Arbeitgeber-Boss macht Druck

Müssen jetzt alle länger arbeiten? Arbeitgeber-Chef fordert Rente ab 68

  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
    schließen

Laut Arbeitgeber-Chef Rainer Dulger gehen die Deutschen zu früh in Rente. Trotz Kritik fordert er längere Lebensarbeitszeiten.

Berlin – Die Debatte um die Rente ab 68* kocht wieder hoch. Trotz großer Kritik dringt die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) weiter auf eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Das Verhältnis zwischen Leistungsempfängern und Einzahlern gerate immer mehr aus dem Gleichgewicht, warnte BDA-Präsident Rainer Dulger in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Deshalb komme man nicht um eine Diskussion um einen späteren Rentenbeginn herum, sagte er.

Präsident der Bundesvereinigung der ArbeitgeberverbändeRainer Dulger (seit 2020)
geboren: 18. Februar 1964 (Alter 57 Jahre), Heidelberg
Privat:verheiratet, zwei Kinder
Geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens:Prominent GmbH

Müssen also bald alle Deutschen länger arbeiten? Die Diskussion über eine Verschiebung des Renteneintrittsalters* von derzeit 67 auf 68 Jahre erhitzt seit Wochen die Gemüter in Berlin. Losgetreten wurde der Streit vom Wissenschaftlichen Beirats des Wirtschaftsministeriums – einem unabhängigen Beratergremium von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Die Experten hatten eine Reform hin zur Rente ab 68 vorgeschlagen. Andernfalls drohten „schockartig steigende Finanzierungsprobleme in der gesetzlichen Rentenversicherung ab 2025“, hieß es.

Rente ab 68: Arbeitgeber plädieren für Reform – Olaf Scholz (SPD) stellt sich quer

Quer durch alle Parteien war dadurch ein Sturm der Entrüstung ausgebrochen. Allen voran die SPD, sie wies die Vorschläge brüsk zurück. So nannte Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD) das Ansinnen ein „Horrorszenario“, das absolut unsozial sei. Aus seiner Sicht gebe es überhaupt keinen Anlass, den Vorschlag durchzusetzen. Ähnlich äußerten sich auch Fraktionschef Rolf Mützenich und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. Bei der Rente gehe es um die Anerkennung von Lebensleistung und Sicherheit im Alter. „Darauf muss sich jede und jeder verlassen können“, sagte er.

Er fordert einen späteren Renteneintritt: BDA-Präsident Rainer Dulger. (24hamburg.de-Montage)

Doch selbst in der Union gab es Vorbehalte. Und so verwies Wirtschaftsminister Altmaier das Gutachten seines Hauses zurück in die Schreibtischschublade. Der Beirat sei unabhängig, aber für den Minister nicht bindend, stellte der Unionspolitiker klar. Das Rentenalter sei in der ersten Großen Koalition „auf Vorschlag des geschätzten Kollegen“ Franz Müntefering (SPD) auf 67 Jahre festgesetzt worden. „Dabei sollte es bleiben, das ist seit Jahren meine Meinung“, twitterte Altmaier.

Doch bei den Arbeitgebern will man das nicht so einfach hinnehmen. BDA-Präsident Dulger warnte jetzt vor großen Finanzierungsproblemen in der Rentenkasse*, wenn die Politik weiterhin die Augen vor einer Reform verschließe. Sobald die Jahrgänge, die in den 60er Jahren geboren wurden, in Rente gingen, werde die Lücke immer größer, mahnte er. Am Ende bliebe dem Bund nichts anderes übrig, als diese mit Steuergeldern zu schließen. „Doch das ist keine nachhaltige Lösung“, kritisierte Dulger.

Verschiebung des Rentenalters: Droht der Rentenkasse eine Finanzierungslücke?

Aus Sicht der Arbeitgebervereinigung ist schnelles Handeln geboten. Statt für eine allumfassende Rentenreform plädiert der Verband deshalb in einem ersten Schritt für eine eher freiwillige Lösung*. So solle die Bundesregierung mit einem Anreizsystem für eine längere Lebensarbeitszeit werben, schlug Dulger vor. Die Idee: Beiträge zur Arbeitslosenversicherung umsteuern.

 „Es macht doch beispielsweise wenig Sinn, wenn jemand, der sich entschieden hat, länger zu arbeiten, weiter in die Arbeitslosenversicherung einzahlt, denn er kann ja gar nicht mehr arbeitslos werden“, sagte der BDA-Präsident. Stattdessen sollen Arbeitnehmer, die beim Erreichen der Altersgrenze weiter tätig seien, diese Beiträge erlassen bekommen oder das Geld für die private Altersvorsorge einsetzen können. „Das wäre“, so Dulger, „ein echter Anreiz.“ * 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Peøina Ludìk/dpa/picture alliance & Bernd Weissbrod/dpa/picture alliance

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare