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Kriminalität in Hamburg geht zurück: Weniger Gewalt – trotzdem mehr Tötungsdelikte

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Die Straftaten in Hamburg sind auf einem abnehmenden Trend. Trotzdem gibt es mehr versuchte Tötungen und immer mehr Kriminalität im Netz.

Hamburg – In Hamburg gibt es immer weniger Kriminalität, trotzdem nimmt die Zahl der Mordversuche zu. Auch das Internet ist ein Siedeherd für Kriminalität. Im letzten Jahr sank aber dank der Coronavirus-Pandemie die Zahl von Einbrüchen und Autodiebstählen.

Am Donnerstag, 10. Februar 2022, stellten der Polizeipräsident Ralf Martin Meyer und LKA-Chef Mirko Streiber gemeinsam mit Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) die Kriminalstatistik der Hamburger Polizei für das Jahr 2021 vor. Das sind die wichtigsten Details.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Bürgermeister:Peter Tschentscher
Einwohner:1.904.444 (Sozialamt, Stand Mai 2021)
Fläche :755,2 km²
Gegründet:500 n. Chr.

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Kriminalität sinkt dank Corona: Weniger Gelegenheiten für Einbrüche und Autodiebstähle

Seit Jahren sinkt die Kriminalität in Hamburg. Zum sechsten Mal in Folge ist die Zahl der Straftaten in der Hansestadt zurückgegangen. Im Vergleich zum Jahr 2020 sank die Zahl der kriminellen Vorfälle um acht Prozent auf 186.403 Fälle. In Hamburg ist es der niedrigste Stand an Kriminalität seit 1979.

Besonders die globale Corona-Pandemie, die Hamburg noch immer mit Mutationen wie dem Omikron-Virus im Griff hat, hat damit etwas zu tun. Die Zahl der Wohnungseinbrüche inklusive Versuchen lag 2020 noch bei 3.442, im Jahr 2021 waren es nur noch 2.204 Fälle. Das ist ein Rückgang von 36 Prozent, den die Polizei darin begründet sieht, dass während der Pandemie viel mehr Menschen im Home Office arbeiten und deshalb mehr zu Hause sind.

Hände in Handschellen und ein Polizeiabsperrband
Die Kriminalität in Hamburg sinkt, trotzdem gibt es mehr versuchte Morde. (24hamburg.de-Montage) © IMAGO Images/McPhoto & IMAGO Images/Panthermedia

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Auch Autos befinden sich aus diesem Grund öfter in der heimischen Garage oder auf dem gesicherten Parkplatz des Wohnhauses und können schwieriger gestohlen oder aufgebrochen werden. Straftaten rund um Kraftfahrzeuge sanken 2021 im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent auf 10.664 Fälle. Das ist der niedrigste Stand der Auto-Verbrechen seit Beginn der Auswertungen im Jahr 1971.

Weniger Gewaltverbrechen: Fühlen sich die Menschen trotzdem sicher?

Auch die Zahlen der Gewaltverbrechen, zu denen Tötungsdelikte, Raubdelikte, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung oder Übergriffe, gefährliche und schwere Körperverletzung, Verstümmelung, vorsätzliche Körperverletzung mit Todesfolge, Geiselnahmen, erpresserischer Menschenraub sowie Angriffe auf den Luft- und Seeverkehr gehören, ist gesunken. 7.012 Fälle waren es 2020, im Jahr 2021 wurden nur noch 6.799 gemeldet. Davon sind 74 Prozent Fälle von gefährlicher oder schwerer Körperverletzung.

Der Rückgang diese Straftaten könnte ebenfalls in der Corona-Pandemie begründet sein. Im Sommer 2020 führte das Kinderhilfswerk Plan eine nichtrepräsentative Befragung bei Frauen und Mädchen durch, die in Großstädten wie Hamburg oder Berlin leben. Zu 80% fühlten sich die Befragten in ihren Städten unsicher auf der Straße, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in Parks. Etwa jede vierte Frau gab an, bereits sexuelle Belästigung erfahren zu haben. Auf dunklen Straßen oder in Parks hielten sich auf Grund der Pandemie aber ebenfalls weniger Leute auf, was diesen Zahlenrückgang erklären könnte.

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Vermehrt Mord- und Tötungsversuche: Nur neun Personen starben dabei

Obwohl die Zahl der Straftaten zurückgeht, steigt die Zahl der Tötungsversuche in Hamburg. Insgesamt gab es 2021 in Hamburg 76 Tötungsdelikte. Das sind 33 Fälle mehr als im letzten Jahr und so viele, wie es in keinem der Jahre des vergangenen Jahrzehnts gab. Von diesen 76 Fällen handelte es sich 18 Mal um Mord, 58 Mal um Totschlag. Allerdings waren die Täter – wie auch im Vorjahr – nur in neun Fällen erfolgreich, was der niedrigste Stand seit 1959 ist. In 88 Prozent der Fälle blieb es bei dem Versuch.

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Ein weiterer Ort, wo Kriminalität zugenommen hat, ist das Internet. Da sich während Corona das Leben zunehmend in den Online-Bereich verlagert hat, gab es auch dort mehr Möglichkeiten, Straftaten zu begehen. 2020 waren es noch 9.452 Fälle, in denen das Internet zum Tatmittel wurde, 2021 schon 10.489 Fälle. Davon sind 7.601 Fälle Betrug und 2.052 Fälle stehen im Zusammenhang mit Kinderpornografie, in der es ebenfalls einen besorgniserregenden Anstieg gab.

Auch gestiegen ist die Zahl der gefälschten Gesundheitszeugnisse. Gefälschte Corona-Impfnachweise oder aber -Testzertifikate sind seit der Einführung von 3G- und 2G-Regelungen auch für die Hamburger Polizei ein großes Problem. 2020 gab es 14 Fälle von gefälschten Gesundheitszeugnissen, 2021 schon 381 Fälle.

Kriminalstatistik Hamburg im Überblick: Weniger Verbrechen, Aufklärungsquote bleibt gleich

Insgesamt ist ein Kriminalitätsrückgang zu verzeichnen. Taschendiebstähle sanken um 28 Prozent auf 6.519 Fälle, Ladendiebstahl um 17 Prozent auf 11.061 Fälle und vorsätzliche einfache Körperverletzung um zwölf Prozent auf 12.940 Fälle. Warenkreditbetrug wurde nur 4.302 Mal gemeldet, was einen Rückgang von 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Und die Diebstähle in Gaststätten, Hotels und Pensionen sanken um 64 Prozent auf nur noch 606 Fälle. Außerdem wurden mit 5.279 Fällen 17 Prozent weniger Fälle von unerlaubtem Aufenthalt in Deutschland nach dem Aufenthaltsgesetz registriert.

Die Zu- und Abnahmen der Fallzahlen in der Kriminalstatistik.
Die Zu- und Abnahmen der Fallzahlen in der Kriminalstatistik. © Polizei Hamburg

Gestiegen sind die Fälle des Warenbetrugs, bei denen eine Zunahme von 33 Prozent auf 3.063 Fälle verzeichnet wurde. Die Verbreitung von Pornografie nahm um 183 Prozent auf eine Anzahl von 1.227 Fällen zu und auch die Fälle von Bedrohung stiegen um 30 Prozent auf 4.290, was allerdings auf eine Strafrechtsänderung zurückzuführen ist, nach der nun mehr Arten von Bedrohung strafbar sind.

Ein positiver Trend: Die Kriminalität sinkt, die Aufklärung von Straftaten steigt in den letzten Jahren aber immer wieder leicht an. Die Gesamtaufklärungsquote für 2021 liegt bei 47,6 Prozent, 2020 lag sie bei 47,7 Prozent und 2012 noch bei 43,1 Prozent. * 24hamburg.de ist ein Angebot für IPPEN.MEDIA.

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