Corona-Virus

Lambda-Variante: Wirkung, Fallzahlen und Gefahren der neuen Corona-Mutation

Ist die Lambda-Variante des Coronavirus ähnlich gefährlich wie die Delta-Mutation? Das sollten Sie über die Mutante aus Lateinamerika wissen.

Hamburg – Die Lambda-Mutation des Corona-Virus ist nun auch in Europa angekommen. In Deutschland ist es aktuell noch die Delta-Variante, die am meisten Sorge bereitet, doch ein Nachkömmling ist bereits auf dem Vormarsch und schon auf dem Kontinent angekommen. Das sollten Sie über die Lambda-Variante wissen.

Corona-Fälle weltweit 185 Millionen (4 Millionen Todesfälle)
Corona-Fälle in Deutschland 3,7 Millionen (91.000 Todesfälle)
Corona-Fälle in Niedersachsen261.000 (5.700 Todesfälle)
Bekannte Virus-Mutationen (Stand 30. Juni 2021)Alpha, Beta, Gamma, Delta, Epsilon, Zeta, Eta, Theta, Iota, Kappa, Lambda

Was ist die Lambda-Variante?

Die Lambda-Mutation, auch C.37-Mutation genannt, ist eine Variante des Corona-Virus, die zuerst in Lateinamerika auftrat. Zur Herkunft: Im August 2020 wurde sie erstmals in Peru nachgewiesen und machte dort im Juni 2021 bereits 82 Prozent der Infektionen aus. Laut der südamerikanischen BBC sollen auch Argentinien mit 37 Prozent und Chile mit 32 Prozent der Infektionsfälle ebenfalls stark betroffen sein.  

Wird die Lambda-Variante in Deutschland die dominante Mutante?

Bisher wurde die Lambda-Mutation nur in wenigen europäischen Ländern nachgewiesen, darunter Spanien und Großbritannien, aber auch in Deutschland traten laut der weltweiten Wissenschaftsinitiative GISAID bereits 100 Fälle in den letzten vier Wochen auf. In der spanischen Provinz Kantabrien an der Nordküste gab es nun laut mehreren spanischen Medienberichten 80 Neuinfektionen, bei denen sich die Lambda-Mutation nachweisen ließ. Auch in Großbritannien, wo zuvor die Alpha-Variante entdeckt wurde, gibt es bereits sechs bestätigte Fälle.

In Deutschland wurde die Lambda-Mutation bisher noch nicht zum Problem, allerdings kann sich auch das jederzeit ändern. Vor allem, da die Reiseeinschränkungen wieder gelockert wurden und für Urlauber mehr Möglichkeiten bestehen, könnte Lambda auch in Deutschland ankommen, ähnlich wie die gefährliche Delta-Variante, deren Infektionsanteil sich nach Angaben des Robert Koch Instituts (RKI) von 2% im Mai auf knapp 60% Ende Juni erhöhte. Auch Hamburg lockerte zuletzt die Quarantänebedigungen.

Ansteckung und Verlauf: Wie gefährlich ist Coronavirus-Lambda-Variante?

Das RKI und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) behalten die Entwicklungen bezüglich der Lambda-Mutation im Auge, haben die Virus-Variante aber bisher nur als „Variant of Interest“ (VOI), also als „Variante unter Beobachtung“ eingestuft. Jairo Méndez-Rico, Experte für Viruserkrankungen bei der WHO, erklärte gegenüber der Deutschen Welle: „Bisher gibt es keine Hinweise auf ein aggressiveres Verhalten der Lambda-Variante. Obwohl die Möglichkeit einer höheren Ansteckungsrate besteht, haben wir noch nicht ausreichend belastbare Studien, um sie mit Gamma oder Delta vergleichen zu können.“ Sollte sich das in Zukunft ändern, werden das RKI und die WHO die Lambda-Mutation als „Variant of Concern“ (VOC), also als „Besorgniserregende Variante“ einstufen.

Welche Symptome treten bei einer Lambda-Mutation auf?

Neue Symptome sind bei der Lambda-Variante bis jetzt nicht aufgetreten. Anders als die Delta-Variante, bei der es bei einigen Patienten sogar zu Hörschäden, Blutgerinnsel und Durchblutungsstörungen gekommen sein soll, zeichnet sich die Lambda-Mutation nicht durch andere Symptome als bei anderen Varianten aus. Laut der WHO sind die häufigsten Symptome bei einer Corona-Infektion Fieber, trockener Husten, Abgeschlagenheit, Auswurf, Kurzatmigkeit, Kiefer- und Halsschmerzen und Kopfschmerzen. Auch Schüttelfrost, Übelkeit und Erbrechen, eine verstopfte Nase oder Durchfall können auftreten. In diesen Symptomen unterschiedet sich die Lambda-Variante nicht von anderen Sars-CoV-2-Varianten.

Die Lambda-Mutation des Corona-Virus wirft viele Fragen auf. Das sollten Sie wissen. (24hamburg.de-Montage)

Einzelne Ärzte erwähnen häufiges Auftreten von Darmproblemen, offizielle Studien gibt es dazu aber noch nicht. In den Situationsberichten, die das RKI mehrmals wöchentlich veröffentlicht, heißt es: „Die VOI haben gemein, dass sie Mutationen aufweisen, die mit erhöhter Übertragbarkeit oder reduzierter Antikörperneutralisation assoziiert werden.“ Die Lambda-Variante könnte demnach also besonders ansteckend sein oder vom menschlichen Körper weniger gut bekämpft werden können. Bestätigte Studien dazu bleiben wegen des geringen Auftretens in Europa allerdings noch aus.

Corona-Impfung: Wie gut wirken die verschiedenen Impfstoffe gegen Lambda?

Die Lambda-Variante von Sars-CoV-2 weist nach aktuellem Wissensstand sechs Mutationen im Spike-Protein des Virus auf. Diese Mutationen könnten dafür verantwortlich sein, dass der Impfstoff, der auf das ursprüngliche Spike-Protein zugeschnitten ist, nicht ganz so gut gegen die Lambda-Variante wirkt wie gegen andere Mutationen. Laut einer Studie auf MedRxiv, einem Dokumentenserver für Preprints aus den Bereichen Medizin und Gesundheitswissenschaften, soll das der Fall sein. Diese Studie wurde allerdings noch nicht überprüft.

Dennoch hilft eine Impfung auch gegen die Lambda-Mutation. Ähnlich wie bei der Delta-Variante, gegen die eine vollständige Biontech-Impfung statt 93% immer noch zu 88% schützt, schützt die Impfung auch bei einer Lambda-Infektion zumindest vor schweren Krankheitsverläufen. Das bestätigen auch Ärzte aus Peru. Die Nachrichtenagentur Andina berichtete, dass die dort verwendeten Impfstoffe von Biontech/Pfizer (mRNA-Impfstoff) und Sinopharm (Vektor-Impfstoff) schwere Krankheitsverläufe verhindern können.

Darüber hinaus ist eine eventuell erhöhte Ansteckungsgefahr nicht unbedingt ein Indikator für eine schlimmere Erkrankungen. Jairo Méndez-Rico erklärt: „Es ist wahrscheinlich, dass Sars-CoV-2 in seinem evolutionären Prozess zwar ansteckender wird, aber gleichzeitig nicht schädlicher für den Wirt.“

Wie gefährlich ist die Lambda-Variante für Kinder?

Ob die Lambda-Mutation bei Kindern und Jugendlichen einen drastischeren Effekt hat als bei Erwachsenen, ist bislang nicht bekannt. Der britische Professor Tim Spector sprach allerdings von einem erhöhten Risiko, die Corona-Infektion bei Kindern gar nicht zu bemerken, was aufgrund der normalen Corona-Symptome wohl auch auf die Lambda-Variante zutreffen dürfte. Der Epidemiologe und Wissenschaftsjournalist erklärte in einem YouTube-Video der Gesundheitsfirma Zoe, dass sich eine Infektion bei jungen Leuten wie eine einfache Erkältung mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Fieber, Schnupfen und Halsschmerzen anfühlen könne. Das erhöhe das Risiko, den Virus in der Schule, bei Freunden oder in der Familie zu verbreiten.

Allerdings gibt es auch für Kinder ab 12 Jahren mittlerweile die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Zwar empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die Impfung bei Kindern zwischen 12 und 17 Jahren nur im Falle einer Vorerkrankung oder bei Risikofaktoren. Die Möglichkeit steht auf Wunsch der Eltern und des Kindes aber für alle Menschen ab 12 Jahren zur Verfügung. Das Hamburger Impfzentrum impft Jugendliche ab 16 Jahren.

Generell können schlimme Verläufe jeglicher Corona-Infektionen bei Kindern aber nicht ausgeschlossen werden. Laut dem Epidemiologen Dirk Brockmann sind Corona-Verläufe bei Kindern in der Regel weniger schlimm, wie er dem ZDF erklärte. Dennoch müssten auch von ihnen 1% der Betroffenen im Krankenhaus behandelt werden und es könne zu schweren Krankheitsverläufen kommen.

Was sollte aus epidemiologischer Sicht schon jetzt getan werden?

In den letzten Wochen sank die Tagesinzidenz in Deutschland vielerorts – mit einigen Infektions-Ausschlägen nach oben - auf neue Tiefpunkte. Dennoch sollte die Bevölkerung, besonders in Anbetracht der neuen Mutation, weiterhin Vorsicht walten lassen – und zum Beispiel auf den Mallorca-Urlaub zu verzichten. In einem Bericht des RKI heißt es: „Um diese positive Entwicklung nicht zu gefährden, ist es weiterhin erforderlich, dass alle Menschen ihr Infektionsrisiko entsprechend der Empfehlungen des RKI (AHA + L) minimieren und bei Zeichen einer Erkrankung eine Testung vornehmen lassen und zuhause bleiben.“ Außerdem wird vom Institut weiterhin empfohlen, Impfmöglichkeiten wahrzunehmen. Vor einer zu schnellen Lockerung der Einschränkungen wird jedoch gewarnt: „Die Rücknahme von Maßnahmen sollte aus epidemiologischer Sicht unbedingt schrittweise und nicht zu schnell erfolgen.“

Wird es im Herbst einen neuen Lockdown geben?

Ob es bei einer vierten Corona-Welle einen erneuten Lockdown geben würde, ist noch unklar. Allerdings will die Regierung das vermeiden oder zumindest für Geimpfte ein wenig mehr Freiheiten lassen. Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) sagte gegenüber dem MDR, dass vollständig Geimpfte sich bei einem weiteren Lockdown Hoffnung auf Normalität machen können. „Solange die Impfungen gut wirken, kommt ein Lockdown zu Lasten derer, die vollständig geimpft sind, nicht in Frage.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn warnt allerdings davor, die Einschränkungen zu schnell zu lockern und verweist im ZDF-Morgenmagazin auf Großbritannien. „Wir sehen in Ländern wie dem Vereinigten Königreich: Es kann auch schnell wieder schief gehen.“ Auch Virologe Hendrik Streek rät im Gespräch mit ntv, dass die Regierung die Zeit in den Sommermonaten nutzen sollte, um sich am besten auf das „Worts-Case-Szenario“ vorzubereiten. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schließt einen vierten Lockdown dagegen aus. Er warnt allerdings davor, dass es vielerorts in Deutschland „lokale vierte Wellen“ geben werde, wie er gegenüber ZDFheute erklärte: „Das halte ich für sehr wahrscheinlich. In Kitas aber auch in Grundschulen könnten Ausbrüche vorkommen, weil wir da nicht impfen können.“

Wird es weitere Mutationen geben?

Mit den Mutationen Alpha, Beta, Gamma, Delta, Epsilon, Zeta, Eta, Theta, Iota, Kappa, Lambda gibt es bereits elf Corona-Varianten. Dass sich ein Virus verändert, ist ganz normal, und auch Sars-CoV-2 könnte in Zukunft in weiteren Mutationen auftreten. Richard Neher, Experte für Virusevolution am Biozentrum der Uni Basel, erklärte gegenüber der Zeit, dass es allerdings „sehr unwahrscheinlich“ sei, dass plötzlich eine Variante auftrete, gegen die kein Impfstoff mehr wirke. „Es wird oft so getan, als sei ein Impfschutz schwarz-weiß. Aber das ist falsch“, sagt Neher und meint damit, dass eine Impfung auch gegen neue Mutationen noch immer der beste Schutz ist. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa

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