelle nach anderweitigen Unterbringungen für Obdachlose besonders laut: Denn Hotels standen aufgrund der Pandemie leer und viele Betroffene wollten das Winternotprogramm laut MOPO aufgrund der Angst vor einer Infektion nicht nutzen.

Bisher wurde Unterbringung von Obdachlosen in Hotels primär durch private Spenden finanziert

Doch zu Corona-Zeiten haben sich gewisse Helden auch teilweise rührend um Obdachlose und Bedürftige gekümmert: Gastronom Koral Elci, der normalerweise Unternehmenskantinen versorgt, kochte während des Corona-Lockdowns für Menschen ohne Zuhause.

Im vergangenen Winter war es dennoch nur einer privaten Großspende von über 300.000 Euro an die Initiative „hotels for homeless“ zu verdanken, dass eine Vielzahl von obdachlosen Männern und Frauen von der Straße vorübergehend in ein Hotel umziehen konnten.

Am Ende des kalten Winters sind MOPO zufolge trotzdem 13 Obdachlose auf Hamburgs Straßen gestorben, das entspricht acht mehr als im Vorjahr. Auch abgesehen davon kommt es in Hamburg immer wieder zu schrecklichen Zwischenfällen mit Obdachlosen: So wurde ein Obdachloser in Hamburg bereits angezündet, einem anderen wurde mit einer abgebrochenen Flasche auf der Reeperbahn ins Gesicht gestochen. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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