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Impfgegner Corona: Was tun, wenn der eigene Arzt Corona leugnet?

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Wenn der eigene Arzt zum Corona-Leugner wird, stehen Patienten vor einem Problem. Bei den Ärztekammern gehen regelmäßig Beschwerden ein – auch in Hamburg.

Hamburg – Je fortgeschrittener die Pandemie, desto größer die Zahl an Impfgegnern und Corona-Leugnern. Die Menschen wollen in einen halbwegs normalen Alltag zurück und die globale Gesundheitskrise endlich vergessen können. Die Impfung soll der Weg dorthin sein. Wenn allerdings der eigene Arzt plötzlich eine „Das bringt doch nichts“-Einstellung entwickelt, stehen Patienten mitunter vor einem Problem. Was kann man tun, wenn der eigene Arzt plötzlich nicht mehr impfen will oder Corona leugnet?

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Stadt in DeutschlandHamburg
Einwohner1.904.444 (Sozialamt Stand Mai 2021)
Fläche755,2 km²
BürgermeisterPeter Tschentscher

Impfgegner Corona: Ärzte werden zu Corona-Leugnern – Vertrauen von Patienten in die Medizin erschüttert

Auch in Hamburg gibt es diese Fälle. Verschiedene Medien berichten immer wieder von Fällen, in denen die sogenannten Schwurbler-Ärzte falsche Atteste ausstellen, um Menschen von der Maskenpflicht zu befreien, Corona-Infektionen als leichte Grippe abtun, oder behaupten, dass die meisten Schnelltests falsch-positiv seien. Die Gruppe „Ärzte für Aufklärung“, zu denen auch der Hamburg Arzt Walter Weber gehört, verbreitet auf ihrer Internetseite Corona-verharmlosende Informationen und tritt auf Corona-Demos als Leugner auf. Bereits mehrere Ärztekammern verschiedener Bundesländer haben sich von diesen Aussagen distanziert.

Die Kammern begründen, dass Ärzte dazu verpflichtet seien, ihr Praktizieren nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen, die aktuell vorliegen, auszurichten. Außerdem müssen Ärzte die Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen in ihren Praxen einhalten sowie umsetzen, wie der Mitteldeutsche Rundfunk berichtet. Ein Arzt, der keine Maske trägt oder falsche Atteste oder Impfpässe ausstellt, macht sich demnach strafbar. Darüber hinaus müssen Ärzte neutral bleiben und dürfen ihre politischen Meinungen nur als Privatperson außerhalb ihres Arbeitsumfeldes äußern.

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Corona-Leugner in Hamburg: Praxen impfen nicht mehr – Ärzte sogar auf Impfgegner-Demos

Eigentlich sollte man in seinen Hausarzt Vertrauen haben, doch eine solche Einstellung kann die Arzt-Patient-Bindung sofort ruinieren. „Die besondere, vertrauensvolle Position des Arztes, die im Gespräch so wichtig ist und dem Patienten viel Kraft schenken kann, wird durch die unhaltbaren Äußerungen eines verschwindend kleinen Teils der Ärzteschaft nachhaltig gestört“, sagt laut Mopo der Präsident der Ärztekammer aus Schleswig-Holstein, Prof. Henrik Herrmann. Außerdem würden diese einzelnen Ärzte mit ihren Falschaussagen den Kollegen in den Rücken fallen, die seit Beginn der Pandemie hart arbeiten, um ihre Patienten zu schützen und so viele Menschen wie möglich aufzuklären.

Impfgegner Corona: Corona-Demo und ein Arzt mit Stetoskop
Auch Ärzte gehören zu den Corona-Leugner und Impfgegner. Für die Medizin ist das fatal. (24hamburg.de-Montage) © Georg Wendte/dpa/ & Patrick Seeger/dpa/

Auch in Hamburg gibt es zahlreiche Ärzte, die mit ihren verharmlosenden Aussagen und Handlungen zuwider der aktuellen wissenschaftlichen Lage das Vertrauen in die Medizin erschüttern. Der Mopo liegt ein Foto von einem betroffenen Patienten vor, das die Tür seines Schwurbler-Arztes in Wentorf in Schleswig-Holstein zeigt.

Daran hängt ein Zettel auf dem erklärt wird: „Wir werden ab sofort nicht mehr gegen Corona impfen. Die neusten Zahlen zeigen, dass die Impfung mit erheblich mehr Nebenwirkungen belastet ist als bisher angenommen. Zudem ist sie gegen die Mutationen (z.B. „Delta“ oder „Omikron“) wirkungslos.“ Dieser Arzt sehe sich mental und logistisch nicht in der Lage, die Impfungen mit der nötigen Aufklärung, Information und Sicherheit weiterhin zu verabreichen.

Hilfe, mein Arzt leugnet Corona: Was kann man als Patient tun?

Wer als Patient an einen Corona-leugnenden oder -verharmlosenden Arzt gerät, steht vor einem Problem. Wer sich impfen lassen und nicht auf seinen Hausarzt angewiesen sein will, kann auch eines der zahlreichen Impfzentren in Anspruch nehmen – in Hamburg gibt es viele, die auch ohne Termin impfen. Auf lange Sicht empfiehlt es sich aber, sich einen neuen Hausarzt zu suchen. Sebastian Franke, Sprecher der Hamburger Ärztekammer, empfiehlt laut Mopo: „Wenn das [Vertrauensverhältnis zum Arzt] nicht mehr gegeben ist oder wenn sich Patienten mit ihrem Arzt unwohl fühlen, sollten sie sich einen anderen Arzt suchen.“

Außerdem kann man als Patient auch eine Beschwerde bei der zuständigen Ärztekammer des eigenen Bundeslandes einreichen, damit der Fall überprüft und im Zweifelsfall mit einer berufsrechtlichen Prüfung gegen den betreffenden Arzt vorgegangen werden kann.

In Schleswig-Holstein vertritt die Ärztekammer fast 16.000 Ärzte. Der nicht impfen-wollende Arzt aus Wentorf wurde dort bereits gemeldet, zusammen mit einigen anderen Fällen. Sprecher Stephan Göhrmann betont, dass darüber keine Statistik geführt werde, die Zahl der Prüfungen im Zusammenhang mit Corona aber im niedrigen zweistelligen Bereich liege.

Hamburger Ärzte als Corona-Leugner: In zwei Fällen steht der Entzug der Arzt-Zulassung bevor

In der Stadt Hamburg befasste sich die Ärztekammer in den letzten zwei Jahren ebenfalls mit zahlreichen Beschwerden über Ärzte im Zusammenhang mit der Pandemie. Laut Sprecher Sebastian Franke sollen allein 2021 etwa 700 Beschwerden eingegangen sein. Viele dieser Fälle hätten mit Corona zu tun und man habe berufsaufsichtsrechtlich tätig werden müssen.

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In zwei Fällen von den 17.000 Ärzten, die die Hamburger Ärztekammer vertritt, soll es nun sogar zum Entzug der Approbationen kommen. Den Schwurbler-Ärzten wird also die Berechtigung, als Arzt zu arbeiten, entzogen, wofür das Sozialamt zuständig ist. Ein Fall wird von der Behörde noch geprüft, bei dem zweiten ist das Verfahren bereits in Gang. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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