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Wandsbeker Grüne: Nachrückerin hat keine Lust auf „Querelen“ der Fraktion

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Von: Steffen Maas

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Das Bezirksamt in Hamburg-Wandsbek Logo der Grünen
Das Bezirksamt in Wandsbek: Hier trifft die Koalition aus SPD und Grüne eigentlich die wichtigen politischen Entscheidungen. Doch weil mittlerweile drei Abgeordnete der Grünen-Fraktion den Rücken gekehrt haben, ist die Mehrheit nun futsch. (24hamburg.de-Montage) © Hanno Bode/Imago/Bündnis 90/Die Grünen

Weil die Grünen-Fraktion in der Wandsbeker Bezirksversammlung die nächste Abgeordnete verliert, ist die Mehrheit mit Koalitionspartner SPD futsch.

Update vom Dienstag, 25. Oktober 2022, 9:46 Uhr: Auf Anfrage von 24hamburg.de meldet sich nun auch die Frau zu Wort, die etwas unglücklich in das grüne Chaos reingeraten ist – immerhin ist ihre Aufstellung in der Grünen-Wahlliste mittlerweile schon drei Jahre her. „Scheinbar kam es seitdem zu Querelen innerhalb der Grünen Fraktion, sodass ich mich vorerst nicht in diese internen Probleme integrieren will“, stellt Maria von Trotha klar.

Stattdessen wolle sich von Trotha, die beruflich in der Senioren-Assistenz tätig ist, „mit Vehemenz der Sachpolitik zuwenden“. Sie unterstreicht dabei:

Ich freue mich auf diese Arbeit, die sicher meine ‚Grüne DNA‘ enthalten wird.

Maria von Trotha, neue Abgeordnete der Wandsbeker Bezirksversammlung

In einer undurchsichtigen Situation wolle sie sich aber noch später im Detail äußern – nicht zuletzt auch wegen der Wandsbeker Bürger. Die neue Mandatsträgerin weiß: „Die Menschen im Bezirk Wandsbek haben ein Recht darauf zu erfahren, wer sie vertritt.“

Chaos bei den Hamburger Grünen: Plötzlich ist die Mehrheit in Wandsbek futsch

Erstmeldung vom Montag, 24. Oktober 2022, 15:53 Uhr: Hamburg – Desaströse Zustände bei den Grünen in Wandsbek: Nachdem seit der Wahl 2019 bereits zwei Abgeordnete der Fraktion in der Bezirksversammlung den Rücken gekehrt hatten, legte Mitte Oktober auch der verkehrspolitische Sprecher der Partei, Jan Otto Witt, sein Mandat nieder – offiziell begründet mit dem Umzug von Hamburg nach Schleswig-Holstein. Doch Witt ließ bei seinem Abschied kein gutes Haar an den Fraktionskollegen, denen es an „Herz, Intelligenz, Durchsetzung, Taktik und Strategie“ fehle. Klingt nicht gerade nach freundschaftlicher Trennung. Das große Problem: Maria von Trotha, die für Witt nachrückt, hat offenbar ebenfalls keine Lust auf die Grünen-Fraktion. Damit verliert die rot-grüne Koalition in Wandsbek jetzt ihre Mehrheit.

Bezirk:Wandsbek
Einwohner:435.235 (Stand: 2017)
Stadtteile:18
Bezirksamtleiter:Thomas Ritzenhoff (SPD)

Grünen-Fraktion in Wandsbek: Nur noch 12 von 15 Abgeordneten an Bord

Aus 15 Abgeordneten mach 12: Die Grünen-Fraktion in der Wandsbeker Bezirksversammlung hat seit den Wahlen im Mai 2019 schwere Verluste zu beklagen. Die Unsortiertheit des Grünen Kreisverbandes beeinträchtigt jetzt auch den Partner SPD und die politische Realität im größten Hamburger Bezirk. Denn zusammen kommen die Koalitionspartner nur auf 28 von insgesamt 57 Abgeordneten in der Bezirksversammlung – die Mehrheit ist damit futsch!

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Dafür hat jetzt schlussendlich die Nachrückerin Maria von Trotha gesorgt, die zwar Jan Otto Witts Mandat aufnimmt, ihn jedoch nicht in der Fraktion der Grünen ersetzen will. Von Trotha war 2019 von den Grünen auf Platz 21 der Bezirks-Liste nominiert worden und ist nun „an der Reihe“. Grünen-Landeschefin Maryam Blumenthal hatte sich in der vergangenen Woche gegenüber dem Hamburger Abendblatt noch sehr optimistisch geäußert, dass die Nachrückerin ihr Mandat antritt und auch die Mehrheitsverhältnisse in der Bezirksversammlung wieder herstellt.

Nachrückerin verzichtet auf Fraktions-Beitritt – „ohne Angabe von Gründen“

Doch daraus wird nichts. „Ohne Angaben von Gründen“ habe sich von Trotha gegen einen Beitritt zur Grünen-Fraktion entschieden, berichten Fraktionsvorsitzende Julia Chiandone und der Kreisverband auf ihrer Homepage. Kurios: Die Grünen-Führung kam wohl nicht mal wirklich in den Dialog mit der Frau, die für die Partei in die Bezirksversammlung einzieht. „Mehrere Kontaktversuche wurden leider zurückgewiesen“, bedauern Chiandone und ihr Kreisverband.

Im grünen Lager pocht man daher öffentlich auf das Demokratieverständnis der Neu-Abgeordneten und verlangt, dass sie ihr Mandat doch nicht antritt: „Wir fordern Frau von Trotha auf, den Wählerwillen und das Ergebnis der Bezirksversammlungswahl zu respektieren und ihr Mandat an die Partei zurückzugeben, für die Wandsbeks Bürgerinnen und Bürger im Mai 2019 ihr Kreuz gesetzt haben.“

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Frust beim Partner SPD: Finanzsenator Andreas Dressel vermisst Verlässlichkeit bei den Grünen

Das würde man wohl auch beim Koalitionspartner SPD gerne sehen. Im Frühjahr 2023 steht die wichtige Wahl zum Bezirksamtsleiter an, bei der man eigentlich mit der Mehrheit der Stimmen den favorisierten Kandidaten durchbringen wollen würde.

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Mahnende Worte in Richtung des grünen Partners kamen dann umgehend von ganz oben. Finanzsenator und SPD-Wandsbek-Chef Andreas Dressel äußerte sich auf Twitter ausdrücklich kritisch: „In diesen Krisenzeiten erwarten die Menschen von der Politik zurecht Stabilität und Verlässlichkeit. Die personellen Entwicklungen und persönlichen Entscheidungen bei den Wandsbeker Grünen sind das Gegenteil.“

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