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„Mais steht gut da“: Hamburger Landwirtschaft trotzt Trockenheit

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Von: Steffen Maas

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Die anhaltende Dürre ist für Landwirte eine große Bedrohung. Auch in Hamburg ist die Trockenheit Thema – aufgrund der besonderen Infrastruktur steht man aber verhältnismäßig gut da.

Hamburg – Tagelange Trockenheit, anhaltende Gluthitze und, wenn der Himmel sich denn mal öffnet, kurze und heftige Regenschauer – für Bauern ist der Sommer eine Art Dauerschleife der widrigsten Umstände. „Natürlich ist das auch bei uns ein großes Thema“, fängt Sascha Gohl von der Landwirtschaftskammer Hamburg einen Satz an, bei dem man das „aber“ schon kommen hört: „Aber wir sind hier gar nicht so stark betroffen.“ Das liegt an den vergleichsweise kleinen Anbauflächen, der Art der Landwirtschaft und vor allem an der guten Infrastruktur rund um die Hansestadt. „Chaotisch“ sei die aktuelle Zeit trotzdem – das liege aber an anderen Herausforderungen.

Name:Landwirtschaftskammer Hamburg
Art:Körperschaft öffentlichen Rechts
Aufgaben:Unterstützung, Beratung, Fortbildung
Bereiche:Landwirtschaft, Garten-, Obstbau, Wasserschutz, Sozioökonomie

Dürre in Hamburg: Bauern kommen verhältnismäßig „gut zurecht“

Klar, die enorme Hitze im Norden lässt auch die Hamburger Landwirte nicht kalt. Sonnenbrand bei den Früchten und eine hohe Verdunstungsrate nerven die Obstbauern, die Gärtnereien hätten gerne vollere Regenwannen, die aufgrund der ausgebliebenen Frühjahresniederschläge sowieso schon alles andere als randvoll waren. Doch insgesamt: „Wir kommen ganz gut zurecht“, vergleicht Sascha Gohl von der Landwirtschaftskammer Hamburg die Situation mit dem Rest der Republik.

Ein guter Gradmesser ist dabei eine Agrarpflanze, die während der aktuellen Blütezeit eigentlich besonders viel Durst hat: „Der Mais steht gut da.“ Man habe hohe Grundwasserstände und keinen Notstand, erzählt Gohl, und blickt auf die Karte. „Im Norden und Osten wird sowieso viel wassersparende Technik wie Tropfbewässerung eingesetzt“, erklärt er. Auch der Nordwesten sei gut dran und „im Süden sind die gut versorgt.“

Landwirtschaft in der Hansestadt: Lage und Graben-System helfen

Das liegt vor allem an der Lage, mit der Nähe zur Nordsee und der zentralen Ader Elbe im Stadtgebiet. „Hamburg ist da ein bisschen maritim beeinflusst“, umschreibt der Experte die Standortvorteile. Der Wasserstand sei immer auch abhängig von Ebbe und Flut, das bedeute aber eben: „Früher oder später drückt die Nordsee das Wasser der Elbe rein.“

Das macht man sich in Hamburg mit einem verzweigten System aus Deichen, Nebenflüssen und vor allem verschieden großen Gräben zunutze. Die regelmäßigen Wasser-Nachlieferungen sorgen für die zuverlässige und wichtige Bewässerung der Felder der Bauern. Doch nicht nur das: „Das Ganze ist nicht nur ein Be-, sondern auch ein Entwässerungssystem“, erklärt Sascha Gohl.

Durch die Hitze haben Landwirte Ernteausfälle
Dürre in Hamburg: Bauern kommen verhältnismäßig „gut zurecht“ © Nicolas Armer/dpa

Kommt es zu kurzen, aber starken Niederschlägen, wie etwa bei Gewittern, hat der durch Dürre trockene Boden Probleme, die Wassermengen aufzunehmen. In Hamburg helfen auch hier die Gräben: Die Felder werden so angelegt, dass der überflüssige Niederschlag direkt in die Gräben abfließt. Den Rest macht die Tide: Durch die Ebbe wird die Überbewässerung quasi herausgepumpt.

Bauern in Hamburg: Eher klein und auf guten Böden

Dass der Standort Hamburg im Vergleich deutlich weniger mit Trockenheit zu kämpfen hat, liegt aber auch schlicht an der Größenordnung: „Wir haben hier nicht die weitläufigen Flächen, wo sich die große, durstige Industrie niederlassen kann“, gibt Gohl zu bedenken. Daher gebe es in der Hansestadt Hamburg viel mehr kleine und spezialisierte Bauern, die nicht selten Bildungs- oder Tourismus-Angebote als zweites Standbein anbieten, um kommerziell überlebensfähig zu sein.

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Dass vor allem die großen Bauern in den Nachbarbundesländern Probleme mit der Trockenheit haben, das kann er sich gut vorstellen. „In Schleswig-Holstein zum Beispiel werden bestimmt schon die Regenmaschinen angeworfen.“ Für einige Nachbarn käme erschwerend hinzu, dass die Böden nicht so sehr zur Wasserspeicherung neigen wie in Hamburg. In Brandenburg etwa habe man auf den dortigen Sandböden enorme Probleme bei solchen Witterungen.

Bauern in Krisenmodus: Dürre nicht das dringendste Problem

Alles easy also in der Hansestadt? Im Gegenteil, sagt der Gartenbau-Experte. Er vermutet, dass die generelle Ruhe bezüglich der Trockenheit auch daran liegt, dass die Bauern ganz andere, ganz bedrohlichere Themen vor der Brust haben. Die explodierenden Preise für Energie, Kraftstoff, Düngemittel, die Kosten für Futtermittelproduktion … „Es gibt so viele verschiedene Faktoren, die die Landwirtschaft stark belasten zur Zeit“, warnt Gohl.

Da bleibe für Beschwerden über die Trockenheit eher keine Zeit. „Typisch Krise, typisch chaotisch“, versucht Sascha Gohl klassisch nordisch die dramatischen Umstände wegzumoderieren. Ein bisschen Regen wäre da aber wirklich auch nicht zu viel verlangt. Zumal andere Bereiche, wie eine Alsterquelle, die vertrocknet ist, ebenfalls unter der Dürre leiden.

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