Gericht entschied dagegen

Muslimische Erzieherin aus Hamburg darf Kopftuch tragen

  • Vivienne Goizet
    VonVivienne Goizet
    schließen

Obwohl der Europäische Gerichtshof dem Arbeitgeber ermöglicht hat, religiöse Merkmale am Arbeitsplatz zu verbieten, darf die Erzieherin jetzt ihr Kopftuch tragen.

Hamburg – Dieser Streit ging sogar bis vor den Europäischen Gerichtshof und jetzt ist er zu Ende: Eine muslimische Erzieherin aus Hamburg darf mit Kopftuch arbeiten.

Kopftuchstreit:Streit, der in verschiedenen Ländern über ein so genanntes Kopftuchverbot herrscht
Kopftuchverbot:Das Verbot Kopftücher bei der Arbeit oder in öffentlichen Räumen zu tragen. Derzeit in Deutschland vor allem für Lehrerinnen, Erzieherinnen und Beamtinnen diskutiert.
Neutralitätspflicht:Im Gesetz verankerte Pflicht für Minister zur Parteineutralität im Wahlkampf.

Eigentlich dürfen private Träger wie die Wabe e. V. als Arbeitgeber den Angestellten untersagen am Arbeitsplatz religiöse und weltanschauliche Zeichen zu tragen. Das gilt für das Kopftuch ebenso wie für eine Kette mit Davidstern oder ein Kreuz, das um den Hals getragen wird. Das hatte erst im Juli 2021 der Europäische Gerichtshof geurteilt. Dies galt allerdings nur, wenn der Arbeitgeber das Verbot begründen kann. Damit ging die Entscheidung zurück an das Arbeitsgericht Hamburg. Und der Streit hätte munter weitergehen können.

Kopftuch-Streit in Hamburger Kita

Die Heil-Erzieherin war nach Mopo-Informationen zum Islam konvertiert. Ihr Arbeitgeber Wabe e.V. hat ihr Kopftuch zunächst noch geduldet. Als sie aus dem Erziehungsurlaub wiederkam, wurde ihr das Tragen des Kopftuchs am Arbeitsplatz verboten – aufgrund des Neutralitätsgebots

Eine Hamburger Erzieherin darf ihr Kopftuch nur zur Arbeit tragen. (Symbolbild)

Was mit Neutralitätsgebot gemeint sein könnte, offenbart die Website des Betreibers. Hier steht unter „WERTE, DIE WIR LEBEN“ unter anderem folgendes: „Die weltanschauliche, religiöse und politische Neutralität – für die sich Eltern und pädagogische Mitarbeiter*innen bewusst entscheiden können – schützt gelebte Vielfalt in unseren Kindertagesstätten. Ob Geschlecht, Herkunft, Kultur, Religion oder besondere Bedürfnisse, bei uns sind alle Familien willkommen.“

Daraufhin weigerte sich die Erzieherin, ohne ihre Kopfbedeckung zu arbeiten. Sie wurde abgemahnt und dann freigestellt unter Fortzahlung der Bezüge, berichtet die Mopo. Grund genug für die Dame, vor das Hamburger Arbeitsgericht zu ziehen. Von hier wurde der Fall an den Europäischen Gerichtshof weitergereicht und die Richter in Luxemburg fällten im Juli 2021 ihr Urteil zum Kopftuch*.

Nun nahm die Kita-Leitung trotz des Urteils Abmahnung und Freistellung zurück. Die Mitarbeiterin darf beim Betreuen der Kinder ihr Kopftuch tragen. Das Neutralitätsgebot gelte allerdings weiterhin. Es sei ein „Kernelement unseres pädagogischen Konzepts für die uns anvertrauten Kinder und deren Familien“, sagt die Geschäftsleitung gegenüber der Mopo.

Kopftuchverbot und Debatten in der Vergangenheit

Das Kopftuchverbot ist kein einfaches Thema. Die einen meinen es zeigt die Vielfalt der Welt, die anderen halten es für unwillkommene Religionskonfrontation. Im April 2021 beschloss der Bundestag ein neues Gesetz, welches das Kopftuchverbot für Beamte ermöglichte und Religion mit Rechtsextremismus vergleicht*.

Täglich die spannendsten Hamburg-Nachrichten direkt ins Postfach.

Im Juni 2021 wurde eine 16-jährige in Hamburg wegen ihres Kopftuchs aus dem Supermarkt geschmissen. Und selbst bei GZSZ gab es eine Kopftuch-Diskussion, nachdem eine neue Darstellerin mit Kopftuch über die Bildschirme flimmerte. Frauen mit Kopftuch werden systematisch anders behandelt*, befand sogar eine Studie und offenbarte so hintergründigen Rassismus. Und die Frauen, die bei der Bundestagswahl wegen ihres Kopftuchs aus dem Wahllokal geschickt* wurde, bewiesen die Erkenntnisse an einem traurigen Beispiel. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Donal Husni/dpa/ZUMA Wire

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare