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Keine Corona-Lockerungen bis Ostern: Warum es laut Drosten danach bergauf geht

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Von: Jan Knötzsch

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Dänemark lockert die Corona-Maßnahmen. Hamburg und Deutschland nicht. Immerhin: Ab Ostern kann das ein Thema werden, sagt Virologe Christian Drosten. Warum erst dann?

Hamburg – Der neidische Blick geht nach Dänemark. Nicht, was die Inzidenz angeht. Die liegt im Nachbarland bei über 5000. Da ist Hamburg schon besser dran – auch wenn der Hamburger Senat aktuell trotz sinkender Inzidenzzahlen „keine Trendwende“ sieht, um die Corona-Politik zu ändern, wie Senatssprecher Marcel Schweitzer am Dienstag, 1. Februar 2022 auf der Landespressekonferenz erklärt hat. Die einzige Änderung in der Coronavirus-Pandemie in der Hansestadt Hamburg: Ab Samstag, 5. Februar 2022, streicht der Senat die Kontaktdatenverfolgung, die Luca-App fällt weg.

Dänemark hingegen lockert die Corona-Regeln im Vergleich viel deutlicher. Die große Frage: Wann passiert das auch endlich in Deutschland? Virologe Christian Drosten hat eine Zeitspanne im Visier. 24hamburg.de schaut auf seine Einschätzungen.

Virologe:Christian Heinrich Maria Drosten
Geboren:12. Juni 1972 (Alter 49 Jahre) in Lingen (Ems)
Tätigkeit:Direktor des Virologioschen Instituts der Charité Berlin
Ausbildung:u.a. Goethe-Universität Frankfurt am Main (1994 bis 2000)
Podcast:Das Coronavirus-Update (NDR)

Coronavirus-Pandamie: Warum laut Christian Drosten ab Ostern alles besser werden könnte

In einem Podcast des Norddeutschen Rundfunks (NDR) erklärt der Virologe aus Berlin, dass die Situation in Dänemark nicht mit der in Deutschland vergleichbar ist, wo auch in Hamburg die Omikron-Welle die Inzidenzzahlen vorerst so in die Höhe schnellen ließ, dass Hamburg sogar bundesweiter Inzidenz-Spitzenreiter war. Aktuell liegen im UKE in Hamburg derzeit übrigens so viele geboosterte Personen auf der Intensivstation.

Im Hintergrund ein Osterhase mit Mund-Nasen-Maske und der Aufschrift Corona sowie ein Osternest. Im Vordergrund der Virologe Christian Drosten.
Der Berliner Virologe Christian Drosten prognostiziert, warum es nach Ostern Lockerungen bei den Corona-Regeln geben könnte. (24hamburg.de-Montage) © Jens Schicke/imago

„Eine Sache, die sich nicht geändert hat, ist die Impflücke. Die Impfrate in Deutschland ist sogar vor Kurzem wieder gesunken“, sagt Drosten im NDR-Podcast. Dementsprechend könne man in Deutschland daher auch noch keinerlei Entwarnung geben. So drohen auch In Hamburg weiterhin Einschränkungen durch die Omikron-Variante des Coronavirus, gegen das in Hamburg Johnson&Johnson-Geimpfte eine Drittimpfung benötigen, um den 2G-Plus-Statust zu erlangen.

Apropos Corona und Hamburg: Während der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sich inzwischen für ein neues Warn-System statt der Inzidenzzahlen ausspricht, ist Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) dagegen. In Seiner Stadt gibt‘s derweil Diskussionen, die 2G-Regel im Einzelhandel zu kippen.

Virologe Christian Drosten: Coronavirus-Übertragungen werden „im Moment aus dem Schulbetrieb gespeist“

Virologe Christian Drosten geht derweil davon aus, dass aktuell geltende Corona-Regeln noch voraussichtlich bis Ostern aufrecht erhalten werden. Erst dann könne es zu einer Entspannung der aktuellen Lage in der Coronavirus-Pandemie kommen, in der in Hamburg eine hohe Dunkelziffer an Corona-Infektionen herrscht und mehr als 100 Personen nicht wegen sondern „nur“ mit Corona im Krankenhaus liegen. Für Christian Drosten sind unterdessen die nächsten Ferien ein Grund zur Hoffnung. „Wir haben eindeutig den Befund, dass die Übertragungen im Moment aus dem Schulbetrieb gespeist werden. Da werden spätestens die Osterferien den Riegel vorschieben“, konstatiert er im NDR-Podcast.

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„Zudem“, so begründet Christian Drosten weiter, „ wird es wärmer sein nach Ostern und die Inzidenz wahrscheinlich nicht mehr so stark an Fahrt aufnehmen.“ Damit liegt Christian Drosten auf einer Wellenlänge mit Professor Dr. Stefan Kluge. Der Intensiv-Chef des UKE hatte bereits vor einiger zeit prognostiziert, dass die Corona-Lage in Hamburg ab April 2022 leichter werde. In Sachen Schule und Corona steht in Hamburg Schulsenator Ties Rabe (SPD) unter Druck – wegen der Mega-Inzidenz bei den Lernstätten. Rabe hält dennoch am Präsenzunterricht fest.

Corona in Hamburg: So steht Cirologe Christian Drosten zu PCR-Tests – und das sagt er über Nach-Impfungen

Im Podcast des NDR äußert sich Christian Drosten auch zu weiteren Themen – unter anderem zu PCR-Tests und zum Impfen. Langfristig erwarte er eine abnehmende Notwendigkeit beim Nachimpfen. „Die Abstände werden größer, weil das Virus weniger Sprünge in der Evolution macht, sondern sich kontinuierlich entwickelt und die Bevölkerung das gar nicht mehr so merkt“, blickt Christian Drosten zuversichtlich in die Zukunft. Und auch das Fehlen von ausreichenden PCR-Tests in Deutschland ist für den Berliner Virologen kein Anlass zu Unbehagen. „Die intensive PCR-Testerei muss mittelfristig aufhören. Wir können nicht jede Infektion nachtesten“, sagt Drosten im NDR.

Die intensive PCR-Testerei muss mittelfristig aufhören. Wir können nicht jede Infektion nachtesten.

Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité

Er erläutert, man müsse auf vorhandene Systeme der Überwachung zurückzugreifen, um in Erfahrung zu bringen, wie weit das Virus in der Bevölkerung verbreitet ist. Stattdessen könne man wie bei einer Grippe auf Basis von Stichproben in Krankenhäusern, Arztpraxen oder aber Haushalten die Schwere und Häufigkeit der Infektionen hochrechnen. „Das wird irgendwann zu entscheiden sein durch die Politik“, sagt Drosten, „ich denke, wir sind schon sehr nahe an diesem Punkt und wir sollten uns sehr ernsthaft in diese Diskussion begeben.“

In Hamburg hat es wegen der mangelnden Kapazitäten bei PCR-Tests zuletzt Diskussionen gegeben, ob ein Model aus Wien der große Hoffnungsbringer für die Hansestadt sein könnte. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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