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Markus Lanz (ZDF): Rassismus-Eklat – Dennis Aogo nimmt Palmer in Schutz

  • Jens Kiffmeier
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Die Grünen wollen Boris Palmer loswerden. Schuld ist ein rassistischer Post gegen Dennis Aogo. Bei „Markus Lanz“ verteidigt der Ex-Fußballer aber den Geschmähten.

Hamburg – Ist Boris Palmer ein Rassist? Ja, sagen die Grünen. Die Öko-Partei hat bereits ein Ausschlussverfahren gegen Tübingens Oberbürgermeister angestrengt, nachdem dieser in den Strudel der Rassismusdebatte um Ex-Fußballspieler Dennis Aogo* geraten war. Doch jetzt hat der Grünen-Politiker unerwartete Schützenhilfe bekommen. Denn der frühere Nationalspieler nahm den Geschmähten zumindest teilweise in Schutz. Man könne über die Art und Weise streiten, aber „inhaltlich bin ich bei Palmer“, sagte Aogo bei einem Auftritt in der ZDF-Sendung von Moderator Markus Lanz.

Deutscher Moderator:Markus Lanz
Geboren:16. März 1969 in Bruneck (Südtirol, Italien)
Aktuelle Wohnort:Hamburg, Stadtteil Rotherbaum
Produktionsfirma:Mhoch2 TV (seit 2011)

Kampf gegen Rassismus – das war an diesem Donnerstagabend das einzige Thema in der Talkshow, in der sich Moderator Markus Lanz in seinem Studio in der Hansestadt Hamburg seit Monaten sonst ausschließlich über die Eindämmung der Corona-Pandemie unterhält. Doch dieses Mal füllte der Aogo-Eklat fast die komplette Sendezeit. Kein Wunder, immerhin ist der Fall innerhalb kürzester Zeit sehr komplex geworden.

Markus Lanz (ZDF): Ex-Nationalspieler Dennis Aogo verteidigt Boris Palmer (Grüne) in Rassismus-Debatte

Aber was darf man in diesem Land eigentlich noch sagen? Unter dieser Fragestellung dröselte Lanz die Affäre mit seinen Gästen mehr als eine Stunde lang auf. Neben dem direkt Betroffenen waren auch Jurist und Autor Ferdinand von Schirach und die CDU-Politikerin Diana Kinnert geladen.

Rassismus-Debatte bei Markus Lanz: Ex-Nationalspieler Dennis Aogo (rechts) nahm Tübingens Oberbürgermeister Borus Palmer (Grüne) in Schutz. (24hamburg.de-Montage)

Seit Tagen schlägt die Aogo-Debatte hohe Wellen. Ausgelöst worden war sie von Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann, der versehentlich eine Whats-App-Nachricht an Aogo geschickt und ihn darin als „Quotenschwarzer“ bezeichnet hatte. Aogo und Lehmann arbeiten beide als Experten für den TV-Sender Sky. Aogo machte die Nachricht öffentlich, woraufhin Lehmann seinen Fernsehjob ebenso verlor wie seinen Aufsichtsratsposten beim Fußball-Bundesligisten Hertha BSC.

Für die Veröffentlichung habe er sich bewusst entschieden, sagte Aogo nun bei Lanz. Ihm sei klar gewesen, dass er dadurch nicht nur Schulterklopfer bekommen würde. „Aber ich wollte eine Diskussion.“ Auch wenn Lehmann die Nachricht vielleicht witzig und in einem anderen Zusammenhang gemeint habe, so bestehe immer die Gefahr, dass man mit einer derartigen Wortwahl einen anderen Menschen verletze. Und das gehe halt nicht.

Markus Lanz (ZDF): Lehmann und Palmer – laut Aogo darf jeder Mensch Fehler machen

Ähnlich beurteilt der Fußballer auch den Fall um Boris Palmer*. Der Oberbürgermeister von Tübingen hatte die hitzige Kontroverse, die auch durchzogen war von Beleidigungen und Falschnachrichten, zum Anlass genommen, um seinerseits die große Aufregung in einem Facebook-Post zu kommentieren. Dabei zitierte er einen Fake-Account und nahm nach eigener Aussage satirisch die Entrüstung der Öffentlichkeit aufs Korn. Allerdings benutze er dafür das N-Wort.

Für die Grünen ist das ein No-Go und ein weiterer Beleg für rechtspopulistische Anwandlungen von Palmer. Bereits zuvor war Palmer in ähnliche Debatten verstrickt, weswegen eine Mehrheit der Partei ihn nicht mehr in den eigenen Reihen dulden will. Doch Aogo selber verteidigte Palmer teilweise. In der Sache habe dieser auf ein grundsätzliches Problem aufmerksam gemacht, nämlich dass in vielen Medien häufig Fake-Kommentare nicht mehr kritisch hinterfragt werden würden. Zu hinterfragen sei aber, ob die Sprache von Palmer so clever gewählt worden sei. Dafür müsse er sich schon verantworten.

Moderator Lanz: War Veröffentlichung ein Fehler? Dennis Aogo bekommt Morddrohungen

Grundsätzlich riet Aogo zu einer differenzierten Betrachtung und zu einer verbalen Abrüstung. „Jeder Mensch macht Fehler“, sagte er. Und nach einer aufrichtigen Entschuldigung* müsse man verzeihen können. Das gelte für Lehmann ebenso wie für Palmer. Und natürlich auch für ihn selber.

Denn Aogo weiß, wovon er spricht. Im Zuge der gesamten Affäre ist er bereits selber wegen verbaler Entgleisungen unter Druck geraten. Nur wenige Tage nach dem Lehmann-Scharmützel hatte Aogo bei einem Live-Auftritt als TV-Experte* davon gesprochen, dass die Mannschaft von Manchester City „bis zum Vergasen“ trainiert habe. Daraufhin war über ihn selber ein Shitstorm losgebrochen, mit Hasskommentaren und Morddrohungen inklusive.

Die gesamten Tage der vergangenen Wochen seien ein „Wechselbad der Gefühle“ gewesen, gestand Aogo bei Lanz. Ob er sich die Veröffentlichung der Lehmann-Nachricht rückblickend lieber hätte ersparen sollen, wollte Lanz dann wissen? Nein, sagt Aogo. Denn die Diskussion über den Umgang miteinander seien wichtig und müssten geführt werden. Auch, wenn es unangenehm ist. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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