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Kita-Not in Hamburg groß: Verträge gekündigt, Eingewöhnung gestrichen

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Von: Kevin Goonewardena

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Wegen anhaltenden Personalmangels infolge von Corona müssen in Hamburg jetzt sogar Kita-Verträge gekündigt und Eingewöhnungszeiten verschoben werden.

Hamburg – Die Coronavirus-Pandemie ist abgeflaut, die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt werden jedoch in immer mehr Branchen Stück für Stück sichtbar. Stand während der Pandemie das Kranken- und Pflegepersonal im Fokus, später dann die Beschäftigten in der Gastro-Branche, der auch in Hamburg das Personal weglief. Zeigen sich jetzt die Auswirkungen auch bei Erzieherinnen und Erziehern in den Hamburger Kitas – der schon vorab bestehende Mangel an Fachkräften hat sich durch die Pandemie auch in diesem Bereich verschlimmert. Der Personalmangel zeigt sich auch in einer Umfrage des Paritätischen Gesamtverbands. Das hat dramatische Folgen für Eltern und Kinder!

Name:Elbkinder
Träger:Öffentlich
Einrichtungen in Hamburg:184
Betreute Kinder aktuell:rund 32.000

Personalnot in Hamburger Kitas: Viele Stellen unbesetzt, Personalnot „spürbar“

Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, werden bereits vereinbarte Eingewöhnungszeiten der neuen Kita-Kinder abgesagt, Verträge zwischen Träger und Eltern aufgelöst. Nicht nur Peter Schmied, Geschäftsführer der Akademie für Kinder, zu der mit vier Tagesstätten vergleichbar wenige Einrichtungen in Hamburg gehören, blickt sorgenvoll in die Zukunft.

Die Situation ist verzweifelt, unsere Not groß. Und die Hochphase kommt erst noch.

Peter Schmied, Geschäftsführer Akademie für Kinder, Hamburg

Zehn Prozent der Stellen seien in den Einrichtungen des Trägers derzeit nicht besetzt. „Wir müssen im Prinzip jeden nehmen“, so Schmied gegenüber der Zeitung. „In unserer Kita am Diekmoorweg mussten wir wegen der Personalnot gerade Verträge mit 20 Eltern kündigen, ein ganz schwerer Schritt“, sagt Schmied der Zeitung. Auch beim größten Kita-Träger Hamburgs, den „elbkindern“, mit 184 Standorten seien drei Prozent der etwa 5000 Stellen zurzeit nicht besetzt, so der Medienbericht. Die Personalnot sei auch hier „spürbar“, wie die Sprecherin Katrin Geyer dem Abendblatt sagte.

Hamburger Kitas können Ansprüchen nicht mehr gerecht werden – „nahezu unmöglich“

Die Ansprüche der Eltern, die eigenen Ansprüche nach pädagogisch wertvoller Betreuung und die Vorgaben des Landesrahmenvertrags, in dem unter anderem der Betreuungsschlüssel geregelt sei, seien unter diesen personellen Voraussetzungen so „nahezu unmöglich“ zu erfüllen. Die Ergebnisse einer deutschlandweiten Umfrage des Verbands Bildung und Erziehung (VEB) deckt sich mit den Aussagen Schmieds. Dort gaben 40 Prozent der befragten Kita-Leitungen an, dass sie ein Fünftel der Zeit, also einen Tag die Woche, mit „Personalunterdeckung“ den Betrieb hätten durchführen müssen.

Kita
Mehrere Bobbycars stehen auf dem Spielplatz einer Kita. © Christian Charisius/dpa/Symbolbild

Kindertagesstätten in Hamburg verlieren weiterhin Personal

Von den derzeit 26 Beschäftigen der „Elbpiraten“ – der Träger betreibt Kitas in Lokstedt und Bahrenfeld – verlassen zum Sommer 6 Erzieher und Erzieherinnen die Einrichtungen. Alleine in Bahrenfeld seien es vier. Das sagte Eispiraten-Geschäftsführer André Müller der Zeitung. Die Pandemie habe den Beschäftigten viel abverlangt, so Müller, einige hätten sich beruflich umorientiert. Andere litten noch an den Folgen der Corona-Pandemie.

Hamburger Kitas und Corona: Krankheitstage massiv angestiegen

Trotz einer Impfquote von nahezu 100 Prozent, seien fast alle „doppelt infiziert“ gewesen, so der Elbpiraten-Chef. Alleine in den beiden Elbpiraten-Kitas habe sich im vergangenen Jahr die Anzahl der Krankentage unter den Beschäftigten mehr als verdreifacht. Von rund 200 auf 610 Tage im Jahr 2021. Aber auch die Regeln, die sich immer wieder geändert haben, die Teststrategien und Diskussionen mit den Eltern hätten den Beschäftigten zugesetzt. Nicht nur in Hamburg; 80 Prozent der Befragten in der bundesweiten VEB-Umfrage bestätigten Müllers Aussagen.

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Kitas Hamburg werben mit Extras um Personal

Die Träger versuchen der Personalnot durch Steigerung der Attraktivität der Arbeitsplätze beizukommen. Bei den „elbkinder“-Kitas gehören dazu etwa eine „arbeitgeber­finanzierte betriebliche Altersvorsorge“, eine vom Träger bezuschusste HVV-Fahrkarte, vergünstigtes Mittagessen für die Beschäftigten oder auch die Möglichkeiten der beruflichen Weiterentwicklung und Fortbildung, heißt es vonseiten der „elbkinder“-Kitas. Dass hier Extras aufgezählt werden, die bei vielen anderen Arbeitgebern längst zum Standard gehören, lässt bezüglich der Attraktivität des Erzieherberufs tief blicken.

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