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Kommt bald keine Post mehr? Hamburgs Briefträger klagen über Arbeitsbedingungen

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Hamburgs Postboten sind an der Grenze zur Überarbeitung. Besonders im Bezirk Harburg sind die Zustände extrem. Fast die Hälfte aller Zusteller ist krankgeschrieben.

Hamburg – Hamburgs Postbeamten sind bis zur Erschöpfung überarbeitet. Das lässt sich zumindest aus den zahlreichen Beschwerden und Überlastungsanzeigen schließen, die aktuell bei der Post eingehen. Im Hamburger Stadtteil Harburg ist es besonders schlimm. Die Postboten haben mittlerweile Angst um ihre Gesundheit und wollen jetzt Veränderungen sehen.

Die Behörde reagiert nun. 24hamburg.de verrät, was sich ändern soll.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Einwohner:1,841 Millionen
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Völlig überlastet: Unter diesen Zuständen arbeiten Hamburger Postboten in Harburg

Während der Corona-Pandemie und der steigenden Inzidenzwerte sind die Menschen für Onlineshopping dankbar – zum Beispiel am Black Friday. Die Leidtragenden sind die Postboten, die immer überarbeiteter und davon schlussendlich krank werden. Aktuell sind in Hamburg-Harburg 17 Zusteller dauerhaft, drei weitere kurzfristig krankgeschrieben. Bei einem Team von 43 Kollegen ist das eine beachtliche Menge an Ausfällen, die die anderen Mitarbeiter schlichtweg gar nicht oder nur mit deutlicher Überarbeitung abdecken können. Deshalb haben nun über 20 Fahrradzusteller Beschwerde eingereicht.

Einige dieser sogenannten Überlastungsanzeigen, mit denen die Zusteller die Post, bei der nach Paketen auch Briefe teurer werden, auf eine hohe Gefahr von gesundheitsgefährdender Arbeitsbelastung hinweisen wollen, zitiert die Hamburger Morgenpost. „Nicht mehr gesund“ und „hoch belastet“ sind nur einige der Ausdrücke, die die Mitarbeiter der Post wählen, um ihre Situation zu beschreiben.

Ein Postbote auf dem Fahrrad, daneben ein Kreis mit Beschwerdebriefen.
Harburger Briefträger beschweren sich: Die Arbeitsbedingungen für Zusteller seien gesundheitsschädlich. (24hamburg.de-montage) © IMAGO Images/Birgit Koch & picture alliance/dpa/Patrick Seeger

Durch die vielen Krankheitsfälle mussten Zustellungsbereiche neu eingeteilt und für den einzelnen Postboten ausgeweitet werden, was natürlich mehr Arbeit und Überstunden bedeutet. Außerdem besteht durch die vielen Wechsel und das ständige Einspringen für die Kollegen keine Routine mehr, was das Zustellen ebenfalls verlängert. Zusätzliches Personal zur Aushilfe ist Mangelware. Apropos Personal: Seit Juli klingeln DHL-Paketboten nicht mehr, zudem schockt eine neue Paket-Pauschale die Kunden von DHL und Co.

„Das Jahr 2021 ist von ständigen Übertragungen, Abbrüchen und ständigen Improvisationen geprägt“, heißt es in einem Schreiben der belasteten Postboten aus Hamburg. Ein anderer Briefträger beschwert sich: „Ich selbst bin durch Übernahmen zusätzlicher Bezirksanteile belastet.“ Zu den überlasteten Postboten kommen ausgerechnet in der Weihnachstzeit auch noch Lieferengpässe dazu.

Deutsche Post in Hamburg reagiert: Betriebsrat und Verdi melden sich – neues Personal versprochen

Von der Gewerkschaft Verdi bekommen die Harburger Postboten Unterstützung. „Harburg ist das Epizentrum, was den Krankenstand angeht“, sagt Lars-Uwe Rieck von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft. In keinem anderen Bezirk ist die Lage bereits so drastisch. Das scheint nun auch die Deutsche Post verstanden zu haben, denn wie ein Sprecher gegenüber der Mopo bestätigt hat, soll in Zukunft zusätzliches Personal eingestellt werden. Das war zwar vorher bereits in Ansätzen versucht worden, habe aber nur wenig geholfen.

Jörn Borsum, Betriebsratsvorsitzender der Deutschen Post Hamburg, erklärt warum: „Ich kann die Überlastungsanzeige nachvollziehen. Neueinstellungen werden vorgenommen, haben aber kaum eine Chance im Betrieb mit seinen derzeitigen Schwierigkeiten anzuwachsen und fluktuieren wieder heraus.“

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Der Betriebsrat fordert von der Post deshalb, den Bezirk Harburg als besonderes belasteten Standort im Auge zu behalten und sich mehr zu kümmern. Die Beschwerden der Zusteller seien ein guter Schritt in diese Richtung, trotzdem müsse noch viel passieren: „An der Reaktion des Arbeitgebers sieht man, dass Protest etwas bewegen kann. Die Situation scheint sich etwas zu entspannen. Abschließend beurteilen lässt es sich erst in der nahen Zukunft.“ * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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