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Maskenpflicht im ÖPNV: So planen Hamburg und HVV für den Winter

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Von: Steffen Maas

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Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther will die Maskenpflicht im ÖPNV zum kommenden Jahr abschaffen. In Hamburg kommt das nicht gut an.

Hamburg – Hamburgs Sozialbehörde ist alles andere als glücklich über die jüngste Ankündigung von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), im nächsten Jahr auf eine Maskenpflicht im ÖPNV verzichten zu wollen. Auf Anfrage von 24hamburg.de erklärte Martin Helfrich, Sprecher der Behörde, am Montag, „zwischen den Nachbarbundesländern vereinbarte und harmonisierte Entscheidungen“ seien sinnvoll, um Reibungspunkte und offene Fragen zu verringern. Diesen Weg verlasse Günther mit seiner Ankündigung nun, heißt es aus Hamburgs Verwaltung.

Name:Hamburger Verkehrsverbund (HVV)
Gründung:29. November 1965 in Hamburg
Tarifgebiet:Hamburg, Niedersachsen (teilweise) und Schleswig-Holstein (teilweise)
Fahrgäste:796 Millionen (2019)

Sozialbehörde in Hamburg: Schleswig-Holsteins Vorstoß „eher als politische Entscheidung“ einzuordnen

„Aus Sicht Hamburgs ist aber eine solche Bundeseinheitlichkeit sinnvoll und anzustreben, aus Gründen der Übersichtlichkeit ebenso wie der Umsetzbarkeit“, unterstreicht Helfrich dabei. Im Oktober noch hatte die Hansestadt etwa auf eine FFP2-Maskenpflicht in Bussen und Bahnen verzichtet – „mit dieser Entscheidung wollte Hamburg ganz bewusst auf die andere Regelung in den Nachbarbundesländern eingehen und dafür sorgen, dass im HVV-Gebiet die Regelung einheitlich ist“.

Grundsätzlich würden Entscheidungen über Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus in der Gesundheitsbehörde und dem Hamburger Senat unter Berücksichtigung der Fallzahlen und auf Empfehlungen der Experten des Robert-Koch-Instituts erfolgen – auf „Evidenz und fachlichen Rat“ gestützt, so Helfrich. „Umgekehrt ist die von Schleswig-Holstein angekündigte Veränderung nach unserer Wahrnehmung eher als (partei-)politisch getroffene Entscheidung zu verstehen, zumal damit der Weg einer möglichst bundeseinheitlichen Lösung verlassen wird.“

Streitthema Maskenpflicht im ÖPNV: Pflicht, Empfehlung und Müdigkeit

Ministerpräsident Daniel Günther – und dessen bayrischer Amtskollege Markus Söder (CSU), der mit einer Abschaffung der Maskenpflicht bereits zum Dezember liebäugelt – nehmen dabei Positionen auf einer Seite der hitzigen Debatte ein. Auf der anderen Seite steht unter anderem Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der etwa dem Fernsehsender Welt sagte, eine Aussetzung der Maskenpflicht sei bei steigenden Infektionszahlen im Winter „nicht vermittelbar“.

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Zuvor hatte die Bildzeitung berichtet, dass sich auch der Verbund Deutscher Verkehrsunternehmen für ein Ende der Maskenpflicht ausspreche. Eine konsequente Kontrolle und Ahndung der Verstöße sei kaum noch möglich, weil sich in Großstädten die Vorfälle zum Teil versiebenfacht haben – ein klares Zeichen für eine Masken-Müdigkeit, heißt es im Bericht.

Maskenpflicht im HVV: Fahrgäste halten sich zu „90 bis 95 Prozent“ an Vorgabe

Die lasse sich im Fahrgebiet des Hamburger Verkehrsverbundes so nicht ablesen, berichtet HVV-Pressesprecher Rainer Vohl unserer Redaktion. Zwar habe sich die Zahl der Verstöße gegen die Maskenverordnung im Oktober 2022 auf 2610 im Vergleich zum Vorjahresmonat (1064) mehr als verdoppelt, aber: Andere Faktoren, vor allem die Anzahl der Fahrgäste und die Kontrolldichte, würden eine Vergleichbarkeit schwierig machen.

„Daraus also jetzt eine Maskenmüdigkeit abzuleiten halte ich für nicht so seriös“, sagt Vohl. Er betont dagegen lieber, dass man weiterhin eine Maskenquote bei Fahrgästen zwischen 90 und 95 Prozent habe, sich dort also weiter auf einem sehr hohen Niveau befinde.

Eine Frau steht mit ihrer FFP2-Maske am Bahnsteig der U-Bahn im HVV.
Maskenpflicht im HVV: Fahrgäste halten sich zu „90 bis 95 Prozent“ an Vorgabe. (24hamburg.de-Montage) © Hanno Bode/imago & Wolfgang Maria Weber/imago

Damit das so bleibt, setzen die Verkehrsbetriebe in der Hansestadt täglich über 700 Mitarbeiter ein – denn die Maskenkontrolle wird nicht durch gesondertes Personal durchgeführt. In Personalunion kümmern sich die Beschäftigten um die allgemeine Ordnung, die Fahrkartenkontrolle und die Einhaltung der Maskenpflicht.

„Routine entwickelt“: HVV mittlerweile geübt im Regel-Wirrwarr

Ob letzteres in naher Zukunft dann noch nötig ist, entscheidet also der Hamburger Senat. „Wir setzen das um, was die Gesundheitsbehörde entscheidet“, unterstreicht Pressesprecher Rainer Vohl. So oder so sei man nach den vergangenen zweieinhalb Jahren noch besser im Umgang mit neuen Regeln und deren Einführung geworden – auch Bundesländer-übergreifend, wie es aktuell zum Teil noch notwendig ist. „Es hat sich eine gewisse Routine entwickelt, ja“, bekräftigt Vohl.

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„Es gab schon mehrfach Situationen, wo wir allein im HVV unterschiedliche Situationen hatten.“ Er erinnert dabei etwa an Phasen der Pandemie, in denen die Maskenpflicht an die magische 100er-Inzidenz gekoppelt war und so von Fahrgästen und Verkehrsbetrieben maximale Flexibilität forderte. „Was auch immer als Nächstes kommt: So kompliziert wird es sicher nicht mehr“, legt sich Vohl fest.

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