Neue Corona-Mutation

Lambda-Variante auch in Deutschland: So gefährlich ist die Corona-Mutation

  • Mark Stoffers
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Die nächste Mutation des Coronavirus ist da: die Lambda-Variante aus Peru. Bereits in Großbritannien, Spanien und Italien nachgewiesen, ist sie nun auch in Deutschland.

Berlin – Die Lambda-Variante ist auf dem Vormarsch. Während sich die Delta-Variante des Coronavirus in ganz Europa ausbreitet und die Inzidenzen Urlaubsländern wie Spanien, Italien und Griechenland, aber auch in Großbritannien und Russland in die Höhe schnellen lässt, klopft mit der Lambda-Variante bereits die nächste Corona-Mutation an die Pforten Europas. Erste Fälle wurden jetzt in Großbritannien und Spanien sowie nach Angaben der europäische Seuchenschutzbehörde ECDC in Italien nachgewiesen. Auch in Deutschland gibt es schon die ersten Fälle.

nach WHOnach Pangolin\tnach Herkunft
AlphaB.1.1.7Britische Variante
BetaB.1.351Südafrikanische Variante
GammaP1 oder B.1.1.28.1Brasilianische Variante
DeltaB.1.617.2Indische Variante
.........
LambdaC.37Südamerikanische Variante oder Anden-Variante

Hierzulande hat die Bekämpfung der hochansteckenden Delta-Variante derzeit absolute Priorität. Immerhin ist der prozentuale Anteil aller Neuinfektionen der nachgewiesenen Corona-Infektionen in Deutschland zum ersten Mal hauptsächlich auf die zuerst in Indien entdeckte Covid-19-Mutation zurückzuführen. Stand Mittwoch, 7. Juli 2021, entfallen 59 Prozent aller erfassten Neuinfektionen auf die Delta-Variante.

Auch deshalb wurde die Impf-Empfehlung der Stiko auf eine Kreuzimpfung mit Astrazenaca und Biontech beziehungsweise Moderna* angepasst, um aufgrund der guten Immunitätsrate einer möglichen vierten Corona-Welle noch vor dem Herbst entgegenzutreten.

Lambda-Variante in Europa: Neue Corona-Mutation in Spanien und Großbritannien nachgewiesen

Nun schaut aber bereits das nächste Corona-Gespenst um die Ecke. Denn die Lambda-Variante, die sich zügig in Lateinamerika ausbreitete, hat nun den Sprung über den großen Teich geschafft. Die Mutation steht dabei nach Berichten aus den spanischen Medien im Verdacht, für einen Ausbruch mit 80 Neuinfektionen in der spanischen Provinz Kantabrien verantwortlich zu sein. Und diese Nachrichten zur Unzeit, während auf Mallorca die Inzidenz auf über 100 steigt.

Gleichzeitig beginnt die Covid-19-Mutation auch in Großbritannien ihr Unwesen zu treiben. Keine guten Nachrichten für das Vereinigte Königreich, welches bereits der Lage um die Delta-Variante kaum Herr wird. Tagtäglich kommen neue Wasserstandsmeldungen aus London. Dennoch wird bisher an den Lockerungsplänen für den 19. Juli und dem Fall der Maskenpflicht* festgehalten, obwohl Großbritannien mit einer zunehmend explodierenden Inzidenz von über 271 (Inzidenzwert vom 7. Juli 2021) zu kämpfen hat.

Universität Mainz: Neue Erkenntnisse zur Verbreitung von Corona.

Lambda-Variante Herkunft: Peru als Ursprung der Anden-Variante im August 2020 ausgemacht – rasend schnelle Ausbreitung in Südamerika

Könnte eine ähnliche Entwicklung auch mit der Lambda-Variante zu befürchten sein? Die auch als Anden-Variante oder C.37 bezeichnete Corona-Mutation tauchte erstmals im August 2020 in Peru auf und wurde seither in mindestens 29 Ländern entdeckt. Besonders Südamerika ist von der Lambda-Variante des Covid-19-Erregers betroffen.

Brisant ist dabei die rasante Ausbreitung der Corona-Variante. Kurz nach der Entdeckung des neuen Strangs konnten in Peru nur 0,5 Prozent der Erkrankungen auf die Lambda-Variante zurückgeführt werden. In der Folge stieg die Kurve allerdings wahnsinnig schnell an.

Laut der panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO) gingen bereits im Zeitraum zwischen Mai und Juni 2021 insgesamt 82 Prozent der registrierten Corona-Infektionen auf die Lambda-Variante zurück. Nach Angaben der BBC war Lambda im gleichen Zeitraum auch in Argentinien für 37 Prozent der Corona-Fälle und in Chile für 32 Prozent der Covid-Infektionen verantwortlich.

Coronavirus Lambda-Variante von Sars-Cov-2 steht unter besonderer Beobachtung der WHO

Da passt es ins Bild, dass die Corona-Variante seit Mitte Juni unter besonderer Beobachtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) steht. Die WHO stuft Lambda als „interessante Variante“ ein, weil sie zu gehäuften Fällen führt und gleich in mehreren Ländern auftaucht, aber dort nur sporadisch nachgewiesen wurde. Deshalb ist die Lambda-Variante bisher noch eine Stufe unter den „besorgniserregenden Varianten“ („Variants of concern“) wie Alpha, Beta, Gamma oder Delta eingestuft.

Möglicherweise ist Lambda noch ansteckender als die bisherigen Mutationen. Gegenüber der Deutschen Welle äußerte sich Jairo Méndez-Rico, Experte für neue Viruserkrankungen der PAHO, so: „Bisher gibt es keine Hinweise auf ein aggressiveres Verhalten der Lambda-Variante. Obwohl die Möglichkeit einer höheren Ansteckungsrate besteht, haben wir noch nicht ausreichend belastbare Studien, um sie mit Gamma oder Delta vergleichen zu können.“

Die Datenlage ist also noch keineswegs aussagekräftig. In Großbritannien, wo die meisten Fälle genau sequenziert werden, wurde eine Handvoll Fälle der Variante registriert. Das Gesundheitsministerium Public Health England stellte dem Virus „eine potenziell erhöhte Übertragbarkeit oder eine mögliche erhöhte Resistenz gegen neutralisierende Antikörper“ aus. Für eine verlässliche Einschätzung benötige es aber weitere Studien.

Ist die Lambda-Variante des Covid-Erregers (C.37) eine Gefahr für Deutschland?

Nach ersten Erkenntnisse hat die Lambda-Variante aus Peru (C.37) es bisher nur vereinzelnd über die Grenzen nach Deutschland geschafft. Allerdings sollte das kein Grund sein, um sich ruhig zurückzulehnen. Denn allein der Verlauf der Delta-Variante in Deutschland sollte zu denken geben. Immerhin grassierte die Covid-19-Mutation ebenfalls zuerst in Großbritannien und schwappte dann ins kontinentale Europa über.

Laut des Robert Koch-Instituts Instituts (RKI) gab es bereits seit einigen Wochen einzelne Fälle von Infektionen, die auf die Lambda-Variante zurückgehen. Der Virusvariantenbericht des RKI vom 30. Juni weist in einer Stichprobe den Anteil von Lambda seit der Kalenderwoche 15 (Mitte April) je nach Woche mit 0,1 bis 0,2 Prozent aus.

Zur Einordnung: Der Anteil der Delta-Variante in derselben Stichprobe stand in der Kalenderwoche 15 ebenso bei 0,1 Prozent, um dann in der Kalenderwoche 24 bei 36,7 Prozent anzusteigen.

Bisher hat sich Lambda also (noch) nicht in Deutschland durchsetzen können.

Wie die Delta-Variante so auch Lambda: Impfen hilft

Dennoch gilt auch in Bezug auf die Lambda-Variante, was die Gesundheitsexperten bereits seit Wochen predigen: „Impfen, impfen, impfen! Auch Méndez stößt hier ins gleiche Horn: „Alle von uns zugelassenen Impfstoffe gegen die weltweit zirkulierenden Corona-Varianten sind generell effektiv – und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sie dies bei Lambda weniger wären“, verweist der Experte auf Impfungen als wirksamstes Mittel.

Die vorläufig positive Nachricht ist also: wie bei den meisten der bisher aufgetretenen Varianten, unter anderem auch Delta, scheinen die entwickelten Impfstoffe wie Biontech, Astrazeneca und Moderna einen gewissen Schutz* zu bieten, oder zumindest schweren Krankheitsverläufen vorzubeugen. Darauf deutet eine erste Studie der NYU Grossman School of Medicine hin. Diese wurde bereits am 3. Juli veröffentlicht, aber noch nicht von einem Experten-Gremium in Augenschein genommen und auf Herz und Nieren geprüft.

Könnte die Lambda-Variante gegen die derzeitigen Impfstoffe resistent sein?

Klar ist, dass das Coronavirus weiter mutieren wird. Dass aber plötzlich eine Variante um die Ecke kommt, die sich resistent gegen die bisherigen Impfstoffe zeigen, sei „sehr unwahrscheinlich“, erklärt Richard Neher, Experte für Virusevolution vom Biozentrum der Uni Basel, gegenüber „Die Zeit“. „Es wird oft so getan, als sei ein Impfschutz schwarz-weiß“ – sprich: Man ist geschützt oder eben nicht. „Aber das ist falsch“, so Neher. 

Allgemein ist festzuhalten, dass es durchaus möglich ist, dass Corona-Infektionen mit kommenden Varianten – darunter auch Lambda – trotz zweifacher Impfung wieder ansteigen könnten, auch solche mit Beschwerden. Grund hierfür ist, dass Antikörper gegen das Virus in Blut und Schleimhäuten auf lange Sicht abnehmen. Darüber hinaus hat das Virus durch Mutationen die Möglichkeit, dem Griff der Antikörpermoleküle ein Stück weit zu entgehen. 

Es gibt aber noch weitere Faktoren der Immunantwort, insbesondere die T-Zell-Antwort, die für das Virus deutlich komplizierter zu umgehen sei, erklärt Neher weiter. T-Zellen erfasen diverse Fragmente von Sars-CoV-2, auch solche, die nicht von der variablen Region im Stachelprotein stammen, an die die Antikörper binden. Mit einem bestimmten Schutz, vor allem im Hinblick auf schwere Verläufe, sei also auch weiterhin auf absehbare Zeit zu rechnen. 

Könnten im Herbst und im Winter wieder neue Infektionswellen auf Deutschland zu rollen?

Ja, sagt Neher, vor allem im Winter könne es zu neuen Infektionswellen kommen, verursacht durch neu entstandene Virusstämme und nimmt der Aussage im nächsten Schritt ein wenig den Wind aus den Segeln. Diese werden aber nicht mehr so gefährlich sein wie die erste oder zweite Welle.

„Im Laufe der Zeit wird die Immunlandschaft zudem vielschichtiger“, führt Neher in „Die Zeit“ aus. Da Menschen sich mit verschiedenen Viren-Stämmen infizieren und das Virus somit aufs Neue sich immer wieder auch auf immune oder teilimmune Menschen ausgesetzt sieht. Daher gibt es nicht mehr DIE EINE Mutation, die das Virus unterstützt, die Immunantwort zu umgehen.

Die Immunantwort ist mittlerweile deutlich komplexer und längst nicht mehr so einheitlich wie zu Beginn der Pandemie, genauso wenig wie die Virusmutationen. Die Virusvarianten, darunter auch die Lambda-Variante, die auf lange Sicht entstehen, ähneln dann eher einem Mosaik. Gut möglich, dass dann die Bezeichnung Variante gar nicht mehr zutrifft. 

Virusvariante C.37: Symptome der Lambda-Variante – Darmprobleme treten häufiger auf

Nach bisherigem Kenntnisstand seien Symptome bei einer Infektion mit der Lambda-Variante noch nicht von derzeit bekannten Symptomen der anderen Corona-Varianten abgewichen. Diese Einschätzung teilte Pablo Tsukayama mit der BBC. Der Mikrobiologe vom Labor für mikrobielle Genomik in Peru leitete die Untersuchungen zur Identifizierung der C.37-Virusvariante. Einzig allein erfuhr er aus einzelnen Erzählungen von Ärzten, dass häufiger Darmprobleme auftreten können, erklärte Tsukayama.

Noch sollten die Corona-Alarmglocken also nicht zu laut schrillen, aber ausgeschaltet sollten sie auch nicht sein. Denn die Lambda-Variante hat in Südamerika unter Beweis gestellt, wie schnell sie einen Fuß in die Tür bekommt, wenn diese erstmal geöffnet ist. Deshalb sollte Deutschland vorbereitet sein und die Anden-Variante mit mehr als nur einem Auge im Blick behalten. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Rupert Oberhäuser/IMAGO

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