Krimi um tote „Maddie“

Fall „Maddie“ McCann: Verdächtiger schweigt eisern – Hamburger Star-Anwalt übernimmt Verteidigung

  • Carolina Baldin
    vonCarolina Baldin
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Vor dreizehn Jahren verschwand Madeleine „Maddie“ McCann während eines Portugal-Urlaubs – spurlos. Jetzt wird gegen den Deutschen Christian B. ermittelt. Der Hamburger Strafverteidiger Johann Schwenn vertritt den Tatverdächtigen.

  • Im Fall Maddie McCann* ist Tatverdächtiger in der JVA Kiel in Einzelhaft verlegt worden.
  • 43-jähriger Christian B. schweigt nach wie vor zu Vorwürfen.
  • Strafverteidiger haben Mandat niedergelegt – Hamburger Star-Anwalt übernimmt.

Hamburg/Kiel – Am 3. Mai 2007 verschwand die damals dreijährige Maddie McCann spurlos aus einer Ferienanlage im portugiesischen Praia da Luz. Das ist jetzt dreizehn Jahre her und lange gab es in dem Vermisstenfall keine heiße Spur. Anfang Juni 2020 gibt die Staatsanwaltschaft Braunschweig jedoch bekannt, dass sie wegen Mordverdachts gegen einen 43-jährigen Deutschen ermittele.

Der ins Visier der Beamten geratene Christian B. verbüßt derzeit eine längere Haftstrafe in der JVA Kiel – wegen einer Sexualstraftat und eines Drogendeliktes. Nun wurde der Tatverdächtige in eine Einzelzelle verlegt – aus Sicherheitsgründen. Bisher schweigt er zu den Vorwürfen.

StadtKiel
BundeslandSchleswig-Holstein
Fläche118,6 km²
Bevölkerung246.306 (Stand: 2016)
Vorwahl0431
BürgermeisterUlf Kämpfer

Fall Maddie McCann: Tatverdächtiger Christian B. wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes vorbestraft

Ob Christian B. tatsächlich etwas mit dem Verschwinden von Maddie McCann zu tun hat, ist bislang noch unklar. Der Tatverdacht sei zwar stark begründet, jedoch fehlen neben den Indizien handfeste Beweise, um den heute 43-Jährigen zu überführen. Der Verdacht gegen Christian B. habe sich vor allem auch deshalb erhärtet, da es in der Sendung „Aktezeichen XY ... ungelöst vom 3. Juni 2020 Hinweise auf den Beschuldigten gegeben habe.

Außerdem seien bereits im Jahr 2013 erste Hinweise auf den Tatverdächtigen bei den zuständigen Ermittlern eingegangen, so Christian Hoppe vom Bundeskriminalamt (BKA). Zum damaligen Zeitpunkt reichten die Informationen aber nicht für Ermittlungen oder eine Festnahme aus.

Der Tatverdächtige ist nicht nur wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes vorbestraft, zwischen 1995 und 2007 lebte Christian B. nahezu dauerhaft an der Algarve im Süden von Portugal - für einige Jahre unter anderem auch in einem Haus zwischen Lagos und Praia da Luz. Das BKA geht davon aus, dass der Beschuldigte in diesem Zeitraum mehreren Gelegenheitsjobs in der Gastronomie nachging und seinen Lebensunterhalt auch durch die Begehung von Straftaten wie Einbruchdiebstählen in Hotelanlagen und Ferienwohnungen sowie Drogenhandel bestritt. 

Staatsanwaltschaft in Braunschweig ermittelt gegen Christian B. im Fall Maddie McCann wegen Mordverdachts

Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft in Braunschweig gegen den 43-jährigen Deutschen im Fall Maddie McCann wegen Mordverdachts. Die zuständigen Beamten gehen davon aus, dass Christian B. das damals dreijährige Mädchen entführt und umgebracht hat.

Nach wie vor schweigt der Beschuldigte zu den Vorwürfen im Fall Madeleine McCann. „Christian B. macht momentan keine Angaben zur Sache und wir bitten um Verständnis, dass wir als Verteidiger auch keine Angaben machen", erklärt Rechtsanwalt Friedrich Fülscher nach einem Besuch in der Justizvollzugsanstalt Kiel gegenüber RTL.

Anwälte von Christian B. legen Mandat nieder – Friedrich Fülscher und Hamburger Star-Anwalt Johann Schwenn übernehmen

Die bisherigen Anwälte von Christian B. wurden nach eigenen Angaben in der vergangenen Woche von dem Beschuldigten mit der Verteidigung beauftragt. Am Mittwoch erklärten Jan-Christian Hochmann und David Volke der Deutschen Presse-Agentur dann aber, dass sie ihr Mandat niederlegen. Dies sei auch der zuständigen Ermittlungsbehörde angezeigt worden. Gründe nannten die beiden Volljuristen nicht.

Hamburger Star-Anwalt Johann Schwenn hat gemeinsam mit Friedrich Fülscher die Verteidigung von Christian B. im Fall Maddie McCann übernommen.(Archivbild)

Christian B. wird nun von dem Hamburger Star-Anwalt Johann Schwenn und seinem Kieler Kollegen Friedrich Fülscher vertreten. Johann Schwenn leistete bereits zahlreichen prominenten Mandanten als Verteidiger Beistand - unter anderem auch im Strafverfahren gegen Jörg Kachelmann. Dem Wettermoderator wurde eine besonders schwere Vergewaltigung in Tateinheit mit einer gefährlichen Körperverletzung an seiner Geliebten vorgeworfen. Das Landgericht Mannheim sprach ihn frei.

Beschuldigter Christian B. wird in JVA Kiel in Einzelhaft verlegt

Am Mittwoch gab der Justizminister Claus Christian Claussen (CDU) während der Sitzung im Innen- und Rechtsausschuss bekannt, dass der Tatverdächtige im Fall Maddie McCann wegen der schwerwiegenden Vorwürfe in der JVA Kiel in einen anderen Gefängnistrakt in eine Einzelzelle verlegt wurde. Zudem dürfe sich Christian B. auch außerhalb der Zelle nur einzeln und in Begleitung von Wachpersonal aufhalten - aus Sicherheitsgründen. „Seitdem dieser als Hauptverdächtiger im Fall Maddie gelte, müsse mit Übergriffen gerechnet werden“, so Claussen.

Auf die Frage, wie es seinem Mandanten gehe, antwortete Friedrich Fülscher gegenüber RTL: „Wie soll es einem Menschen gehen, der in einer Justizvollzugsanstalt isoliert ist und dem die halbe Weltbevölkerung schlimmste Verbrechen vorwirft?“ Zudem kündigt der Volljurist an gegen Falschverdächtigungen seines Mandanten Christian B. „zivil- oder strafrechtlich“ vorgehen zu wollen.

Christian B.: Gab es 2018 eine Justizpanne?

Die Landesregierung von Schleswig-Holstein beschäftigte sich am Mittwoch aber nicht nur mit der Verlegung von Christian B. in eine Einzelzelle, sondern diskutierten ebenfalls wegen einer möglichen Justizpanne in einem anderen Fall.

Laut dem Hamburger Abendblatt wollte der Innen- und Rechtsausschuss des Landtags von Schleswig-Holsteins Justizminister Claus Christian Claussen sowie von der Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt von der Flensburger Staatsanwaltschaft wissen, ob Christian B. im Jahr 2018 wegen einer versäumten Frist für rund vier Wochen auf freien Fuß gelassen wurde.

Dass Christian B. nach dem vollständigen Absitzen einer Haftstrafe von 14 Monaten in Braunschweig wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes und Besitzes kinderpornografischer Schriften 2018 für einige Wochen freigelassen wurde, bestätigte Ulrike Stahlmann-Liebelt. Dennoch betont die Oberstaatsanwältin auch, dass sich die Freilassung juristisch nicht vermeiden ließe.

Was war passiert? Im Anschluss an seine erste Haftstrafe in Braunschweig hätte Christian B. in Kiel für 21 Monate wegen Drogenhandels erneut ins Gefängnis gemusst. Zwar sitzt er diese Haftstrafe mittlerweile ab, dennoch stammt das Urteil dazu bereits aus dem Jahr 2011. Wegen der vorgeschriebenen juristischen Vorgehensweise habe sich der Widerruf der Bewährung des Urteils in die Länge gezogen und sei bis Ende August 2018 nicht erreichbar gewesen, erklärt Ulrike Stahlmann-Liebelt.

Gleichzeitig machten die leitende Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt und Justizminister Claus Christian Claussen deutlich, dass die Flensburger Staatsanwaltschaft niemals in den Fall der vermissten Maddie McCann eingebunden gewesen sei.

Seit 2007 suchen die Eltern der vermissten Maddie McCann nach ihrer Tochter. (Archivbild)

Beschuldigter im Vermisstenfall Maddie McCann wegen Vergewaltigung verurteilt

Derzeit sitzt Christian B. in der Justizvollzugsanstalt Kiel seit 14 Monaten seine Haftstrafe wegen Drogenhandels ab. 2019 wurde er vom Landgericht Braunschweig in erster Instanz außerdem zu weiteren sieben Jahren Knast wegen Vergewaltigung einer damals 72-jährigen US-Amerikanerin schuldig gesprochen. Das Verbrechen soll sich 2005 in dem portugiesischen Ort ereignet haben, in dem rund anderthalb Jahre später Maddie McCann entführt wurde und seitdem als vermisst gilt.

Laut Braunschweiger Zeitung wurde der Tatverdächtige im Fall Maddie McCann nur durch einen Zufall überführt. Zwei zum kleinkriminellen Milieu gehörende Bekannte von Christian B. brachen in dessen Wohnung ein und erbeuteten eine Videokamera - darauf ist die Vergewaltigung der 72-Jährigen in ihrem Haus in Portugal zu sehen. Der 43-jährige Deutsche soll die Frau gefesselt, ausgepeitscht und vergewaltigt haben. Zudem konnten die Einbrecher im Schlafzimmer von Christian B. eine geschwärzte Taucherbrille sicherstellen, die das Vergewaltigungsopfer im Video trug.

Indes wird der Kriminalfall „Maddie“ McCann bei der Hamburger ZDF-TV-TalkshowMarkus Lanz“ heftig diskutiertHintergründe zu neuen polizeilichen Ermittlungsständen werden ebenso breit besprochen, wie die Rolle der Eltern – über diese Lanz-Show berichtet 24hamburg.de ausführlich.

Quelle: 24hamburg.de

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Rubriklistenbild: © Soeren Stache/dpa/picture alliance

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