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Mönckebergstraße: Farbe von Klima-Schützern geht nicht mehr ab – für Senat ok

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Von: Kevin Goonewardena

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Ein riesiger Schriftzug von Fridays for Future mahnt auf der Mönckebergstraße in Hamburg die Einhaltung der Klimaziele an. Doch: Die Farbe geht nicht mehr ab. Und nun?

Hamburg – Passanten, die auf Hamburgs beliebtester Shoppingmeile unterwegs sind, dürfte der Stein des Anstoßes kaum verborgen geblieben sein: Denn seit mehr als einem Jahr mahnt ein 60 Meter langer Schriftzug die Einhaltung der 2015 im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziele an: in weißer Schrift auf grünem Grund ist auf der Fahrbahn der Mönckebergstraße seit Frühjahr 2021 der Appell „Wir alle für 1,5°C“ zu lesen. Damals durch Aktivisten nicht etwa in einer Guerilla-Aktion auf den Asphalt aufgetragen, sondern mit behördlicher Genehmigung bis zum 31. Oktober 2021. Der ist längst verstrichen, die Farbe jedoch ist immer noch da – und wird es wohl auch noch eine ganze Weile bleiben.

Name:Fridays for Future
Gründerin:Greta Thunberg
Gründungsdatum:20. August 2018
Aktiv:Weltweit

Mönckebergstraße: Farbe von Fridays for Future bleibt Jahre im Asphalt – „Wir alle für 1,5°C“

Denn wie eine Anfrage der Opposition in der Hamburgischen Bürgerschaft ergab, will der Senat die Straße so lassen, wie sie ist. Um den Schriftzug wieder zu entfernen, berichtet die Bild-Zeitung, müsste die Straße nämlich mittlerweile abgefräst werden – die Farbe sei laut Experten, so schreibt es die Regionalausgabe des Springer-Blattes, längst in den Asphalt eingedrungen. Nun will die Stadt warten, bis die Mönckebergstraße kernsaniert werden müsse. Das könne laut Bild 7 bis 10 Jahre dauern. Welche Kosten eine Entfernung mit sich bringen würde und wie hoch die Chance wäre, diese Fridays for Future erfolgreich in Rechnung zu stellen, schreibt die Bild nicht.

Die Klimaaktivisten von Fridays for Future, die sich für den Schriftzug verantwortlich zeigen, hatten schon zu vor für den dauerhaften Erhalt des Schriftzugs ausgesprochen.

Fridays for Future demonstrieren in Hamburg für mehr Klimaschutz
Die Fridays for Future-Aktivisten beim Auftragen des Protest-Schriftzugs am 19. März 2021 auf den Asphalt der Hamburger Mönckebergstraße © Achim Duwentäster / Imago

Fridays for Future auf der Mönckebergstraße: Von Anfang an für dauerhaften Erhalt

Bereits im März 2021, einen Monat nach Aufbringen der Farbe auf der Mönckebergstraße, äußerte sich Annika Kruse, Sprecherin der FFF-Bewegung Hamburg, gegenüber dem Hamburger Abendblatt „Es wäre ein gewichtiges Signal, wenn der Schriftzug auch über den April hinaus Bestand haben könnte. Schließlich ist die Klimakrise dann nicht einfach vorbei und diese historische Herausforderung nicht gemeistert.“ Die ursprüngliche Genehmigung galt lediglich bis Ende April, die Aktivisten und die Stadt Hamburg hatten sich dann auf eine Verlängerung bis Oktober 2021 geenigt.

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Mönckebergstraße mit Farbe beschmiert: Hamburger Senat verzichtet auf Schadenersatzansprüche

Doch nicht nur der genehmigte Verlängerungszeitraum der Aktion auf der Mönckebergstraße ist längst überschritten. Die Stadt, ergab eine Nachfrage bei der Verkehrsbehörde von Senator Anjes Tjarks, verzichtet auch aus „Verhältnismäßigkeitsgründen“ darauf, Schadenersatzansprüche geltend zu machen. Für einen Teil der Hamburger Opposition geht das zulasten des Steuerzahlers. Dass eine jetzige Entfernung ebenfalls eine zusätzliche finanzielle Belastung der Bürgerinnen und Bürger darstellen würde; anders als es der Fall wäre, wenn die Entfernung des Schriftzuges mit etatmässigen Sanierungsarbeiten einhergehen würde, verschweigt die Opposition.

Mönckebergstraße: Miniaturwunderland-Gründer, Boris Hermann, Michael Otto unterstützen Schriftzug

Prominente Unterstützung für die Aktion auf der Mönckebergstraße hatten sich die Klimaschützer bereits im Vorfeld gesichert. Michael Otto sagte in einer Videobotschaft: „Wir sollten diesen Schriftzug längerfristiger dort stehen lassen, denn er erinnert daran, dass der Klimawandel im Augenblick die größte Bedrohung für die Menschheit ist“. Unterstützung erfuhren die Fridays for Future-Aktivisten unter anderem auch von Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle, dem Hauptpastor der Hauptkirche St. Petri, Jens-Martin Kruse, dem Extremsegler Boris Herrmann und dem Gründer des Miniatur Wunderlandes, Gerrit Braun. Das schreibt die Wochenzeitung Die Zeit und bezieht sich dabei auf eine Meldung der Deutschen Presse Agentur. Lesen Sie auch: Familien-Klimastreik in Hamburg: „Es kann jeder etwas bewegen“

Nobelptreisträger Hasselmann „Froh, dass es Fridays for Future gibt.“

Von Anfang an erhält die Klimabewegung auch in Hamburg prominente Unterstützung. Der letztjährige Nobelpreisträger und Hamburger Klimaforscher Klaus Hasselmann ist „froh, dass es Fridays for Future gibt“, wie er dem Abendblatt verriet. Hasselmann hatte die renommierte Auszeichnung 2021 im Bereich Physik erhalten. Der Gründer des Max-Planck-Instituts für Meterologie hatte bereits in den 1970er Jahren den Einfluss des Menschen auf den Klimawandel nachgewiesen. Vergangene Woche wurde bekannt, dass Hasselmann mit 200.000 den Großteil seines Preisgeldes an einen Verein für Klima- und Artenschutz des Magazins GEO spenden wird. Zu den zahlreichen prominenten Unterstützerinnen der FFF-Bewegung aus Hamburg zählen auch Kulturschaffende wie Jan Delay, Deichkind oder Zoe Wees, die in der Vergangenheit bei Fridays for Future-Protesten aufgetreten sind.

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