Wer wird Spitzenkandidat?

Baerbock gegen Habeck: Duell der Grünen – Entscheidungstag steht

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
    schließen

Wer wird Kanzlerkandidat der Grünen? Annalena Baerbock oder Robert Habeck? Die Parteiführung dringt auf eine schnelle Entscheidung in der K-Frage.

Hamburg – Wer führt die Grünen als Kanzlerkandidat in die kommende Bundestagswahl? Diese Frage schiebt die Partei seit Monaten vor sich her. Doch nun soll eine erste Vorentscheidung fallen. Der Grünen-Bundesvorstand werde am 19. April einen Vorschlag machen, wer von den Parteichefs Annalena Baerbock und Robert Habeck der neue Spitzenkandidat werden soll. Das teilte Geschäftsführer Michael Kellner am Mittwoch in einem partei-internen Schreiben mit, über das die Nachrichtenagentur dpa berichtete.

Annalena Baerbock:Robert Habeck:
Parteivorsitzende der Grünen seit 2018Parteivorsitzender der Grünen seit 2018
geboren 15. Dezember 1980 (Alter 40 Jahre), Hannovergeboren 2. September 1969 (Alter 51 Jahre), Lübeck
verheiratet, zwei Kinderverheiratet, vier Kinder

Das Schreiben ging an die Landesvorsitzenden sowie an den Parteirat der Grünen. Die Empfehlung des Vorstandes ist noch keine endgültige Entscheidung, aber ein deutlicher Fingerzeig auf den aussichtsreichsten Kandidaten. Das letzte Wort über die Personalie haben die Delegierten auf einem Grünen-Parteitag, der vom 11. bis zum 13. Juni stattfinden soll.

Baerbock oder Habeck: Die Grünen nominieren den Kanzlerkandidaten am 19. April 2021

Die Bundestagsabgeordnete Baerbock, die sich schon mal mit Bundeskanzlerin Angela Merkel anlegt, und der ehemalige schleswig-holsteinische Umweltminister Robert Habeck führen die Partei gemeinsam als Bundesvorsitzende seit 2018. Lange Zeit wurden Habeck wegen seiner öffentlichen Beliebtheit die größeren Chancen auf den Posten des Kanzlerkandidaten eingeräumt. Doch in den vergangenen Monaten hat sich die Stimmung in der Partei durchaus gedreht. Vor allem an der Parteibasis wird Baerbock für ihre inhaltliche Stärke geschätzt.

Sie oder er? Annalena Baerbock und Robert Habeck machen die Kanzlerkandidatur bei den Grünen unter sich aus. (24hamburg.de-Montage)

Baerbock, die in der Hansestadt Hamburg studiert hat, und Habeck, der in Lübeck geboren und in Flensburg wohnhaft ist, haben beide durchaus ihr Interesse an dem Spitzenposten bekundet. Eine offene Rivalität ist daraus aber nicht entstanden. Im Gegenteil: Beide führen seit Jahren, zumindest nach außen hin, harmonisch die Partei. Damit ist ihnen etwas gelungen, was es in der Parteiengeschichte in dieser Form selten gab: ein Machtkampf ohne Kampf.

Ihr Erfolgsgeheimnis verrieten sie unlängst dem „Spiegel“: „Wir können beide auch mal fünfe gerade sein lassen“, sagte Baerbock. Und Habeck schob hinterher: „Und dann haben wir in unserem bisherigen Leben gelernt, dass es nicht gut ist, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen.“ Um erst gar nicht in die Scharmützel alter Schule zu verfallen, teilen sich die beiden ein Büro und haben die gleichen Mitarbeiter.

Spitzenkandidat der Grünen: Habeck und Baerbock haben historische Chance

Beide würden der Partei extrem guttun, lobte unlängst Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) im exklusiven 24hamburg.de-Interview. Doch bei aller Harmonie: Am Ende kann es nur einer werden. Das wissen beide. Natürlich sei es ein „Stich ins Herz“, wenn man bei der Nominierung den Kürzeren ziehe, gestand Baerbock. Doch letztendlich ist es eine kühle Abwägung, wer für die Partei am meisten rausholt. Denn die Grünen stehen vor einer historischen Entscheidung.

Zum ersten Mal in der Geschichte haben sie tatsächlich berechtigte Aussichten, den Kanzlersessel zu erobern, auch wenn sie sich dabei mit SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz streiten müssen, der im grünen Wählerklientel herumwildert. In den Umfragen liegen sie stabil bei über 20 Prozent als zweitstärkste Kraft, gleich hinter der Union. Doch seit CDU und CSU im Masken-Skandal versinken, holen die Grünen immer mehr auf. Plötzlich erscheinen auch Überlegungen nach einer Ampelkoalition unter grüner Führung nicht mehr völlig utopisch zu sein.

„Wir wollen das Land in die Zukunft führen. Darum kämpfen wir für das historisch beste grüne Ergebnis aller Zeiten und die Führung der nächsten Bundesregierung“, stellte Geschäftsführer Kellner am Mittwoch noch einmal im Gespräch mit der dpa klar. Jetzt brauchen sie dafür noch den passenden Kandidaten. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion