Corona-Schutz im Klassenraum

Corona-Luftfilter an Hamburgs Schulen kommen doch

Die Regierung fördert mobile Luftfilter in Schulen. Auch Hamburg profitiert. Trotz Ties Rabes Skepsis werden bis Herbst 10.000 Klassenräume ausgestattet.

Hamburg – Die Inzidenzzahlen und Delta-Infektionen steigen, die Impfungen verlaufen schleppend. In Hamburg hat die Regierung nun endlich auf das reagiert, was schon seit Monaten von Eltern und Schulen gefordert wird. In 10.000 Klassenräumen im ganzen Bundesland sollen mobile Luftreinigungsfilter eingebaut werden. Für die Luftfilter an Schulen stellt der Bund insgesamt 200 Millionen Euro zur Verfügung. Hamburg stockt das Programm um 20 bis 30 Millionen Euro auf. Nicht alle Politiker halten diesen Schritt für sinnvoll. Schulsenator Ties Rabe (SPD) ist noch immer skeptisch.

Hamburg Corona-Fälleca. 77.800
Hamburg Corona-Fälle (genesen)ca. 75.700
Hamburg Corona-Fälle (Todesfälle)ca. 1600
Corona-Fälle Deutschland3,75 Millionen

Corona-Luftfiltern an Schulen: Trotz Ties Rabes Skepsis – 10.000 Klassenräume bis zum Herbst ausgestattet

In Hamburg gibt es an den staatlichen Schulen etwa 9000 Schulklassen, die während der Corona-Pandemie mal mehr, mal weniger in ihren insgesamt 12.000 Klassenräumen unterrichtet wurden. Um die Schüler in den Unterrichtsräumen in ganz Deutschland besser zu schützen, traf die Bundesregierung am Mittwoch, 14. Juli 2021, die Entscheidung, das Förderprogramm für Luftfilter um 200 Millionen Euro zu erhöhen. Nun wird auch die Anschaffung mobiler Luftfilter unterstützt.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erklärte, dass damit die erneute Schließung der Schulen verhindert werden soll. „Gemeinsam mit den Ländern wollen wir damit einen Beitrag dafür leisten, den Präsenzunterricht und die Kinderbetreuung im Herbst und Winter auch bei Verschlechterung der Infektionslage aufrechtzuerhalten.“

Mobile Luftfilter kommen jetzt auch in Hamburgs Schulen. Ties Rabe ist noch immer skeptisch. (24hamburg.de-montage)

Für Hamburg bedeutet das, zwischen den Sommer- und Herbstferien werden 10.000 Klassenräume mit jeweils entweder zwei kleinen oder einem großen Luftfilter ausgestattet. Die anderen 2000 Klassenräume sind laut der Schulbehörde bereits durch Klimaanlagen oder anderweitige gute Lüftungsmöglichkeiten ausreichend ausgestattet. Der Hamburger Senator für Schule und Bildung Ties Rabe zweifelt jedoch noch an der Notwendigkeit.

Kritik aus der Politik: Das sagen Dressel und Rabe zum Luftfilter-Förderprogramm

Die Meinung der Politiker zur Wirksamkeit der mobilen Luftfilter ist konträr. Während sich Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) am Mittwoch bereits auf Twitter über die Förderung vom Bund und die damit verbundene Möglichkeit freute, zeigt sich Schulsenator Ties Rabe noch immer etwas skeptisch. „Das ist ein hilfreicher Beschluss des Bundes! Es bedeutet voraussichtlich 5,2 Millionen Euro für Hamburg. Die Schulbehörde kümmert sich […] mit Unterstützung von Schulbau Hamburg um die Umsetzung“, twitterte Dressel.

Rabe hingegen schreckt vor den hohen Kosten zurück. Am Donnertag, 15. Juli, erklärte er, dass die Regierung trotz der Förderung des Bundes noch weitere 20 bis 30 Millionen Euro investieren müsse. Das Bundesratsmitglied stört daran besonders, dass die Notwendigkeit der Luftfilter noch nicht zu 100 Prozent feststehe. Er erklärte: „Leider drücken sich Bundesregierung und Experten immer noch vor einer klaren Aussage, ob solche Geräte zusätzlich zu der weiterhin bestehenden Test-, Masken- und Lüftungspflicht an den Schulen wirklich nötig sind.“

Auch die vorherigen Überlegungen, feste Luftfilter in den Schulen einzubauen, lehnte er auf Grund der hohen Kosten und aufwendigen Umbauarbeiten, die in mehreren hunderttausend Räumen notwendig gewesen wären, ab.

Auf öffentlichen Druck von Eltern, Lehrern und der Opposition von CDU und Linken für den Schutz der Kinder hat der SPD-Politiker nun aber doch einen Kurswechsel eingeleitet. Er betonte: „Um aber das Risiko erneuter Schulschließungen in jedem Fall auszuschließen, starten wir jetzt das sicherlich umfangreichste Beschaffungsprogramm aller Bundesländer.“

Luftfilter in Klassenräumen: So sieht es in den Schulen anderer Bundesländer aus

Bereits im Herbst 2020 waren einige Bundesländer in Vorreiterstellung gegangen und hatten Luftfilter in Schulen angebracht. Nordrhein-Westfalen*, Rheinland-Pfalz und Bayern kündigten jeweils ein 50-Millionen-Euro-Programm für die Anschaffung mobiler Luftfilter in Schulen und Kitas an. Trotzdem wolle man in erster Linie die Klassenräume ausstatten, die sich nicht anderweitig durch Fenster oder Klimaanlagen lüften lassen. Auch in Hessen stellte man 10 Millionen Euro für diese Zwecke bereit, um die Kinder vor dem Corona-Virus zu schützen.

Mittlerweile sind auch andere Bundesländer ins Luftfilter-Programm eingestiegen, weil langsam klar wird, was sonst aufgrund der Delta-Variante im Herbst auf uns zukommen kann*. Bremen und Sachsen ergriffen ebenfalls Maßnahmen, im Saarland stellte die Regierung 4 Millionen zur Verfügung, möchte aber weiterhin nur bedarfsorientiert die Anschaffung von Luftfiltern genehmigen. In Thüringen wird noch immer debattiert. Zwar gibt es dort ein Förderprogramm über 5 Millionen Euro, allerdings sind Luftfilter noch diskutiert.

Laut dem Bildungsministerium in Erfurt richte man sich nach den Empfehlungen des Umweltbundesamtes und setze aufs Lüften durch Fenster. Die politische Diskussion um Luftfilter sei „nicht immer entlang sachbasierter Wege“. Manche Lehrer sind mit dem Hin-und-Her der Corona-Maßnahmen an Hamburgs Schulen heillos überfordert. * 24hamburg.de, 24rhein.de und 24vita.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Bernd Friedel/Imago Images & Chris Emil Janßen/Imago Images

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