Ausbleibende Nebenwirkungen 

Keine Impfreaktion ein schlechtes Zeichen – wie dramatisch ist schwache Immunantwort? 

Sind ausbleibende Nebenwirkungen ein Indikator für schlechten Corona-Impfschutz? So reagiert das Immunsystem nach der Covid-19-Impfung wirklich.

Hamburg – Wer zur Impfung geht, hofft meist darauf, keine großen Nebenwirkungen zu spüren. Auch bei der Corona-Impfung blieben diese aber bisher nicht aus. Von Kopfschmerzen, über ein Krankheitsgefühl bis zu Schlappheit und Schmerzen im Arm klagten Patienten über Symptome nach der Covid-19-Impfung. Wieder andere hatten gar keine Probleme.

Geimpfte in Deutschland: Eine Dosis50 Millionen (60 Prozent)
Geimpfte in Deutschland: Vollständiger Schutz39 Millionen (47 Prozent)
Verabreichte Dosen weltweit3,73 Milliarden
Geimpfte weltweit: Vollständiger Schutz1,03 Milliarden (13,2 Prozent der Weltbevölkerung)
Impfstoffe gegen CoronaBioNTech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca, Janssen/Johnson&Johnson

Was bedeutet es, wenn das Immunsystem äußerlich nicht auf die Impfung gegen Sars-Covid-2 reagiert und hat man dadurch einen geringeren Schutz?

Corona-Impfung: Auch ohne Nebenwirkungen vor Corona geschützt – Probanden hatten gleichen Schutz gegen Covid-19

Tatsächlich sind diese Gerüchte und Ängste völlig unbegründet. Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, erklärte laut der Süddeutschen Zeitung, dass ein Mensch mit einer schwachen Immunantwort – also mit wenig Nebeneffekten – ebenso gut geschützt ist, wie jemand, der nach der Impfung an Schüttelfrost oder Kopfschmerzen leiden musste.

Laut den Studien, die für die Impfstoffzulassung durchgeführt wurden, klagten viele Probanden über Nebenwirkungen. Sie verfügten nach den Tests aber über den gleichen Impfschutz wie die anderen Probanden, die keine Symptome zeigten. Der menschliche Körper baut also auch ohne merkliche Nebenwirkungen einen Immunschutz auf.

Die unterschiedlichen Reaktionen haben medizinisch also keine weitere Bedeutung, außer dass Menschen nun einmal verschieden sind.

Zwei Immunsysteme – zwischen Nebenwirkungen und Impfschutz besteht kein Zusammenhang

Tatsächlich kann sogar eher das Gegenteil der Fall sein. Menschen mit einem hohen Risiko für schwere Infektionen – wie alte Menschen, Krebspatienten oder Organtransplantierte – haben durch ihre Vorerkrankungen oder regelmäßige Medikamenteneinnahmen ein ohnehin geschwächtes Immunsystem. Das kann dazu führen, dass sie zwar eine starke Impfreaktion mit teilweise schweren Nebenwirkungen zeigen, dass Immunsystem allerdings keinen ganz so wirksamen Schutz aufbauen kann wie bei völlig gesunden Menschen.

Die meisten Menschen klagen nach der Corona-Impfung über Kopfschmerzen. Was bedeutet es, wenn man symptomfrei bleibt? (24hamburg.de-montage)

Der Grund für die irreführenden Annahmen, dass keine Nebenwirkungen einen schlechten Impfschutz bedeuten, ist der, dass in der Bevölkerung von einem einzigen Immunsystem ausgegangen wird. Tatsächlich hat der menschliche Körper aber verschiedene Arten von Immunsystemen, die für unterschiedliche Dinge zuständig sind. „Wenn man Fieber, Kopfschmerzen und Schüttelfrost hat, reagiert vornehmlich das angeborene Immunsystem“, erklärt Christine Falk.

Dieses Immunsystem ist es demnach jenes, welches die Nebenwirkungen bei Impfungen verursacht. Den Impfschutz baut aber das adaptive Immunsystem auf. Dieses entwickelt einen Schutz gegen den Erreger – in diesem Fall gegen das Spike-Protein des Coronavirus – und sorgt so für die Bildung von Antikörpern. „Und die spürt man nicht“, sagt Falk. Auch ein völlig symptomfreier Mensch kann also einen Impfschutz im Körper haben.

Impfreaktion nach Covid-19-Impfung: Auf Nummer Sicher gehen – Ärzte können Impfschutz gegen Corona testen

Wer es genau wissen will, der kommt um einen Besuch beim Arzt nicht herum. Da Spekulationen um Impfreaktionen rein gar nichts bringen, können sich Neugierige einem Antikörpertest unterziehen. Durch diesen kann man feststellen, wie viele Antikörper im Blut sind. Wie stark diese sind und wie gut sie zum Beispiel gegen die gefährliche Delta-Mutation arbeiten, wird dadurch allerdings nicht untersucht. Die nicht validierten Tests können zudem von Hersteller zu Hersteller auch variieren.

Genauere Auskünfte geben Neutralisationstests, bei denen das Blut des Patienten mit dem Spike-Protein des Corona-Virus in Verbindung gebracht wird. Diese kosten etwa 25 Euro in Praxen und der Arzt kann dadurch sehen, wie gut die Antikörper des Patienten im Falle einer Infektion auf das Virus reagieren würden.

Corona-Schutz nach Covid-19-Impfung: „Schutz ist nicht absolut“

Allgemein gilt: „Der Schutz ist nicht absolut. Daher würde ich mich auch mit Impfung nicht einfach dem Virus aussetzen und etwa in einem Raum, in dem alle husten, ohne Maske sitzen“, so Hans-Georg Kräusslich, Ärztlicher Direktor der Abteilung Virologie des Universitätsklinikums in Heidelberg.

Trotzdem sagt er: „Die mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19 sind wirklich sehr, sehr gut – besser als einige andere Impfstoffe, etwa gegen Influenza. Und bei denen unternimmt man auch nichts weiter.“ Geschützt ist also jeder, der geimpft ist – egal, ob Nebenwirkungen oder nicht. Am Ende des Tages gilt: Menschen – und auch ihre Impfreaktionen – sind nun einmal verschieden. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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