Restaurant in Trümmern

Maharaja-Abriss auf St. Pauli: „Es ist wie ein kleiner Ort, der stirbt“

  • Anika Zuschke
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Die Bagger sind aufgefahren und haben das „Maharaja“ in Trümmern zurückgelassen. Das Restaurant auf St. Pauli wurde für das Bauprojekt „Paulihaus“ abgerissen.

Hamburg – Die Bauarbeiten für das umstrittene Paulihaus in Hamburg haben begonnen. Dafür wurde fast drei Monate nach der Räumung des Gebäudekomplexes das indische Restaurant „Maharaja“ am neuen Pferdemarkt auf St. Pauli abgerissen. Das Projekt wird schon lange von kritischen Stimmen begleitet, die in dem Neubau keinen Mehrwert für die Stadt Hamburg sehen.

Paulihaus:Neubau eines Bürogebäudes mit gewerblicher Nutzung
Lage:St. Pauli: Neuer Kamp/ Neuer Pferdemarkt
Grundstück:3575 m²
Architektur: coido architects

Die Bürgerinitiative „St. Pauli Code Jetzt“ beispielsweise steht für den Erhalt der Vielfalt auf St. Pauli und setzt sich gegen die Gentrifizierung von der Schanze und St. Pauli ein. Clara Aly, die sich als Aktive beim „St. Pauli Code jetzt“ engagiert, ist über den Abriss des Maharaja entsetzt: „Das war ein Ort, der für Viele so etwas wie ein kleines zu Hause bedeutet hat, jeder war willkommen.“ Auch die Besitzer, ein Familienbetrieb, seien nun todunglücklich, erzählt sie 24hamburg.de.

Paulihaus soll bis 2024 fertig sein – Nutzung ist für verschiedene Firmen vorgesehen

Das Paulihaus ist ein Bauprojekt, das sich selbst als den neuen Nachbarn an der Rindermarkthalle bezeichnet. Bis Anfang 2024 soll anstelle des Flachdachbaus an der Kreuzung Budapester Straße und Feldstraße ein sechsstöckiger Neubau mit verschiedenen Firmen entstehen. Die selbsternannte „Arbeits-WG auf St. Pauli“ soll nach Angaben der Verantwortlichen für die eigene Nutzung gebaut werden.

Die Bauherren setzen sich aus Unternehmen des näheren Umfelds zusammen: Die Projektentwicklung „Hamburg Team“ aus St. Pauli, die Hamburger Stadtentwicklung „steg“ von der Sternschanze, die Verkehrsplanung „ARGUS“ aus der Neustadt sowie die als letztes hinzugezogene Marketingagentur „Pahnke Markenmacherei“ aus St. Pauli sind an dem Projekt beteiligt.

Das indische Restaurant „Maharaja“ auf St. Pauli wurde für das Bauprojekt „Paulihaus“ abgerissen.

Dem Paulihaus zufolge sollen neben der Nutzung von Büros vorrangig die aktuellen Mieter aus den eingeschossigen Bestandsgebäuden in den Neubau integriert und weitere kleinteilige Flächen für stadtteilbezogene Nutzungen geschaffen werden. Dazu gehört unter anderem auch die Planung eines öffentlichen Cafés. Eine Autowerkstatt sowie ein Tonstudio, die vorher schon dort ansässig waren, sollen die Möglichkeit erhalten, wieder einziehen zu können. Ob das zu den vorherigen Preisen geschieht, ist noch nicht bekannt.

Maharaja liegt in Trümmern – „Ein Abriss wäre nicht nötig gewesen“

Doch das Restaurant „Maharaja“ musste auf Kosten dessen seinen Standort in St. Pauli aufgeben – der Abriss des Gebäudes hat am 21. Juni 2021 begonnen – nun liegt es in Trümmern. Veronika Pramor, die seit September 2019 bei der Initiative „St. Pauli Code Jetzt“ aktiv ist, kann den Prozess nicht nachvollziehen: „Die dürfen eigentlich noch gar nicht bauen, daher wäre ein Abriss nicht nötig gewesen!“

Gesetzlich ist die Fläche den beiden Aktivistinnen zufolge noch nicht bebaubar, da zwölf Widersprüche gegen die Entwidmung der bislang noch öffentlichen Flächen eingereicht wurden, die einer Umsetzung des Bauprojekts auf St. Pauli im Wege stehen. „Aber das Baukonsortium macht erstmal alles platt“, beschwert sich Pramor, „Außerdem gibt es eine Alternativfläche, die wir immer wieder ins Spiel gebracht haben, die Stadt müsste keine sechs Millionen Euro investieren.“

Initiative „St. Pauli Code Jetzt“ demonstriert weiterhin gegen das Paulihaus

Clara Aly steht unter Schock, bei ihr herrscht eine Mischung aus Trauer, Enttäuschung und Wut vor. „Es ist wie ein kleiner Ort, der stirbt“, merkt sie traurig an. Aber die Aktivistin Pramor bleibt zuversichtlich: „Es sind noch nicht alle Kriege bestritten oder verloren“. Mit einer Demonstration will „St. Pauli Code Jetzt“ am kommenden Freitag, 25. Juni 2021, noch einmal gegen das Paulihaus vorgehen. Das Ziel dabei sei es, Informationen an die Öffentlichkeit zu tragen und Hintergründe aufzudecken.

„Wir finden, dass es wichtig ist, dass das Projekt nicht ungeschehen und ungesehen bleibt und wollen den betroffenen Leuten Mut machen, sich zu wehren“, erzählt Clara Aly. Der Widerstand bleibe friedlich und bunt. Für das „Maharaja“ kommt aber jede Hilfe zu spät, das Lokal wurde bereits im März 2021 für das Paulihaus geräumt. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marcus Brandt/dpa

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