Enttäuschte Einsatzkräfte

Es bleibt: Keine Impfung für ehrenamtliche Retter! Chef duckt sich weg

  • Sebastian Peters
    vonSebastian Peters
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Es gibt Stress in der Freiwilligen Feuerwehr Hamburg. Keine Impfung, keine Dienstabende, keine Rückdeckung. Nach einem Brandbrief antwortet Harald Burghart.

Update am Dienstag, 27. April 2021 um 13:10Uhr: Hamburg - Nach dem Brandbrief mehrere Freiwilligen Feuerwehren aus Hamburg hat der Landesbereichsführer, nach einer Videokonferenz in der Hauptfeuerwache, eine lange Antwort verfasst. Aber auch nach der Antwort auf den Brandbrief bleiben bei vielen Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr offene Fragen. Eine der wichtigsten Fragen für Hamburgs Bewohner und Bewohnerinnen bleibt ungeklärt.

Besteht eine konkrete Gefahr für die Kameradinnen und Kameraden und in der Folge für die Bürger und Bürgerinnen dieser Stadt?

Diese brisante Frage wird aber, mit einigen mehr, nicht im Brief beantwortet. Harald Burghart schreibt nur, dass es ein Konzept für Dienstabende UNTER einen Inzidenzwert von 100 gäbe. Warum man nicht bereits jetzt Übungen (Dienstabende) mit Maske, Abstand und vorherigen Schnelltest durchführe, bleibt ungewiss.

Nach einem Videogespräch verlässt Harald Burghart die Hauptfeuerwache in seinem BMW X3 aus dem Jahr 2020. (24hamburg.de-Montage)

Dabei haben die Verfasser des Brandbriefes sogar ein Konzept vorgelegt: „Regelmäßige Ausbildungen in begrenzter Teilnehmerzahl, z.B. 2x wöchentlich 10 Teilnehmer + 2 Ausbilder, ausnahmslos draußen und mit FFP2-Maske, zuvor Antigen-Schnelltests“. In der Antwort von dem Chef der Freiwilligen Feuerwehr Hamburg keine Andeutung auf Lockerungen. Weiterhin gilt: Dauerlockdown für die Retter und Retterinnen.

Wann werden endlich die ehrenamtlichen Retter und Retterinnen geimpft?

Im Brandbrief wurde auch die fehlende Impfpriorisierung angesprochen. Insbesondere in einem Fall schrieben die Verfasser: „Selbst für die Kameraden, die im Rahmen der Test-Aktion für Hamburgs Alten- und Pflegeheime eine amtlich verbriefte Schulung für Antigen-Schnelltests erhalten haben, ist keine Impfung vorgesehen. Dabei sind diese Kameraden dem Personal in Teststationen, dass überall bereits geimpft ist, gleichzustellen. Sie erhalten nun sogar individuelle Stempel, um Testbescheinigungen zu verifizieren.“ Auch auf diese Frage, keine Antwort.

Nach einer Pressekonferenz lässt sich Harald Burghart (rechts) mit Andy Grote (mitte) und Dr. Christian Schwarz (links) fotografieren. (24hamburg.de-Montage)

Die Verfasser führen fort: „Wir erwarten mehr Schutz für unseren Einsatzdienst! Im Gegensatz zur Berufsfeuerwehr haben wir keine Möglichkeit, uns VOR unseren Einsätzen durch Tests abzusichern.“ Aber auch dieser Punkt lässt Harald Burghart, Chef der Freiwilligen Feuerwehr Hamburg, kalt. Keine öffentliche Antwort.

Und zum Schluss versuchte Harald Burghart den Kreis des Brandbriefes „klein“ zuhalten. Obwohl eine Antwort an alle 86 Wehren der Freiwilligen Feuerwehr gefordert wurde, antwortet Harald Burghart nur den 12 Bereichsführer. Stille Post, obwohl klare Kommunikation gefordert wurde.

Wir fragen nach – Impfung für Freiwillige Retter kommt bald!

Auf eine Anfrage bei der Behörde wurde 24hamburg.de bestätigt, dass die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Hamburg bald geimpft werden dürfen. Ein genaues Datum konnte allerdings noch nicht genannt werden.

Update am Montag, 26. April 2021 um 20:58Uhr: Hamburg - Die Führung der Freiwilligen Feuerwehr hat sich am Montag, 26. April 2021 gegen 18 Uhr in der Hauptfeuerwache (Berliner Tor, F22) der Feuerwehr Hamburg getroffen. Mit einer Videoschaltung wird das Gespräch mit dem Bereichsführer gesucht. In dem Brandbrief haben mehrere Wehrführer und auch Bereichsführer eine offene und direkte Kommunikation gefordert.

In der Hauptfeuerwache am Berliner Tor wurde zum Krisengespräch geladen. (24hamburg.de-Montage)

Nach Brandbrief: Videogespräch dauert 1.5 Stunden.

Gegen 20:44 Uhr fährt Harald Burghart mit seinem neuen Dienstwagen (BMW X3) von dem Gelände der Hauptfeuerwache am Berliner Tor. Das Videogespräch dauerte rund 1,5 Stunden. Nun soll eine Antwort von Harald Burghart auf dem Brandbrief folgen. Ebenfalls wird nun ein Schreiben an die Amtsführung der Feuerwehr Hamburg verfasst. Es wird gebeten, die Impfpriorisierung zu überdenken und die Freiwillige Feuerwehr vorzuziehen. Ob dies tatsächlich von Erfolg gekrönt ist, ist ungewiss.

Um 20:44Uhr verließ Harald Burghart mit seinem BMW X3 (Chef der FF Hamburg) das Gelände der Hauptfeuerwache am Berliner Tor. (24hamburg.de-Montage)

Erstmeldung am Montag, 26. April 2021 um 16:26Uhr: Hamburg – Es gibt ordentlich Stress in den Reihen der Freiwilligen Feuerwehren in Hamburg. Mehrere Freiwilligen Feuerwehren und hohe Führungskräfte haben gestern Abend, 25. April 2021, einen langen Brandbrief an den Chef der Freiwilligen Feuerwehr Hamburg, Harald Burghart, geschrieben.

Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr warten weiterhin auf eine Impfung gegen Corona. (24hamburg.de-Montage)

Freiwillige Feuerwehr: Konkrete Gefahren für die Kameraden und Kameradinnen, folglich auch für die Bürger

Im Brief, der 24Hamburg.de vorliegt, wird klar wie gefährlich der „Dauer-Lockdown“ für die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehren ist. „Wir sehen hier als Wehrführungen und Bereichsführung konkrete Gefahren für unsere Kameradinnen und Kameraden und in der Folge für die Bürger, denen wir helfen möchten.“, steht im Schreiben. Bereits am 20. April 2021 stellte 24Hamburg.de die Frage: ist die Hamburger Freiwillige Feuerwehr noch einsatzfähig?

Freiwillige Feuerwehr: Zusammen retten, aber nicht zusammen impfen.

Ganz nach dem Motto „Zusammen retten, aber nicht zusammen impfen“ wird auch das nächste Thema im Brief klar genannt. Einige freiwillige Helfer hatten in der Vergangenheit, auf Anfrage der Sozialbehörde, einen Lehrgang besucht. Es ging um die Berechtigung, Besucher für Alten- und Pflegeheime mit einem Schnelltest testen zu dürfen. Zahlreiche ehrenamtliche Retter haben den Lehrgang absolviert. Aber auch hier wurden die Retter der Freiwilligen Feuerwehr später „vergessen“.

Harald Burghart (links) und Dr. Christian Schwarz (recht) sitzen im Rathaus bei einer Pressekonferenz (24hamburg.de-Montage)

Freiwillige Feuerwehr als letztes Licht der „Impf-Kette“

Andere ehrenamtliche Personen, zum Beispiel vom Deutschen Roten Kreuz, erhielten nach dem Lehrgang eine Impfberechtigung. Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Hamburg hingegen nicht. Im Brief steht dazu: „Dabei sind diese Kameraden dem Personal in Teststationen, dass überall bereits geimpft ist, gleichzustellen.“

Helferinnen und Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Hamburg fühlen sich benachteiligt

„Wir merken nicht, dass unser Engagement mit Blick auf unsere politische Stellung irgendetwas Positives bewirkt hat“, steht im Brandbrief. Es wird klar, dass wohl inzwischen die Mehrheit der Retter von ihrem Chef Harald Burgard enttäuscht sind. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Peters & Blaulicht-News & IMAGO / ZUMA Wire

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