Feige Vorsicht des Senats

Konzert-Verbot! Hamburg verweigert Jan Delay Benefiz-Konzert im Impfzentrum

  • Anika Zuschke
    VonAnika Zuschke
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Es sollte eine Belohnung für Mitarbeiter des Impfzentrums werden. Doch der Senat hat das Jan Delay-Konzert verboten. Primärer Grund hat nichts mit Corona zu tun.

Hamburg – Das Hamburger Impfzentrum in den Messehallen schließt am 31. August 2021 seine Tore. Zu diesem Anlass hat der deutsche Hip-Hop- und Soul-Sänger Jan Delay angeboten, ein Benefiz-Konzert für die Mitarbeiter auszurichten. In seinen Augen war die Atmosphäre so cool und er empfand die Abwicklung der Massen-Immunisierung in dem Zentrum als höchst professionell, so das Hamburger Abendblatt. Doch der Hamburger Senat funkt dazwischen – aus einem unerwarteten, aber simplen Grund.

Musiker:Jan Delay
Geboren:20. Februar 1976 (Altery: 45 Jahre) in Eppendorf, Hamburg
Musikgruppen:Beginner, La Boom
Musiktitel: u. A.: EULE, Ahnma, Oh Jonny

Der „Top Act“ für das kostenfreie Konzert, Jan Delay, stand bereits fest und auch andere Musiker hatten angeboten, ohne Bezahlung für die Mitarbeiter des Hamburger Impfzentrums aufzutreten. Doch die geschmiedeten Pläne wurden von dem Hamburger Senat über den Haufen geworfen. Aus einem juristischen Grund: Denn die Stadt Hamburg sowie alle ihre Bediensteten dürfen sich nichts schenken lassen.

Konzert-Verbot für Jan Delay: Schlechte Erfahrungen im Skandal um Harald Rösler

Es wirkt wie ein sehr unscheinbarer Grund, doch genau damit hat Hamburg bereits schlechte Erfahrungen gemacht: Im März 2020 wurde der ehemalige Bezirksamtsleiter von Hamburg-Nord Harald Rösler (SPD) angeklagt – im Zusammenhang mit einem Rolling Stones-Konzert im September 2017 und Gratis- sowie Kauftickets.

Rösler wird vorgeworfen, im Jahr 2017 bei den Vertragsverhandlungen mit den Konzertveranstaltern über die Sondernutzung der Veranstaltungsfläche 300 käufliche Karten sowie 100 Freikarten für das Bezirksamt Hamburg-Nord verlangt zu haben. Der Prozess gegen Rösler läuft noch – insgesamt drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft, so die Hamburger Morgenpost.

Der Hamburger Senat stimmt gegen ein Jan Delay-Konzert im Corona-Impfzentrum. (24hamburg.de-Montage)

Hamburger Senat verbietet Benefiz-Konzert von Jan Delay – wegen Verdacht auf Bestechlichkeit

Aus dem Grund ist Hamburg in Bezug auf jeden möglichen Verdacht einer Bestechlichkeit extra vorsichtig. Ein Sprecher der Sozialbehörde bestätigte gegenüber dem Hamburger Abendblatt: „Als öffentliche Dienststelle unterliegt die zuständige Behörde [...] den geltenden Bestimmungen, was beispielsweise die unentgeltliche Annahme von Leistungen angeht. Diese sind beschränkt, damit keine Abhängigkeiten und Interessenkonflikte entstehen. Die Senatskanzlei wurde aber nicht mit der Durchführung von Konzerten befasst.“

Mit der Absage des Konzerts sollte der Eindruck vermieden werden, dass die Senatskanzlei von Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) selbst in das Event verwickelt war. Nicht zuletzt wurde auch die Frage aufgeworfen, wie ein Konzert pandemisch korrekt für 3.000 Mitarbeiter veranstaltet werden kann – und wie sich das gegenüber der Event-Branche rechtfertigen lässt, die nur unter härtesten Auflagen und Personenbeschränkungen Veranstaltungen abhalten darf.

Kassenärztliche Vereinigung ist traurig über Absage des Konzerts von Jan Delay im Impfzentrum

Die Kassenärztliche Vereinigung ist über das Verbot des Konzerts im Impfzentrum der Hamburger Messehallen trotzdem enttäuscht: „Ich hätte diese Geste als Dankeschön für eine fantastische Arbeit schon begrüßt“, äußert Vorstandsvorsitzender Walter Plassman gegenüber dem Hamburger Abendblatt.

Die Sozialbehörde hat aber anscheinend noch „die eine oder andere ungewöhnliche Aktion“ im Kopf, um bis zur Schließung des Impfzentrums auf die Möglichkeit einer Impfung aufmerksam zu machen. Dazu zählt unter anderem die Option für Hamburger, sich samstags beim „Open House“ ohne einen Termin impfen zu lassen. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marcus Brandt/Uwe Anspach/dpa

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