Kritik an Kneipen in Hamburg

Markus Lanz (ZDF) verurteilt Geldgeile Bar-Betreiber – Corona-Tote akzeptiert

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Illustre Runde in der Sendung von ZDF-Moderator Markus Lanz diskutiert im Hamburger Studio über Egoismus der Kneipen-Betreiber in der Hansestadt. Kneipenbesitzer hätten nur ihren Profit im Kopf und würden Coronavirus-Regeln eindeutig missachten.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Dienstag, 22. September 2020, sind Hessens Ministerpräsident Volker Boufier (CDU), Virologe Martin Stürmer, der Hamburger Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD) sowie der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Sebastian Fiedler, zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Im Fokus stehen die Coronavirus-Sars-CoV-2-Verstöße auf Sankt Pauli.

Ministerpräsident Hessens:Volker Bouffier
Geboren:18. Dezember 1951 (Alter 68 Jahre), Gießen
Ehepartnerin:Ursula Bouffier
Partei:Christlich Demokratische Union Deutschlands
Amt:Hessischer Ministerpräsident seit 2010
Kinder:Frederik Bouffier, Volker Bouffier
Bücher:Hessen E-Government: die sieben Stufen zum erfolgreichen E-Government ; [2003 bis 2008 ; Hessen - ein Konzern, Land und Kommunen im Standardisierungsprozess ; es liegt in unseren Händen!], u.v.m.

Markus Lanz (ZDF): Virologe Martin Stürmer warnt vor „exzessiven Feiern“ – wegen Coronavirus-Infektionen

Volker Bouffier (CDU) ist seit fast zehn Jahren der Ministerpräsident von Hessen. Der 68-Jährige kann auf eine lange politische Karriere zurückblicken und stellt sich am Dienstag, 22. September 2020, den Fragen von ZDF*-Moderator Markus Lanz. Direkt zu Beginn der Talkshow wird über die Ausbreitung von Coronavirus-Sars-CoV-2 gesprochen. Laut Bouffier würden die Infektionszahlen in Hessen „sehr moderat“ steigen, es gäbe sogar Kreise, in denen keine Infektionen vorliegen. Ähnlich sei es in Mecklenburg-Vorpommern, sagt Manuela Schwesig (SPD) – und will Coronavirus-Regeln nur auf lokaler Ebene geltend machen*.

Das Entsetzen steht ihm ins Gesicht geschrieben: ZDF-Moderator Markus Lanz ist schockiert, dass Partygänger geltende Coronavirus-Regeln nicht einhalten – und damit zahlreiche Leben gefährden. (24hamburg.de-Montage)

Schon darf sich Virologe Martin Stürmer zu dieser Thematik bzw. Problematik äußern. Er warnt vor einer kritischen Lage im Herbst, „das exzessive Feiern ohne Einhalten der gültigen Regeln“ würde die Situation dramatisch verschärfen. Stürmer kritisiert das Warnsystem, das zwar in Hessen gut funktionieren würde, in anderen Bundesländern aber nicht. „Wenn wir viel zu viel junge Infizierte haben, wird sich das Virus über kurz oder lang auch wieder auf die ältere Bevölkerung übertragen“, merkt der Virologe an. In dieselbe Kerbe schlägt auch Karl Lauterbach (SPD)*.

Markus Lanz (ZDF): Hamburger Bar „Katze“ sorgt für massiven Coronavirus-Ausbruch

Da kann Volker Bouffier nur zustimmen. Damit kommen die Talkshow-Gäste von Moderator Markus Lanz auch schon auf die Coronavirus-Sars-CoV-2-Verstöße in Hamburg zu sprechen. Wie von 24hamburg.de-Hamburg berichtet, ist es in der Schanzenviertel-Bar „Katze“ zu einem massiven Ausbruch der Pandemie gekommen*. Bis zu 600 Menschen könnten von dem Coronavirus-Sars-CoV-2-Ausbruch betroffen sein. Auch auf der Reeperbahn gab es „massive Verstöße“ gegen die Hygienemaßnahmen*.

Nun ist es an Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD), der unter anderem die Verantwortung für den Hamburger Stadtteil Sankt Pauli trägt, die Lage im Detail zu schildern. „In Hamburg sind es vor allem die 20- bis 29-Jährigen, die sich anstecken“, heißt es zunächst einmal von Droßmann. „Wir haben keine gute Situation, die Zahlen steigen wieder. Ich glaube sogar, dass ein soziales Leben, wie wir es bisher kannten, nicht mehr stattfinden kann“. Sozial eingeschränkt fühlte sich wohl auch Markus Lanz nach dem Aus von „Wetten, dass..?“*.

Markus Lanz (ZDF): Geldgeile Kneipen-Betreiber – Coronavirus-Regeln werden bewusst missachtet

Im Folgenden skizziert der SPD-Mann einen extremen Kontrast. Denn auf der einen Seite gäbe es Menschen, die sich an die Regeln halten. Auf der anderen Seite würden aber auch genug Partygänger und Bar-Betreiber existieren, die sich nicht an die geltenden Maßnahmen halten. „Natürlich kann man als Stadt nicht zu jeder Uhrzeit vor jedem Laden stehen und Kontrollen vornehmen. Deshalb haben wir die Kontrollen erhöht, manche Läden wurden geschlossen. Doch gibt es auch Betreiber, die sich weigern und nur auf den finanziellen Aspekt fixiert sind“, sagt Droßmann. Über solch einen Egoismus regt sich auch Peter Tschentscher auf*.

Der Bezirksamtsleiter ist sich sicher: „Die Läden müssen geschlossen werden. Und das tut denen weh. Denn dann werden keine Umsätze gemacht“. Damit jeder einmal etwas gesagt hat, darf sich nun auch Sebastian Fiedler, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, zur Thematik äußern. „Die Jugendlichen werden in den sozialen Medien von den Läden angeschrieben, die bewusst die Regeln missachten. Am Eingang werden die Handykameras abgeklebt, damit keine entsprechenden Aufnahmen im Netz landen. Zudem gibt es den Hinweis, dass wenn die Musik abgedreht wird, die Tanzfläche leer zu sein hat“.

Markus Lanz (ZDF): Hamburger Bezirksamtsleiter kritisiert Partygänger – „jugendliche Überheblichkeit“

Fiedler spricht von „blankem Vorsatz“, manche Bar-Betreiber würden Coronavirus-Sars-CoV-2-Infektionen „bewusst in Kauf nehmen“. Das kann Falko Droßmann bestätigen, bei Kontrollen mit seinem Team hätte er vergleichbares erlebt. Für den SPD-Politiker ist das große Problem, dass vorbildliches Verhalten durch das Missachten der Regeln von einigen Läden kaputt gemacht wird. „Die nächste Konsequenz: Wir müssen wieder alles schließen. Und das will keiner“. Was Jürgen Trittin (Grüne) nicht will: Eine Wiederwahl von US-Präsident Donald Trump*.

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Hallo liebe Leute, wir werden weiterhin ein paar Tage zu bleiben, weil wir Modernisierungarbeiten in der Katze durchführen. Parallel wurden wir vom Gesundheitsamt informiert, dass ab dem 5.9.20 einige Corona positiv gemeldet wurden sind. Trotz unserer Hygienemaßnahmen, muss man in der heutigen Zeit, leider immer damit rechnen. Das Gesundheitsamt wollte die Kontaktdaten vom 5.9 bis einschließlich 9.9 haben. Bitte rechnet damit, dass das zuständige Gesundheitsamt sich bei euch melden kann. Leider haben wir es auch erst vor kurzem erfahren. Falls ihr Fragen habt, dann meldet euch bitte bei eurem zuständigen Gesundheitsamt. Wir für unseren Teil werden noch stärker an unserem Hygienekonzept arbeiten. Bleibt alle gesund! 😻

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„Warum gehen die Leute überhaupt in so ein Lokal? Die Ansteckungsgefahr ist doch wahnsinnig hoch“, fragt ZDF-Moderator Markus Lanz Bezirksamtsleiter Falko Droßmann. „Oftmals heißt es: Der Clubbetreiber weiß schon, was er tut. Oder: Wir hätten es nicht tun dürfen, aber wir relativieren die Gefahr. Hinzu kommt eine gewisse jugendliche Überheblichkeit. Wer samstags auf den Kiez geht, gibt ein gewisses Bild ab. Frei nach dem Motto: Ich kann mich ja nicht infizieren“, erklärt der SPD-Politiker.

Markus Lanz (ZDF): Langzeitschäden von Coronavirus noch nicht bekannt

„Und wenn, dann habe ich einen milden Verlauf“, wirft Markus Lanz ein, der in diesem Moment aus der Perspektive eines dieser Jugendlichen spricht. „Ganz genau. Dass die nächste Gruppe dann aber die sogenannte vulnerable Gruppe ist, ist auch ein großes Problem“. Nun will der ZDF-Moderator genau wissen, was das Coronavirus-Sars-CoV-2 eigentlich mit den Körpern von 20- bis 29-Jährigen macht. Nächster Auftritt vom Virologen Martin Stürmer, dessen Expertise gefragt ist.

„Wir wissen eigentlich viel zu wenig, was das Virus zu Langzeitschäden anrichtet. Betroffen sind die Lunge, die Niere, das zentrale Nervensystem. Wir kennen aber auch Berichte über chronische Müdigkeit. Viele Betroffene sind total erschöpft. Und das sind nicht immer nur alte Menschen oder Personen mit einem schweren Verlauf“, führt Stürmer aus. Er hält es für viel zu gefährlich, Risiken einzugehen, wenn die genauen Folgen noch nicht einmal bekannt sind.

Markus Lanz (ZDF): Kneipengänger fälschen Namen – zahlreiche Menschen schweben in Gefahr

Auch zu den erschreckenden Party-Bildern auf der Reeperbahn* weiß sich der Virologe zu äußern: „Wir haben ein dicht gedrängtes Lokal mit vielen, vielen Menschen ohne Abstand und Maske. Da wird garantiert auch Alkohol getrunken und laut gesprochen. Es wäre fast schon ein Wunder, wenn wir da letztendlich nicht auch Fälle sehen würden. Wir haben ja schon gesehen, dass es passiert. In der Konsequenz finde ich es aber noch schlimmer, dass Fake-Namen benutzt werden und nicht zurückverfolgt werden kann, wer der Besucher war“, resigniert Martin Stürmer.

Das wirft unweigerlich die Frage nach der „Validität der Daten“ auf, wie es Bezirksamtsleiter Falko Droßmann formuliert. „Es geht doch darum, dass die Leute erreicht werden können. Bei den knapp 1.500 Menschen, die wir jetzt sehr genau überprüft haben, würden wir lediglich knapp 32 Prozent der Menschen erreichen“, sagt der SPD-Politiker. Demzufolge sind rund 70 Prozent der Bar-Besucher im Kontext der Stichprobe nicht zurückzuverfolgen. Entsetzen bei Markus Lanz, der dies nicht wahrhaben will. Wahrscheinlich ebenso wenig wie Katja Kippings (Linke) Äußerungen über SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz*.

Ein Moment, den der ZDF-Moderator in anderer Form schon des Öfteren erlebt hat. Sei es durch das tränenreiche Geständnis von Star-Koch Tim Mälzer, der in der Talkshow sein Herz ausschüttet*. Oder durch einen skurrilen Auftritt von SPD-Politiker Lars Klingbeil, der Kanzlerkandidat Olaf Scholz von jeglicher Schuld im Cum-Ex-Skandal freispricht*. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz/Markus Scholz/dpa/picture alliance

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