Hamburger Reeperbahn

Ausschankverbot in Hamburg: Reeperbahn will endlich Ende des Alkoholverbots

  • Anika Zuschke
    VonAnika Zuschke
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Auf der Hamburger Reeperbahn gilt ab 23:00 Uhr ein Ausschankverbot für Alkohol. Betroffene Wirte sind entsetzt und gehen an Senat scharf an.

Hamburg – Die Wirte auf der legendären Reeperbahn in Hamburg sind verzweifelt und wütend: In einem offenen Brief an den Hamburger Senat fordern sie eine Aufhebung des Alkohol-Ausschankverbots ab 23:00 Uhr. Nach eineinhalb Jahren Corona-Krise haben die Gastronomen und Wirte die Nase voll, immer noch unter Pandemie-Einschränkungen leiden zu müssen – trotz derzeit geringer Inzidenzwerte in der Hansestadt.

Straße in Hamburg:Reeperbahn
Länge:930 Meter
Verlauf:Millerntor in Richtung Westen bis zum Nobistor
Spitzname: Die sündigste Meile der Welt

Hamburg macht sich langsam wieder locker: Am gestrigen Sonntag, 4. Juli 2021, die Touristenattraktion Fischmarkt durfte zum ersten Mal nach langer Corona-Zwangspause seine Tore für Besucher öffnen. Der Hamburger Sommerdom kehrt am 30. Juli zurück und auch abgesehen davon treten immer mehr Corona-Lockerungen in Hamburg in Kraft.

Alkoholverbot auf der Reeperbahn: Wirte und Gastronomen schließen sich gegen Alkohol-Ausschankverbot zusammen

Doch eine bestimmte Gruppe auf St. Pauli leidet nach wie vor unter den Corona-Beschränkungen – Wirte und Gastronomen auf dem Kiez schließen sich jetzt deswegen zusammen. Gemeinsam gehen sie gegen das Alkoholausschankverbot ab 23:00 Uhr vor.

„Nach einem katastrophalen Jahr 2020 und sieben Monaten im zweiten Lockdown, mit null Gästen und null Einnahmen, wird Euer vorsorgliches Alkoholausschankverbot für St. Paulis bunte Gastro-Vielfalt zur Existenzfrage“, schreiben die Kiezwirte in ihrem offenen Brief an den Hamburger Senat.

Ausschankverbot in Hamburg: Wegen Massenversammlungen eingeführt

Dabei seien gerade die Sommermonate überlebenswichtig für kleinere Bars, Kneipen, Hotels und Restaurants. Das Ausschankverbot wurde aufgrund von Massenveranstaltungen in der Schanze und auf St. Pauli vor einigen Wochen eingeführt. Zu viele Menschen haben sich insbesondere vor gastronomischen Betrieben aufgehalten und die Corona-Beschränkungen nicht ausreichend ernst genommen. Mit dem Ausschankverbot hat der Senat erreicht, dass es in den betroffenen Szenevierteln wesentlich ruhiger geworden ist.

Auch im Stadtpark hat das neu eingeführte Alkoholverbot für Ruhe gesorgt. Ende Juni 2021 musste der Park von der Polizei geräumt werden, da Tausende auf den Grünflächen eine Party feierten. Doch mit dem Alkoholverbot ab 21:00 Uhr habe sich laut Lagedienst der Polizei die Situation deutlich entspannt, schreibt das Hamburger Abendblatt.

Ausschankverbot auf der Reeperbahn: Große Umsatzeinbußen für Bars und Restaurants – „Ihr bestraft die Falschen“

Gegen 23:00 Uhr beginnt besonders auf dem Kiez erst das richtige Nachtleben – mit dem verordneten Verbot fällt dringend nötiger Umsatz für Bars und Restaurants auf der Reeperbahn deswegen weg. „Hört endlich auf, alle, die sich an Regeln halten und „betreutes Feiern“ ermöglichen, in einen Topf mit notorischen Regelbrechern zu schmeißen. Ihr bestraft die Falschen. Ein fatales Signal!“, beschweren sich die betroffenen Wirte in dem Brief.

Sie fordern Augenmaß statt Sippenschaft und demnach ein Ende des pauschalen Verbots auf St. Pauli. Außerdem verlangen sie eine Perspektive für alle Gastronomen: „Die meisten Wirtinnen und Wirte aus der Nachbarschaft kommen sich nur noch verkauft, verraten und vergessen vor“, klagt Dragqueen Olivia Jones, die zu den 40 Unterzeichnern des Briefs zählt.

Alkoholverbot in Hamburg: Gastronomen wollen klare Aussagen für zukünftige Lockerungen

Die Gastronomen wollen eine klare Aussage, an welche Kriterien zukünftige Lockerungen geknüpft werden. „Das wären kleine Schritte für den Senat, aber große Sprünge für die Gastro-Vielfalt auf St. Pauli“, heißt es in dem Brief. Axel Strehlitz, ein weiterer Unterzeichner und Betreiber des „Wunderbar“ und „Sommersalon“ brüskiert sich darüber, dass momentan die Umkehrung des gesunden Menschenverstandes erfolge.

Wirte schreiben Brief an Senat: Alkohol-Ausschanksverbot auf dem Kiez soll gekippt werden.

„Statt die Gäste kontrolliert genießen zu lassen, werfen wir sie um 23:00 Uhr vor die Tür und entziehen sie so jeglicher Aufsicht“, äußert er. „Damit öffnen wir die Büchse der Pandora und dürfen uns nicht wundern, wenn sich die Menschen anderswo ihre Freiräume suchen – mit allen damit einhergehenden Gefahren“.

Feierverbot in Deutschland: Lauterbach will Ausgehmeilen sinnvoll nutzen – mit mobilen Impfstationen

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach scheint auch von der Idee angetan zu sein, Ausgehmeilen in Zukunft sinnvoll zu nutzen: Er schlägt vor, in eben solchen belebten Zonen abends Impfstationen aufzubauen. „Es muss Freitags- und Samstagsabends mobile Impfstationen an belebten Plätzen geben, wo sich viele Leute treffen, auch vor Bars und Clubs“, legt Lauterbach gegenüber Business Insider nahe.

Das soll einen Anreiz für die momentan schwächelnde Impfkampagne in Deutschland bieten. Der Gedanke dahinter ist, mit den Impfungen dahin zu gehen, wo viele Menschen sich aufhalten. „Die Hürden zur Impfung müssen so weit wie möglich abgesenkt werden“, folgert der SPD-Gesundheitsexperte.

Hamburg Reeperbahn: Wirte hoffen auf baldige Perspektiven: Schmitt-Theater, Olivia Jones, Silbersack unterschreiben Brief

Eine möglicherweise gute Idee, aber dafür müssen die Ausgehmeilen in Hamburg erst einmal reaktiviert werden. Denn wo kann man überhaupt momentan in Hamburg tanzen und feiern? Auf der Reeperbahn jedenfalls nicht. Daher erhoffen sich die Wirte auf dem Hamburger Kiez mit ihrem Brief baldige Perspektiven für ihre Gastronomien, denn „jede Woche zählt. Wer weiß schon, was der Herbst bringt?“

Zu den vierzig Unterzeichnern gehören der Schmitt-Theater-Chef Corny Littmann, der Branchenverband des Gastgewerbes Dehoga Hamburg, das Bar-Kombinat sowie die Wirte vom Silbersack, dem goldenen Handschuh und dem tanzenden Einhorn. Auch die Betreiber des bekannten „Clouds – Heaven‘s Bar and Kitchen“ und „Susi‘s Showbar“ haben den gestern (4. Juli 2021) veröffentlichten Brief unterschrieben. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa & Angelika Warmuth/dpa

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