Senator schlägt Alarm

Klimawandel trotz Corona-Jahr in Hamburg: Nie wieder Dauerfrost?

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Kaum Frost und Regen, dafür Hitze: 2020 war das wärmste Jahr in Hamburg seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Daher fordert der Umweltsenator mehr Klimaschutz.

  • Hamburger Umweltbehörde legt Wetter- und Klimabilanz vor.
  • Hitzewelle: In Hamburg gab es seit 710 Tagen keinen Tag mit Minusgraden mehr.
  • Wenig Klimaschutz: Treibhausgas-Emissionen nur durch Corona-Effekte gesunken.

Hamburg – Fast zwei Jahre ohne Frosttage, dafür lange Hitzeperiode im Sommer: Der Klimawandel schreitet in Hamburg unaufhaltsam voran. Mit einer Durchschnittstemperatur von 10,81 Grad Celsius war 2020 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Das geht aus einer Auswertung von Messdaten des Deutschen Wetterdienstes hervor, die Umweltbehörde in der Hansestadt Hamburg vorgelegt hat. Es sei „deutlich, dass der Klimawandel den Alltag mehr und mehr berührt“, warnte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne).

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Den Angaben zufolge hat sich die Jahresdurchschnittstemperatur in Hamburg im Vergleich zur Referenzperiode 1961-1990 inzwischen um 1,08 Grad erhöht. Die Auswirkungen des Anstiegs zeigen sich nun an allen Fronten: Es gibt weniger Eis- und Frosttage und mehr Sommer- und Hitzetage – auch wenn viele Sturm- und Regen erprobte Hamburger das vielleicht in den Lockdown-Monaten des Corona-Jahres anders wahrgenommen haben dürften. Doch die Messdaten sprechen eine klare Sprache: Allein im August gab es eine extreme Hitzewelle, die 17 Tage andauerte und damit als längste Hitzeperiode in die Geschichte einging.

Klimawandel in Hamburg: Umweltsenator verspricht Gegenmaßnahmen

Eis- und Frosttage erlebten die Hamburger dabei so gut wie gar nicht. Das letzte Mal, dass die Temperatur in der Hansestadt den ganzen Tag unter dem Gefrierpunkt blieb, war am 25. Januar 2019 – also vor fast zwei Jahren. Oder genauer: Vor 710 Tagen. Der alte Rekord lag laut Umweltbehörde bei 421 Tagen.

Stoppt den Klimawandel: Die Fridays-for-Future-Bewegung mahnte im Sommer in Hamburg Taten an. (24hamburg.de-Montage)

Und auch beim Niederschlag zeigen sich deutliche Veränderungen. Über das gesamte Jahr gesehen war es 2020 viel zu trocken. Besonders brisant sei es im Frühling gewesen, als nicht mal die Hälfte der normalen Regenmenge runtergekommen sei, schreiben die Studienautoren. Und auch der Sommer und Herbst waren trockener, während im Winter allerdings über 60 Prozent mehr Regen als normal gefallen ist. Dieser Trend spiegele sich auch in der Langzeitbeobachtung zum Hamburger Wetter wider, hieß es. Insgesamt seien die Sommermonate trockener und die Wintermonate nasser geworden – wobei die Hamburger auch die Schneetage an wenigen Fingern abzählen können. In Zukunft, so warnen die Autoren, müssten sich die Hamburger stärker auf heftigere Starkregenereignisse einstellen.

Angesichts dieser Wetterbilanz zeigte sich Kerstan besorgt. Der Umweltsenator versprach deswegen deutlich mehr Anstrengungen des Hamburger Senats im Klimaschutz. Man müsse unbedingt dafür sorgen, dass die Klimafolgen abgemildert würden, so der Grünen-Politiker. Zugleich sei es wichtig, sich auch an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. „Wir stehen hier vor großen Herausforderungen“, sagte Kerstan. Es müsse zum Beispiel die Ableitung von Regenwasser verbessert, der Hochwasserschutz verstärkt und die Versiegelung von Flächen reduziert werden. Nur so könne man die Bürger vor den negativen Folgen des Klimawandels schützen und Hamburg als lebenswerte Stadt erhalten, betonte er.

Deutschland erreicht Klimaziel – aber nur wegen der Corona-Pandemie

Die Auswertung zeigt laut der Umweltbehörde, wie deutlich der Klimawandel in Hamburg und in Deutschland voranschreitet. Zwar sind in diesem Jahr bundesweit die klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen in Deutschland kräftig gedrückt und das Klimaschutzziel für 2020 offenbar erreicht worden, wie eine am Montag veröffentlichte Analyse der Denkfabrik Agora Energiewende zeigt. So sind den Berechnungen zufolge die Emissionen um über 80 Millionen Tonnen CO2 zurück auf rund 722 Millionen Tonnen. Doch zwei Drittel dieser Minderung seien eine direkte Folge der Corona-Pandemie, warnen die Experten. Ohne den industriellen und gesellschaftlichen Stillstand in den Lockdown-Monaten hätte der Rückgang nur bei etwa 25 Millionen Tonnen gelegen.

Der Direktor der Denkfabrik, Patrick Graichen, forderte die Politik deshalb auf, den klimapolitischen Ankündigungen auch Taten folgen zu lassen. Eine Pandemie ersetze keine echte Klimaschutzpolitik. Für 2021 rechne er mit einem möglichen Ende der Pandemie insgesamt wieder mit mehr Emissionen. „Nur durch schnelles klimapolitisches Handeln“, so sagte er, „kann man dem entgegensteuern.“ *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

Rubriklistenbild: © Georg Wendt/dpa/picture-alliance

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