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Kritik an „Jahrhundertprojekt“ U5: „Keine ausreichende Lösung“

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Von: Christian Einfeldt

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Die U5 will nicht nur Hamburgs, sondern Deutschlands klimafreundlichste U-Bahn-Linie werden. Umweltverbände stellen nun die Umweltfreundlichkeit infrage.

Hamburg – Grünen-Politikerin Eva Botzenhart bezeichnete die Baumaßnahmen der neuen U5 als „Meilenstein für zukünftige Projekte dieser Art“. Hamburg Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) bezeichnete das Projekt sogar als das „Jahrhundertprojekt“.

Sowohl beim Bau von Hamburgs U5 als auch bei der Fahrt soll deutlich weniger CO₂ ausgestoßen werden. In der Hansestadt laufen die Arbeiten für ein klimafreundliches und zukunftsträchtiges Projekt. Die Verantwortlichen sind überzeugt und auch aus Kreisen von Naturverbänden gibt es Lob. Es sei „eine Blaupause für andere Infrastruktur- und Bauprojekte“ – ein Projekt, das dennoch in der Kritik steht. Warum das Bauprojekt laut Kritikern doch weniger klimafreundlich sein könnte als erwartet.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen
Bürgermeister:Peter Tschentscher

Klimafreundliche U5 will Tonnen an CO₂ einsparen – und steht dennoch in Kritik

Anjes Tjarks spricht bei der Präsentation der U5-Pläne am Dienstag, 13. September 2022, von einem „Jahrhundertprojekt“. Der Verkehrssenator zeigt sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ebenso voll des Lobes, wie Hochbahn-Chef Henrik Falk und Klaus Uphoff, der technische Geschäftsführer der U5 GmbH. Zum einen wäre da das weiträumige Netz, das Steilshoop, City Nord, Winterhude/Uhlenhorst, die Universität Hamburg, das UKE und Beiersdorf miteinander verbinden soll. Eine Fertigstellung des ersten Abschnittes ist für das Jahr 2027 geplant. Wie die Hamburger Morgenpost berichtet, könnte die U5 dann täglich Platz für bis zu 270.000 Fahrgäste bieten.

Andererseits sind da die konkreten Vorstellungen, wie die U5 klimaschonend erbaut werden soll. Ein Bauprojekt dieser Dimension würde normalerweise ganze 2,7 Millionen Tonnen an CO₂ ausstoßen. Eine derartig hohe Summe soll der unlängst gestartete Bau der U5 nicht verantworten. Wie die Hamburger Morgenpost berichtet, sollen von den verwendeten Materialien über die Lieferketten sämtliche Prozesse genau beobachtet werden. Mit dem Ziel, Deutschlands klimafreundlichste U-Bahn zu werden, wenden sich die Verantwortlichen nur an nachhaltige Partner. Unter anderem soll Ökostrom dafür sorgen, dass der jährliche Ausstoß laut Tjarks nur einen Anteil von 0,4 Prozent des jährlichen Co2-Ausstoßes Hamburgs ausmacht.

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Kritik an Hamburgs „Blaupause“: U5-Bau würde nicht den gesamten Co2-Ausstoß offenlegen

Malte Siegert, Vorsitzender des NABU findet: „Die Untersuchung zu den CO₂-Einsparpotenzialen bei der U5 ist vorbildlich und eine Blaupause für andere Infrastruktur- und Bauprojekte.“ Die Pläne geben zunächst nur wenig Anlass zur Kritik – dem Umweltschutzverband Bund zufolge gibt es ihn dennoch. Nach Berichten der dpa würde sich das Projekt einerseits auf eine Faktenlage berufen, die noch nicht ausreichend erforscht sei. Einerseits würden die Verantwortlichen etwa mit Zement planen, das zusätzliche Anteile von CO₂ einspeichert.

Anjes Tjarks.
Bau der U5: Verkehrssenator Anjes Tjarks präsentiert mit der neuen U-Bahn-Linie das „Jahrhundertprojekt“ Hamburgs. © Georg Wendt/dpa

Dieser sei laut den Kritikerinnen und Kritikern von Bund jedoch nicht einberechnet, wenn es um den Bau einer klimafreundlicheren U-Bahn-Linie geht. Der Vorwurf ist also der, nicht alle Co2-Ausstoße in Bilanzen erfasst zu haben. Explizit sagt der Bund gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, es würde „keine ausreichende Lösung für das Problem der enormen CO₂-Emissionen beim Bau der U-Bahn U5“ geben.

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Bau der U5: Nur solange klimafreundlich wie Wind und Sonne Energie liefern

Bezeichnete der NABU Hamburg den Bau der U5 noch als „Blaupause“ und „vorbildlich“, macht auch Vorsitzender Malte Siegert auf eine nur unzureichend diskutierte Problematik aufmerksam: Nur, weil ein Bauprojekt im Verhältnis zu anderen Maßnahmen Klimafreundlichkeit verspricht, steht Hamburg und dem HVV dennoch ein Projekt bevor, das zulasten der Umwelt Flächen in Anspruch nimmt.

Auch das Versprechen, auf eine Wasserstoff-Produktion und „grünen“ Stahl setzen zu wollen, könnte sich als trügerisch erweisen. Sollten Wind und Sonne nicht mehr genügend Energie liefern, würde laut Bund-Geschäftsführer Lucas Schäfer der Rückgriff auf Kohle- und Gaskraftwerk und mitunter gar Atomstrom erfolgen. Beeinträchtigungen würden sich für die Natur so oder so abzeichnen, eine Bedrohung des Lebensraums von Flora und Fauna.

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