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Kult-Schanzenbar schließt nach 27 Jahren – Nachfolger steht bereits fest

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Von: Kevin Goonewardena

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Nach der Daniela-Bar schließt mit dem Saal II eine weitere Kult-Bar in Hamburgs Schanzenviertel. Das Ende war abzusehen. Ein Nachfolger steht bereits fest.

Hamburg – Wer in Hamburg an das Schanzenviertel denkt, der oder die denkt in erster Linie wohl an die hohe Bar- und Restaurantdichte des mittlerweile hippen Viertels. An die Katze, Goldfischglas, Berliner Betrüger, das Thier, Le Fonque, Zoë II, vielleicht auch an die Mutter, auf der Schnittstelle zwischen Schanze und St. Pauli in der Stresemannstraße. Die ein oder andere Institution stammt dabei noch aus einer Zeit, als die Sternschanze noch kein hippes Szeneviertel war und ist älter als so manch ihrer Gäste. Doch die werden immer weniger: Erst im Frühjahr schloss die Kultbar Daniela, das Aus hatte sich bereits im Herbst 2021 angekündigt. Nun hat es eine weitere Bar, die ebenfalls fast drei Jahrzehnte für ihre Gäste dagewesen ist, erwischt: den Saal II auf dem Schulterblatt. Ein Nachmieter der Räumlichkeiten steht bereits fest.

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Name:Saal II
Existierte von:1995 - 2022
Adresse:Schulterblatt 83, 20357 Hamburg
Letztmalig geöffnet:30. September 2022

Saal II: Hamburger-Kult Gastronom gibt Aus bekannt

Saal II-Betreiber Oliver Hörr ist seit Jahrzehnten als Gastronom in Hamburg aktiv – setzt immer wieder mit neuen Konzepten Akzente. Mitte der 1990er machte Hörr aus einer ehemaligen Kneipe das Heinz Kramers Tanzcafé, fortan Treffpunkt der sogenannten Hamburger Schule. Dort gründeten er und seine Mitstreiter angeblich und natürlich „am Tresen“ auch die Band Boy Division, die Coverversionen spielen und die Anlage dabei durch ein Megafon ersetzen.

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Eine Partyband der etwas anderen Art. Heute macht Hörr auch noch den Central Congress, eine Bar im Stile eines 70er-Jahre-Konferenzraums in Hauptbahnhofnähe. Vor einem Bar- und Kneipensterben im Zuge der Corona-Krise hatte Hörr bereits vor Monaten gewarnt.

Am Freitag, den 30. September 2022, öffnen sich nach gefühlten 27 Jahren die Türen des Saal II, wie ihr ihn kanntet, zum letzten Mal.

Saal II-Betreiber Oliver Hörr auf Facebook zum Aus seiner Bar nach 27 Jahren

Saal II-Aus: „Tolle und aufregende Zeit“

Weiter heißt es in der kurzen Ankündigung der Gastronom zum Ende des Saal II auf dem Schulterblatt: „Es war eine tolle und aufregende Zeit und mein Dank geht an alle und jeden, die/der das möglich gemacht haben“, schreibt Hörr weiter und endet mit einem Appell, die letzten Tage und Wochen zu genießen und den Worten „Die Zukunft ist die Antwort.“

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Netzreaktionen zum Aus der Kultbar: „Vermisse HH immer genau wegen Orten wie dem Saal II“

Benny Ruess (Begründer Hamburgs ältester Indie-Party Revolverclub) schreibt auf Facebook: „So, damit hat sich das Schulterblatt nach 33 Jahren meines Lebens wohl erledigt.“ Tim Bolle Lorenz (DJ Superdefekt, Golden Pudel Club) bezeichnet das Aus gar als einen „traurigen Tag in einem traurigen Jahr.“ Bei einer weiteren Nutzerin des sozialen Netzwerks kommen persönliche Erinnerungen hoch: „Woah no. Dort habe ich das erste Date mit meiner noch-Ehefrau gehabt. Schade“. Für Mi Di, „seit Jahren als Verräterin in Berlin“ ist die Bar einer der Orte, weswegen sie Hamburg immer vermisst, schreibt sie.

Der Saal II im Hamburger Schanzenviertel
Die beliebte Bar „Saal II“ im Hamburger Schanzenviertel schließt nach dem 30. September für immer. © Ex-Golocal OadM/golocal.de

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Saal II: Pop-Up Weinbar und vegetarisches Restaurant werden Nachfolger an der Schanze

Lange Leerstand wird in dem Lokal am Schulterblatt 83 jedoch nicht herrschen: Die Betreiber des Restaurants Weidenkantine (Weidenallee 61) werden in den Räumlichkeiten des dann ehemaligen Saal II ihren zweiten Standort eröffnen, berichtet das Abendblatt. Konzept und Name stehen auch fest.

Das vegetarische Restaurant Blattgold soll im Frühjahr 2023 eröffnen, schreibt die Zeitung weiter. Vorher sollen die Räume als Pop-Up-Weinbar genutzt werden. Trotz der Freude über den neuen Laden, bedauern die Weidenkantinen-Macher auch das aus der Kultbar Saal II. „Wir sind sehr traurig, dass die über 25-jährige Zeit vom Saal II in diesem Jahr zu Ende geht“, schreiben sie.

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