Machtkampf bei den Grünen

Kanzlerkandidaten-Check: Baerbock oder Habeck – wer kann es?

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Countdown im Showdown: Am Montag nominieren die Grünen ihren Kanzlerkandidaten. Wer wirds? Annalena Baerbock und Robert Habeck? Der große Kanzler-Check.

Hamburg – Lob im Schafspelz: Wenn es nach Dorothee Bär (CSU) geht, dann ist die Nominierung eines Kanzlerkandidaten bei den Grünen längst gelaufen. Sie hoffe, so ließ die Staatsministerin für Digitalisierung im Kanzleramt wissen, dass Robert Habeck statt Annalena Baerbock für die Öko-Partei ins Rennen gehe. Warum? „Weil es dann leichter wird für uns, die Wahl zu gewinnen.“

Annalena BaerbockRobert Habeck
Parteivorsitzende der Grünen seit 2018Parteivorsitzender der Grünen seit 2018
geboren 15. Dezember 1980 (Alter 40 Jahre), Hannovergeboren 2. September 1969 (Alter 51 Jahre), Lübeck
verheiratet, zwei Kinderverheiratet, vier Kinder

Ein bisschen Boshaftigkeit unter politischen Gegner ist in Berlin erlaubt. Doch die Frage ist: Hat Bär mit ihrer Einschätzung recht? Am Montag, 19. April 2021, wird der Grünen-Bundesvorstand seine Entscheidung bekannt geben, mit wem die Partei bei der anstehenden Bundestagswahl im September als Kanzlerkandidat ins Rennen geht. Zur Auswahl stehen die beiden Parteichefs: Annalena Baerbock und Robert Habeck*. Doch wer ist der Bessere. Hier der Kandidatencheck.

Baerbock gegen Habeck: Grüne nominieren den Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl

Robert Habeck: Lange Zeit sah er wie der sichere Sieger aus. Sein größtes Plus: Als ehemaliger Umweltminister in Schleswig-Holstein, der an der Universität der Hansestadt Hamburg studiert hat, verfügt er über jahrelange Regierungserfahrung. Keine leichte Aufgabe, so musste er den Bauern die Energiewende beibringen und den Fischern die Fangquoten verkaufen. Dabei prallten Welten aufeinander. Doch trotz der Meinungsverschiedenheiten ist er in diesen Branchen gut gelitten. Seine aufrechte Art kommt in dem Land zwischen den Meeren bis heute in Umfragen gut an.

Wollen Kanzlerkandidat werden: Annalena Baerbock und Robert Habeck (beide Grüne). (24hamburg.de-Montage)

Diese Qualität blieb auch in Berlin nicht verborgen. Dem jahrelangen Ruf, in der Bundespartei eine stärkere Rolle zu spielen, kam Habeck, 51, Schriftsteller, Philosoph und vierfacher Familienvater erst nach, als seine Kinder halb erwachsen das Haus verlassen haben. Seit 2018 ist jetzt zusammen mit Baerbock Bundesvorsitzender. In dieser Funktion beherrscht er mit einer unkonventionellen Art die Talkshows. Doch vor laufender Kamera offenbart er hin und wieder auch kleinere Wissenslücken – im Gegensatz zu seiner Konkurrentin.

Baerbock: Die Frau an Habecks Seite ist plötzlich Favorit der Grünen als Kanzlerkandidatin

Annalena Baerbock: Sie war lange die Unbekannte. Baerbock, 40, zweifache Mutter, studierte Völkerrechtlerin, hatte bis 2018 eine klassische Funktionärskarriere hingelegt. Erst Arbeiten für Europa- und Bundestagsabgeordnete, dann ab 2013 eigenes Mandat für den Bundestag. Für viele Außenstehende kam ihre Wahl zur neuen Bundesvorsitzenden der Grünen wie aus dem Nichts.

Doch Baerbock selber hatte ein klares Ziel vor Augen: „Ich bin nicht die Frau an Roberts Seite“, verkündete sie selbstbewusst. Dass das stimmt, hat sie mittlerweile eindrücklich bewiesen. In drei Jahren hat sie sich aus dem Schatten von Habeck herausgeschoben. Sie arbeitet sich in Details ein. Inhaltliche Fehler sind ihr bisher nicht passiert. Zugleich kann sie auch frech auf Abteilung Attacke umschalten.

Führen die Grünen seit 2018 gemeinsam: Annalena Baerbock und Robert Habeck. (24hamburg.de-Montage)

Dass sie durchaus auch höhere Ambitionen hegt, hat sie nie verhehlt. Natürlich könne eine Mutter auch Kanzlerin sein, hat sie mehr als einmal in Interviews betont. Bei den Grünen kam das gut an. Unter Parteianhängern ist sie mittlerweile der klare Favorit. Das zeigen Umfragen.

45 Prozent der potenziellen Grünen-Wähler bevorzugen Baerbock als Kanzlerkandidatin, 35 Prozent indes wünschen sich Habeck, berichtete jetzt der „Spiegel“. Damit hat sich der Wind innerhalb von drei Jahren gedreht, vielleicht auch, weil viele Grünen-Anhänger gerne eine Frau in dem ansonsten von Männern dominierten Rennen sehen würden.

Baerbock gegen Habeck: Beide liefern sich faires Duell um die Kanzlerkandidatur der Grünen

Doch die Sympathisanten sind ein, aber nicht der entscheidende Faktor. Am Ende zählt auch, wer von beiden für die Partei am meisten herausholt und die meisten Wähler überzeugt. Doch auch mit Blick auf die Gunst der Deutschen hat Baerbock mittlerweile massiv Boden gut gemacht gegenüber Habeck. Zwar hat der Ex-Umweltminister hier mit 32 Prozent die Nase leicht vor seiner Co-Vorsitzenden, die auf 25 Prozent Zustimmung kommt. Aber in dieser Kategorie ist ein Großteil der Wähler auch noch unentschieden.

Am Ende entscheiden bei der Kandidatenkür Nuancen. Politisch und inhaltlich bestehen zwischen beiden keine Differenzen. Sie teilen sich ein Büro und die Mitarbeiter. Es gibt keine Grabenkämpfe. Harmonisch haben sie der Partei ein gemeinsames Wahlprogramm* verpasst, mit dem sie die größte Industrienation Europas nachhaltig stärken wollen. Dafür legen sie sich auch mal mit Hausbauern an.

Dabei haben sie bereits jetzt etwas Einmaliges in der Geschichte geschafft: Sie haben sich einen Machtkampf ohne Kampf geliefert. „Ich glaube, keinem von uns fällt es schwer zu sagen: Du bist der oder die Richtige“, sagte Barbock dem „Spiegel“. Aber natürlich sei es am Ende ein „kleiner Stich ins Herz“. Wer den Stich verpasst bekommt, muss jetzt die Partei entscheiden. Das ist wahrlich keine leichte Aufgabe. * 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

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