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Nach brutaler Festnahme bei Stadtderby: Ermittlung gegen Bundespolizisten

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Von: Jan Knötzsch, Elias Bartl

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Eskalation vor Stadt-Derby: St. Pauli-Fans attackieren HSV-Fanmarsch
Im Vorfeld des Stadt-Derbys kam es zu Dutzenden Festnahmen. © Elias Bartl

St.-Pauli-Fans versuchten vorm Stadtderby den HSV-Fanmarsch anzugreifen. Im Netz ist ein Video aufgetaucht. Der FC St. Pauli erhebt Vorwürfe gegen die Polizei.

Update vom 16. Oktober 2022, 12.59 Uhr: Mittlerweile haben einige der in dem Video zu sehenden Beamten eine erste Stellungnahme abgegeben. Gegen einen Beamten wurden Ermittlungen eingeleitet. Nach Informationen der Mopo handelt es sich bei der eingesetzten Festnahmeeinheit um eine Einheit der Bundespolizei aus Hamburg. Die Abteilung interne Ermittlung habe von Amtswegen Ermittlungen aufgenommen, es liege aber auch eine Strafanzeige gegen den Polizisten vor.

Ursprungsartikel vom 15. Oktober 2022, 11.10 Uhr: Hamburg – Eigentlich sollte der Fußball im Mittelpunkt stehen. Doch das blieb beim Stadtderby FC St. Pauli – HSV nur ein Wunsch. Nach dem Ende des Zweitliga-Spiels standen andere Dinge im Fokus. Das Geschehen vorm Spiel nämlich. Das eskalierte: Es waren beängstigende Szenen, die sich am Rande des Stadtderbys zwischen dem HSV und dem FC. St. Pauli auf dem Heiligengeistfeld abspielten. Rund 3000 Anhänger des HSV marschierten vor dem Hochrisikospiel vom Altonaer Balkon zum Millerntorstadion.

Die Stimmung vor dem Derby war angespannt. Und dann krachte es. Am Ende stehen nun Vorwürfe von übermäßiger und unverhältnismäßiger Polizeigewalt. Der FC St. Pauli macht der Polizei Vorwürfe. Und das Netz läuft Sturm. Unter anderem auf Twitter kocht die Wut über das Vorgehen der Polizei über.

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Stadtderby FC St. Pauli – HSV in Hamburg: Polizei im Großeinsatz

Mit mehreren Hunderten an Beamten aus verschiedenen Bundesländern und der Unterstützung der Bundespolizei war die Polizei rund um das Stadtderby im Großeinsatz. Die Hauptaufgabe der Polizisten war es, die rivalisierenden Fanlager zu trennen. Während der HSV-Marsch von allen Seiten durch die Polizei begleitet wurde, gelang es rund 200 FC St. Pauli-Fans – unbemerkt von der Polizei –, sich auf dem Heiligengeistfeld zu positionieren. Maskiert und mit lautem Gebrüll rannten die FC St. Pauli-Fans schließlich über das Heiligengeistfeld auf den Fanmarsch des HSV zu.

Eine Festnahmeeinheit der Bundespolizei schritt ein, um die St. Pauli-Fans zurückzudrängen und eine Eskalation zwischen den beiden Fangruppen zu verhindern. Inmitten hunderter wartender Fans vor dem Station versuchte die Polizei, die maskierte Gruppe festzunehmen. Dabei entstanden teils unkontrollierte Zustände. Die Bundespolizeieinheit stürmte immer wieder in die Menge wartender Fans, um einzelne der maskierten FC St. Pauli-Anhänger zu greifen. Einzelne Polizisten verloren ihre Pistolen im Gemenge und auch Passanten wurden durch Maßnahmen der Polizei verletzt.

Video zeigt brutale Festnahme: Polizei will Fall prüfen

Ein auf Twitter kursierendes Video zeigt eine solche Ingewahrsamnahme, bei der ein Polizist Zwang in Form von körperlicher Gewalt anwendet. „Ob die Verhältnismäßigkeit gewahrt wurde, gilt es zu prüfen“, teilte die Polizei via Twitter mit. In dem Video ist zu sehen, wie mehrere Menschen von Polizisten auf dem Boden fixiert werden. Ein Beamter schlägt auf einen am Boden liegenden Mann ein, während ein anderer dessen Beine fixiert. „Diese Videos sehen nie schön aus“, sagte Polizeisprecherin Sandra Levgrün.,„aber das macht kein Kollege aus Spaß!“ Der Beamte in dem Video sei ein Bundespolizist.

Diverse Fans wurden von der Polizei in Gewahrsam genommen.
Diverse Fans wurden von der Polizei in Gewahrsam genommen. © Elias Bartl

Der FC St. Pauli forderte bereits kurz nach dem Stadtderby Aufklärung. „Auf dem Heiligengeistfeld hat es einen massiven Polizeieinsatz gegeben, mehrere Personen wurden verletzt“, teilte der Verein mit. Angesichts vorliegender Videos und Augenzeugenberichten stelle sich die dringende Frage nach der Verhältnismäßigkeit, heißt es von Seiten der Braun-Weißen nach dem 3:0-Heimsieg der Mannschaft von Trainer Timo Schultz. Auf Twitter, wo das brutale Video mit dem Vorgehen der Polizisten kursiert, gibt es diverse Stimmen, die das Handeln der Polizisten bei ihrem Einsatz auf dem Heiligengeistfeld für völlig überzogen halten

St. Pauli besiegt den HSV mit 3:0 – Ruhige Nacht nach dem Risikospiel

„Sofort aus dem Dienst schmeißen“, fordert dort ein User Konsequenzen für die Polizisten. Ein anderer User geht in seiner Antwort sogar noch weiter: „Aus dem Dienst und in den Knast.“ Wiederum ein anderer Twitter-User fragt ganz offen: „Was rechtfertigt denn diese Scheisse?“, während ein weiterer konstatiert: „Das ist vor 20min am Millerntor passiert. Auslöser gab es nicht, einfach ein paar Gefährder in Uniform die sich mal wieder austoben wollten.“ An anderer Stelle heißt es: „Mit was bitte wird eine solche Gewalt gerechtfertigt gegen unbewaffnete Zivilisten? Warum boxt man jemandem, der am Boden liegt und die Hände über Kopf und vors Gesicht hält, in die Nieren?“

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„Das ist nicht zu erklären. Da viele Polizisten eindeutig zu identifizieren sind, wird es da aber Strafanzeigen hageln“, vermutet ein User, während ein anderer die Polizei bepöbelt: „Was für Pimmel“. Ein weiterer konstatiert: „Einfach nur widerwärtig. Schläger in Uniform.“ Es gibt allerdings auch andere Stimmen. „Maskiert vorm Gästeeingang auf HSV Fans warten... Nur auf Gewalt aus die Affen. Völlig richtige Reaktion der Polizei hier“, kommentiert einer der Twitter-User, während ein anderer mit Blick auf die FC St. Pauli-Fans fragt: „Was haben die Typen denn gemacht, bevor gefilmt wurde?“

Nachdem der FC St. Pauli die Partie vor knapp 30.000 Zuschauern mit 3:0 für sich entscheiden hatte, blieb es in der Nacht nach dem Stadtderby dann ruhig. Die Polizei war mit einer großen Präsenz auf der Reeperbahn vertreten, musste jedoch nicht mehr eingreifen.

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