Expertenmeinung

Corona in Hamburg: So gefährlich ist Virus-Mutation laut Marylyn Addo

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Die Coronavirus-Mutation wirft viele Fragen auf. UKE-Virologin Marylyn Addo hat Antworten. Auch zu Corona-Impfungen: „Da müssen wir jetzt einen Schritt zurück“

  • Marylyn Addo spricht über Corona-Impfungen, Mutationen und die Lage im UKE.
  • Warum die Expertin den langsamen Impfstart gar nicht so schlimm findet.
  • Und ab wann Hamburg mit einer Besserung der Virus-Lage rechnen kann.

Hamburg – Die Corona-Impfungen sind derzeit nicht nur in Hamburg ein heiß diskutiertes Thema. Deutschlandweit entfachen Debatten um Impfpflicht, den verpatzten Impfstart und Nebenwirkungen des Impfstoffs. Doch was sagen Experten zu diesen Punkten? UKE-Infektiologin Marylyn Addo klärt auf.

Krankenhaus in HamburgUniversitätsklinikum Eppendorf
COVID-19-Informationenuke.de
AdresseMartinistraße 52, 20251 Hamburg
ÖffnungszeitenRund um die Uhr geöffnet
Betten1738 (davon 210 im Universitären Herzzentrum Hamburg und 68 in der Martini-Klinik)
Mitarbeiter10.944
Davon Ärzte2.803

Corona-Impfungen in Hamburg: UKE-Infektiologin Marylyn Addo über Impfstart in Deutschland

„Ich würde mir wünschen, dass man nicht das große Bild aus den Augen verliert. Wenn man mir im letzten Februar gesagt hätte, dass wir uns im Dezember darüber streiten, wer die ersten Impfstoffe bekommt, hätte ich das für verrückt gehalten – so schnell würde es doch nie einen Impfstoff geben“, erklärt Forscherin Marylyn Addo im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) angesichts des langsamen Impfstarts im Land. Sie wünscht sich, dass das Erreichte auch mal gefeiert wird und bezeichnet die schnelle Entwicklung eines Impfstoffs als „spektakulären Erfolg“.

UKE-Infektiologin Marylyn Addo forscht mit ihren Kollegen gerade an einem Coron-Impfstoff. (24hamburg.de-Montage)

Die UKE-Infektiologin forscht aktuell selbst mit ihrem Team an einem Corona-Impfstoff und hat dabei einen Rückschlag erlebt: Ihr Impfstoff hat die erste Testphase nicht überstanden. Der Impfstoff-Kandidat zeigte sich zwar als sehr verträglich, allerdings scheiterte es an der Immunantwort. „Es geht ja in der Phase eins noch nicht um die Frage, wie wirksam der Impfstoff ist, das wird in der Phase drei geprüft. Hier ging es vor allem darum, ob der Impfstoff Antikörper macht. Das hat er, aber nicht so viele, wie wir das gedacht hatten. Da müssen wir jetzt einen Schritt zurück und den Impfstoff optimieren“, erklärt sie.

UKE-Infektiologin über Corona-Impfpflicht und Wirkungen bei Corona-Mutationen

Marylyn Addo selbst wurde als Probandin einer Studie bereits im September 2020 eine Impfung verabreicht. Auch ihre UKE-Kolleginnen und Kollegen sind nun nach und nach an der Reihe. Über mangelnde Impfbereitschaft im Krankenhaus könne sie nicht klagen. „Wir kämpfen eher damit, dass viel mehr Mitarbeitende sich impfen lassen wollen, als wir Impfstoff haben. Aber ich kenne natürlich die Berichte aus anderen Kliniken und Pflegeheimen, und es geht auch immer darum, von welchem Personal man spricht“. Wer auf den Intensivstationen arbeite, der wolle eher schnell geimpft werden, wohingegen das Personal in anderen Bereichen etwas zurückhaltender sei.

Eine Impfpflicht, für die sich etwa Markus Söder (CDU) in Bayern ausspricht, sei für sie aber nicht vorstellbar. „Ich finde die derzeitige Debatte etwas befremdlich und vor allem verfrüht. Noch wissen wir ja nicht, ob und in welchem Ausmaß Geimpfte nicht womöglich das Virus trotzdem weitergeben können“. Es sei also noch gar nicht bewiesen, ob das Pflegepersonal durch die eigene Impfung die Patienten überhaupt mehr schützt. Dazu brauche es mehr Daten, welche die Experten aber „in näherer Zukunft erwarten“.

Die neuartigen Corona-Mutationen hätten auf die Impfstoffarbeit aber keinen Einfluss, trotzdem müsste man diese laut Addo „im Blick behalten“. Die Impfstoffe könne man aber „relativ schnell anpassen“.

UKE-Expertin Marylyn Addo über Entspannung der Corona-Krise: Ab diesem Zeitpunkt geht es bergauf

Und wann geht‘s endlich wieder bergauf in der Corona-Krise? Addo geht davon aus, dass sich die Lage ab dem Frühjahr 2021 deutlich entspannen wird. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass wir so bald in großen Menschenmassen wie auf dem Oktoberfest darauf anstoßen können. Es dürfte auch in der zweiten Jahreshälfte wieder einen Anstieg geben, es ist halt ein Erkältungsvirus. Aber ich bleibe zuversichtlich“.

Wann Sie selbst mit einer Corona-Impfung rechnen können, verrät Ihnen dieser Corona-Impfterminrechner. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/dpa & Alissa Eckert und Dan Higgins /dpa

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