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Missbrauchsgutachten: Kirchenaustritt-Termine in Hamburg monatelang ausgebucht

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Von: Kevin Goonewardena

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Die Missbrauchsenthüllungen der Kirche sorgen auch in Hamburg für steigende Nachfrage nach Kirchenaustritten. Doch die Termine sind oft über Monate ausgebucht.

Hamburg – Missbrauchsskandale und Kirche stellen schon länger eine unheilige Symbiose dar; diese Tatsache und die schleppende, durch die Kirche aktiv behinderte Aufarbeitung lassen sich immer weniger Kirchenmitglieder bieten. Natürlich sind das nicht die einzigen Gründe, warum immer mehr Mitglieder die Institution Kirche verlassen wollen. Doch nach aktuellen Veröffentlichungen, wie etwa der des Missbrauchsgutachtens zu den Fällen in München in der vergangenen Woche, steigen die Zahlen der Austritte sprunghaft an. Das betrifft auch Kirchengemeinden in Hamburg.

Mitglieder Römisch-Katholische Kirche in Deutschland 199028.525.000 Millionen (35,4 Prozent der Gesamtbevölkerung)
Mitglieder der Evangelischen Kirche Deutschland 199029.422.000 Millionen (36,9 Prozent)
Mitglieder Römisch-Katholische Kirche Deutschland 202022.193.000 Millionen (26,7 Prozent)
Mitglieder der Evangelischen Kirche in Deutschland 202020.236.000 Millionen (24,3 Prozent)

Kirchenaustritt: Termine in Hamburg über Monate ausgebucht

Was Viele nicht wissen dürften: Mit einer einfachen Kündigung der Mitgliedschaft ist es keineswegs getan. Der Wunsch des Austritts aus der Glaubensgemeinschaft muss amtlich bestätigt werden. Und dafür ist ein Termin notwendig, den viele Hamburger und Hamburgerinnen gerade in den letzten Wochen gerne vereinbaren würden. „Seit der Bekanntgabe des Gutachtens stehen bei uns die Telefone sprichwörtlich nicht mehr still und viele Menschen bitten um einen Termin“, teilte der Pressesprecher des Bezirksamtes Eimsbüttel, Kay Becker, auf Nachfrage dem Abendblatt mit. Doch die kündigungswilligen Kirchenmitglieder dürften mit der Antwort Beckers und seiner Kollegen und Kolleginnen in anderen Bezirken kaum zufrieden sein: Die Termine sind oft über Monate ausgebucht.

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Kirchenaustritt: Termine über Monate ausgebucht – Kirchensteuer muss weiter gezahlt werden

Im Bezirk Eimsbüttel seien in den nächsten Wochen laut Abendblatt keine Termine mehr zu bekommen, um das Ende der Kirchenmitgliedschaft zu besiegeln. In Wandsbek seien die Termine gar bis zum 30. Juni 2022 ausgebucht, so die Zeitung weiter. Und das bedeutet auch: Die Kirchensteuer müssen die Austrittswilligen natürlich weiter zahlen.

Kirchen in Deutschland: Seit 1990 rund 15 Millionen Deutsche ausgetreten

Zwar erfassen die Hamburger Behörden nur die Gesamtzahl der Kirchenaustritte und schlüsseln jene nicht noch nach Konfessionen auf. Doch auf Nachfrage teilte zumindest dass Bezirksamt Wandsbek mit, dass es in den vergangenen Jahren einen kontinuierlichen Anstieg der Austritte Anhänger beider großen Konfessionen gegeben habe. Insgesamt hätten in Wandsbek 1845 Menschen im Jahr 2020 den Kirchen den Rücken gekehrt, 2021 sei deren Zahl um rund 1000 gestiegen (2818).

Wie viele Menschen genau die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) und die Römisch-Katholischen Kirche verlassen haben, lässt sich an den von den Kirchen selbst publizierten Zahlen feststellen. Insgesamt haben seit 1990 rund 15 Millionen Menschen ihre Mitgliedschaften beendet, dabei ist interessanterweise die EKD mehr von den Austritten betroffen.

Kirchenaustritte: Neue Rekorde schon vor Veröffentlichung des Missbrauchsgutachten

Die Austritte beschränken sich dabei keineswegs auf eine Region. So wurden etwa aus Frankfurt*, Köln* oder dem Land Niedersachsen* für das vergangene Jahr neue Rekordzahlen gemeldet - also noch vor dem aktuellen Gutachten. Doch auch das Missbrauchsgutachten hat Einfluss auf die Kirchenaustritte. So berichtet der Münchner Merkur, dass alleine in der Woche nach Veröffentlichung der Studie 650 Termine bei den zuständigen Ämtern gebucht worden.* Das seien doppelt so viele wie sonst üblich. Von einer Welle die auf die bayrischen Kommunen zurolle, ist diesbezüglich die Rede.

Missbrauchsgutachten: Erzbischof Marx kündigt Stellungnahme an

Erzbischof Reinhard Marx, dessen Bistum München-Freising Gegenstand des Missbrauchsgutachten ist, steht wegen des Umgangs mit den Enthüllungen genau wie der ehemalige Pabst Benedikt der XVI, vormals Kardinal Ratzinger, unter massivem Beschuss. Für den Donnerstagvormittag ist eine Stellungnahme zum Missbrauchsgutachten durch Erzbischof Marx angekündigt.* In dem Gutachten wird den Kirchenverantwortlichen vorgeworfen, von hunderten Missbrauchsfällen gewusst zu haben und den Vorwürfen nicht nachgegangen zu sein. *24hamburg.de, fr.de, kreiszeitung.de, 24rhein.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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