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Klimaneutral bis 2045: Hamburg will alle Wohnungen modernisieren – für 33 Milliarden Euro

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Von: Christian Einfeldt

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Bis 2045 sollen alle Hamburger Gebäude klimaneutral sein. Die Maßnahme kostet 33 Milliarden Euro – und könnte Wohnen in der Hansestadt bald noch teurer machen.

Hamburg – Die Klimakrise ist allgegenwärtig – auch in Hamburg. Tausende Menschen gehen regelmäßig im Zeichen der „Friday for Future“-Klimabewegung auf Hamburgs Straßen und die CDU forderte unlängst die Verdopplung von Hamburgs Waldflächen. Eine weitere Maßnahme zum Klimaschutz: Klimaneutralität für alle Hamburger Gebäude. Diese Forderung brachte Senatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) erstmals ins Gespräch. Bis 2045 sollen alle Wohnungen in der Hansestadt Hamburg modernisiert werden – ein progressiver Ansatz, der seinen Preis hat.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen
Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Hamburg will bis 2045 klimaneutral leben – Wohnkosten könnten erheblich steigen

Alle möglichen Entscheidung zur Stadtentwicklung gehen über ihren Schreibtisch: Dorothee Stapelfeldt, Hamburgs Stadtentwicklungssenatorin. Am vergangenen Dienstag, 11. Oktober 2022, verkündete sie im Hamburger Rathaus das ambitionierte Unterfangen, alle Wohnungen klimaneutral machen zu wollen. Aufwendige Sanierungen und nicht zuletzt die Investitionen von einer großen Menge Geld: Hamburg hat das nächste Großprojekt vor Augen.

Sanierungsmaßnahmen in Hamburg.
Aufwendige Sanierungsmaßnahmen: Hamburgs Weg zur Klimaneutralität kostet 33 Milliarden Euro. (Symbolbild) © APress/Imago

Dass das teuer wird, ist offensichtlich – genauso, dass die Maßnahme Eigentümer, Vermieter und Mieter gleichermaßen trifft. Nach NDR-Berichten kostet das die Stadt Hamburg rund 33 Milliarden Euro. Die Kosten sind derartig hoch, dass Hamburg zunächst einmal den Zeitraum der nächsten vier Jahre fokussieren will. Die Stadt plant in diesem Abschnitt Investitionen in Höhe von 210 Millionen Euro. Das könnte sich auch auf die zukünftigen Wohnkosten in der Hansestadt Hamburg auswirken. Laut Verbraucher-Blog vermietet.de sind Vermieter nämlich durchaus dazu berechtigt, Mieten nach oben hin anzupassen.

Gemäß dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) hat der Mieter dann eine sogenannte „Duldungspflicht“ – Instandsetzungen und Modernisierungsmaßnahmen, mit dem Ziel, Energie zu sparen, werden als akzeptable Gründe für Mieterhöhungen angeführt. Im konkreten Fall der bevorstehenden Sanierungen in Hamburg ist noch unklar, welche Mehrkosten Mieterinnen und Mieter zu befürchten haben. Dass Senatorin Stapelfeldt bei der Ratsversammlung potenzielle Mietererhöhungen nicht ausschließen konnte, zeigt jedoch, dass sich die vielen Sanierungen also auch im Mietpreis widerspiegeln könnten. Rechtlich festgelegt ist jedenfalls, dass Vermieter bis zu acht Prozent der Sanierungskosten auf die Jahresmiete umlegen dürfen.

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Hamburgs Maßnahmen zur Klimaneutralität: Sukzessive CO2-Reduktion bis 2050

In den Hallen des Hamburger Senats werden schon seit längerem Forderungen der Klimaneutralität laut. 2019 beschloss die Politik einen Klimaplan sowie ein entsprechendes Klimaschutzgesetz. Bis 2030 sollen Emissionen von Kohlenstoffdioxid (CO2) erheblich eingespart werden – vor drei Jahren war die Rede von einer Reduktion von 55 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990. Bis 2050, so die damalige Zielsetzung, soll die Einsparung auf 95 Prozent ansteigen – eine Klimaneutralität, die sich im Alltag bemerkbar macht.

Ein Ansatz ist etwa die umweltfreundliche U5 – Hamburgs neuste U-Bahnlinie, die schon beim Bau klimaschonend sein soll. Ein nächster Schritt soll nun also der langfristig angelegte Umbau von Hamburgs Wohnungen sein. Wie die Hamburger Morgenpost berichtet, gab die Politik diesbezüglich eine Studie in Auftrag. Zum einen sollte sie den Energieverbrauch der Wohnungen untersuchen. Des Weiteren ging es darum zu prüfen, welche Baumaßnahmen genau in Angriff genommen werden müssten, um das ambitionierte Ziel zu erreichen. Jetzt liegen die Ergebnisse vor: Im Zeichen der Klimaneutralität müssten nahezu alle Häusern fit gemacht werden.

Unsumme für minimale Einsparungen? Energieverbrauch laut CO2-Bericht in neuen Häusern zwar geringer – aber nicht viel

Ob es bloß der Austausch von Fenstern ist oder eine Vollsanierung – die Maßnahme erfordert Zeit, Arbeitskraft und nicht zuletzt eben sehr viel Geld. Hamburg beschreitet mit dem Ziel darüber hinaus in Deutschland unbekannte Pfade. In puncto CO2-Verbrauch der Häuser verfügt einzig und allein die Hansestadt über eine aktuelle sowie detaillierte Auskunft. Am dringlichsten sei die Modernisierung der Mehrfamilienhäuser. Laut CO2-Bericht würden sie allein zwei Drittel der Emissionen ausmachen.

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In Politikerkreisen ist die Sorge von der Linken bis zur CDU groß, dass letzten Endes die Mieterinnen und Mieter die potenziellen Mehrkosten zu verantworten haben. Ein genauer Blick auf die Zahlen stellt darüber hinaus sämtliche Planungen infrage: Aufwendig sanierte Wohnungen hätten laut der jüngsten Auswertung gezeigt, dass moderne Wohnungen im Verhältnis nur unwesentlich weniger Energie verbrauchen. Im Vergleich zu Gebäuden, die nach dem Krieg erbaut wurden, sparen bisherige Sanierungsmaßnahmen demzufolge „nur“ 19 Prozent an Energie ein. Womöglich ein weiterer Grund, warum die große Zahl 33 Milliarden Euro für Hamburg letztlich zur Unsumme wird.

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