Hamburger Rocker kommt ins Gefängnis

Landgericht Hamburg: Lebenslange Haft für Schüsse auf Rockerboss in St. Pauli

Das Bild schaut durch rot-weißes Absperrband auf einen weißen Bentley, vor dem vier Polizisten stehen. Die Szene ist bei Nacht in Blaulicht getaucht.
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Polizisten stehen neben einem Auto auf dem Millerntorplatz an der Reeperbahn, nachdem Schüsse gefallen waren.
  • Enno Eidens
    vonEnno Eidens
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Das Urteil im Prozess um die Schüsse auf den Rockerboss der „Hells Angels“ in St. Pauli ist gefallen. Der Auftragskiller kommt in die Psychatrie, sein Auftraggeber bekommt Lebenslang.

  • Urteil im versuchten Mord auf einen Rockerboss in St. Pauli ist gefallen.
  • Der 29-jährige Auftraggeber wird zu lebenslanger Haft verurteilt.
  • Das Landgericht Hamburg musste den Fall zum zweiten Mal verhandeln.

Hamburg – Das Landgericht Hamburg hat entschieden. Für die Schüsse auf einen Rockerboss der „Hells Angels" werden der Killer, sein Auftragsgeber und dessen Vater verurteilt, berichtet der Norddeutsche Rundfunk (NDR) am Donnerstag, 23. April 2020. Auf alle warten lange Haftstrafen, wobei der Schütze wegen seiner psychischen Erkrankung in eine Psychiatrie eingewiesen wird.

Hamburger Landgericht verteilt lange Strafen für Schüsse auf Rockerboss in St. Pauli

Der lange Prozess um die Schüsse auf den Rockerboss in St. Pauli findet ein Ende. Das Landgericht Hamburg verurteilt den 29-Auftraggeber zu lebenslanger Haft. Sein Vater, 73 Jahre alt, kommt für neuneinhalb Jahre ins Gefängnis. Der Schütze, ein psychisch kranker Mann, wird für sechs Jahre und neun Monate Haft in eine Psychiatrie eingewiesen.

In der Nacht zum 27. August 2018 waren fünf Schüsse auf einen Hells-Angels-Boss abgegeben worden, als dieser mit seinem Bentley vor einer Ampel am Hamburger Millerntor in St. Pauli halten musste. Der damals 38-Jährige wurde lebensgefährlich an Kopf und Oberkörper verletzt und ist seitdem querschnittsgelähmt. Die Tat soll ein Racheakt gewesen sein. Gut zwei Jahre zuvor waren der heute 29 Jahre alte Hauptangeklagte und dessen Freundin Opfer eines ähnlich heimtückischen Überfalls im Stadtteil Schnelsen geworden. Dabei hatten die beiden Deutschen schwere Schussverletzungen erlitten.

Täter wird zum zweiten Mal lebenslänglich verurteilt

Nach dem Willen der Verteidigung soll der Hauptangeklagte nur wegen Beihilfe, aber nicht wegen Mittäterschaft bei einem versuchten Mord verurteilt werden. Er soll den Schützen aus dem Gefängnis heraus mit der Tat in St. Pauli beauftragt haben. Für den Vater des Hauptangeklagten plädierte die Verteidigung auf Freispruch. Das Landgericht Hamburg hat anders entschieden. Der dritte Angeklagte, der mutmaßliche Schütze aus Bulgarien, soll nach dem Willen seines Verteidigers sechs Jahre Haft bekommen und in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen werden.

Wegen eines Rechenfehlers muss der bereits im Juni 2019 beendete Prozess über die Schüsse in St. Pauli ein zweites Mal aufgerollt werden. Die zuständige Strafkammer hatte die schriftliche Urteilsbegründung einen Tag zu spät auf der Geschäftsstelle des Hamburger Landgerichts vorgelegt. Dort wird im Juni 2020 auch der Fall um den KZ-Wachmann Bruno D. verhandelt. Der 93-jährigen Deutschen muss sich wegen der Beihilfe zum Mord in 5.320 Fällen verantworten.

Immer wieder geraten Rockerbanden mit ihren kriminellen Methoden und spektakulären Verurteilungen ihrer Mitglieder in die Schlagzeilen: So wurde etwa einem Hells Angels-Boss in Berlin im Oktober 2019 eine lebenslange Haftstrafe aufgebrummt, merkur.de berichtete*. Auch die Hells Angels in Frankfurt brechen immer wieder das Gesetz, um ihre Macht in der Szene zu behaupten*.

Quelle: 24hamburg.de

* 24hamburg.de, Merkur.de und fr.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

dpa/ee

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