Gender-Sprache in Hamburgs Behörden

Liebe Hamburger*innen, jetzt wird offiziell gegendert

  • Christian Einfeldt
    VonChristian Einfeldt
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Nachdem Senatorin Katharina Fegebank die Gendersprache in Behörden gefordert hatte, ist es nun offiziell: Hamburgs öffentlichen Einrichtungen gendern jetzt.

Hamburg – Lange hallte der Wunsch von Befürwortern der Gender-Sprache durch die Amtsstuben von Hamburgs Behörden. Durch das Engagement von Hamburgs Zweiter Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne), die sich vehement für die Gender-Sprache in Hamburger Behörden einsetzte*, konnte der Wunsch jetzt erfüllt werden. Wie nun bekannt gegeben wurde, gehört die geschlechtssensible Ansprache in öffentlichen Einrichtungen seit dem 15-06.2021 zum Tagesprogramm.

Stadt:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Fegebank: Gendern in Hamburgs Behörden „Möglichkeit, alle Menschen diskriminierungsfrei zu adressieren“

Ob mit Sternchen oder Doppelpunkt: Die Gender-Sprache hat sich ihren Weg in Hamburgs Behörden gebahnt. Die Furcht einem Gender-Zwang zu unterliegen, besteht für die städtischen Mitarbeiter nun dennoch nicht. Demzufolge ist es ihnen freigestellt, in welcher Schreibweise sie gendern – und ob sie darauf überhaupt zugreifen. Verpflichtend ist die Gender-Sprache also keineswegs. Dennoch ist die Entscheidung, sie in Hamburgs Begörden offizielle einsetzbar zu machen, als ein starkes Statement zu verstehen.

So setzen Hamburgs Behörden ein Zeichen in einer Debatte, die sich aktuell einer großen medialen Aufmerksamkeit erfreut. Verhärtete Fronten treffen aufeinander, die auf die Kontroversität des Themas aufmerksam machen. Nicht zuletzt Literaturkritikerin Elke Heidenreich motzte kürzlich gegen die Gender-Sprache, doch für Katharina Fegebank ist die Entscheidung längst überfällig.

„Viele Menschen fühlen sich nicht mehr angesprochen, wenn man von ‚den Polizisten‘ oder ‚den Krankenschwestern‘ spricht.“ So würden auch Menschen Berufe ausüben, die sich weder als Mann noch als Frau kategorisieren möchten. Wie die Zweite Bürgermeisterin, die auch als Gleichstellungssenatorin Hamburgs tätig ist, dem NDR Preis gab, schaffe man nun also „die Möglichkeit, alle Menschen diskriminierungsfrei zu adressieren“. Nicht zuletzt deswegen sollen in Hamburg-Eimsbüttel schon bald auch Frauen auf die Straßenschilder*.

Katharina Fegebank spricht sich für das Gendern in Hamburgs Behörden aus. (24hamburg.de-Montage)

Hamburgs CDU-Chef wehrt sich gegen die Gendersprache in Behörden

Doch dass der Gender-Diskurs bundesweit polarisiert, machen die jüngsten Umfragen zu dem Thema deutlich. So sprechen sich nur 14 Prozent für die gendergerechten Sprache aus*. Egal, ob sie aus der Promiwelt oder der Politik stammen – immer mehr Stimmen werden laut, die die gendergerechte Sprache aufs Schärfste kritisieren. So erklärte unlängst Scooter-Frontmann H.P. Baxxter, er finde Gendern „zum Kotzen“, Friedrich Merz will die Gender-Sprache gar verbieten* – wenn auch unklar ist, welche politische Macht er dazu nutzen möchte. Er hat keine.

Den größten Gegenwind bekommt Fegebank jedoch ausgerechnet aus der Hamburger Politik. CDU-Chef Christoph Ploß wehrt sich gegen die Gender-Sprache. Dass nun die geschlechtssensible Sprache in Hamburgs Behörden durchgewunken wurde, dürfte ihn also nicht gerade erfreuen.

Am vergangenen Dienstag, dem 15. Juni verlieh er seinem Unmut auf den CDU-Landesparteitag in Hamburg Ausdruck: „Die Hamburger CDU spricht sich dafür aus, dass in allen Behörden, Schulen, Universitäten und anderen staatlichen Einrichtungen keine grammatisch falsche Gender-Sprache verwendet wird.“ Seine Forderung ist klar: Der Hamburger CDU-Chef Ploß will Gendern per Gesetz verbieten lassen.

Gendersprache ergänzt Hamburgs Grundsätze zur Verwaltungssprache von 1995

Der Senat ergänzt mit der neuen Gender-Vorschrift die Grundsätze zur Verwaltungssprache aus dem Jahre 1995. Nun soll also auch die Gendersprache offiziell zu einem Mittel werden, die alle Menschen – unabhängig von ihres Geschlechts – gleichermaßen anspricht. Verwendung findet die gendergerchte Sprache fortan intern wie extern in allen möglichen Gestaltungen des Schriftverkehrs. So etwa in Broschüren, Präsentationen oder Formularen. Eine Ausnahme lässt das Urteil dennoch bestehen: Rechts- und Verwaltungsvorschriften sollen auch weiterhin ohne das Gendern auskommen. *24hamburg.de, merkur.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marcus Brandt/dpa, Sebastian Gollnow/dpa und Daniel Reinhardt/dpa

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