Luxus-Boulevard mit Alsterblick

Jungfernstieg Hamburg: Prachtpromenade an der Alster

Hamburger sitzen am Ufer des Jungfernstiegs vor den berühmten Ausflugsdampfern
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Der Jungfernstieg ist die Prachtmeile im Herzen Hamburgs
  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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  • Valentina Meiners
    Valentina Meiners
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Mit Dampfschiff und U-Bahn zum Luxus-Kaufhaus: Der Jungfernstieg im Herzen von Hamburg lockt tausende Einheimische und Touristen zum Shopping und Flanieren. Autos, Busse und Taxis müssen jetzt weichen.

  • Der Jungfernstieg ist mit seinen alteingesessenen Luxus-Kaufhäusern und der langen Uferpromenade samt Alsterfontäne das Herzstück der Hansestadt Hamburg.

  • Rund um die Binnenalster finden das ganze Jahr über viele Kulturveranstaltungen statt.

  • Die Flaniermeile hat eine ereignisreiche Geschichte hinter und verkehrsberuhigende Umbaumaßnahmen vor sich.


Hamburg – Am Jungfernstieg pulsiert das Leben, denn hier reihen sich Bürogebäude, Luxushotels und edle Boutiquen aneinander. Sowohl Einheimische als auch Touristen machen an der Uferstraße gerne Rast, um auf den Stufen sitzend ihre Mittags- oder Shoppingpause in Hamburg zu genießen. Das Panorama, das sich ihnen an diesem zentralen Dreh- und Angelpunkt bietet, ist einmalig: 


Von der geschäftigen Prachtpromenade aus lässt sich die 0,2 Quadratkilometer große Binnenalster mit ihrer mittigen Alsterfontäne und den vielen Schwänen, Möwen und Enten wunderschön überblicken. Neben der historischen Flaniermeile im Süden wird der künstliche See, der einst als Mühlenbecken diente, im Osten vom Ballindamm und im Westen vom Neuen Jungfernstieg eingerahmt. Am nördlichen Ende queren die Lombardsbrücke und die Kennedybrücke die Passage, die Binnen- und Außenalster miteinander verbindet.


Übrigens: Die Binnenalster und andere Teile des Hamburger Stadtgebiets lassen sich ganzjährig auch per Webcam betrachten. Bei gutem Wetter reicht der Blick besonders weit, bei Schietwetter ist es umso besser, das Panorama eher aus der Ferne zu genießen.

Jungfernstieg als bedeutsamer Verkehrsknotenpunkt


Der Jungfernstieg zieht sich von der Reesendammbrücke bis zum Gänsemarkt. Wer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, steigt am besten an der Haltestelle Jungfernstieg aus, die von den U-Bahn-Linien U1, U2 und U4, den S-Bahn-Linien S1, S2, S3, S21 und S31 sowie zahlreichen Bussen angefahren wird. Auch die U-Bahn-Stationen Gänsemarkt (U2) und Rathaus (U3) bieten sich für die Anreise an. Alternativ ist der Hamburger Hauptbahnhof ebenfalls nicht weit entfernt: Von hier aus braucht man zu Fuß nur etwa 13 Minuten bis zum Jungfernstieg. Der Weg führt entweder über den Ballindamm oder über die Spitalerstraße und die Mönckebergstraße, die beiden Shoppingmeilen der Innenstadt.


Geheimtipp: Auf dem Bahnsteig der U-Bahn-Linie 1 steht ein Eichenpfahl. Hierbei handelt es sich um Original-Baumaterial des 1250 errichteten Alstermühlendamms, das beim Ausheben des U-Bahn-Schachts im Jahr 1932 an genau dieser Stelle freigelegt wurde. Der Bildhauer Richard Luksch verarbeitete den Rammpfahl zu einer Plastik, indem er sieben Jungfrauen in diesen schnitzte, und schenkte ihn daraufhin der Stadt Hamburg. Die Bildsäule soll an die Arbeiter erinnern, die beim Bau der Station durch einen Wassereinbruch ums Leben kamen.

Jungfernstieg: Anfahrt per Auto oder Alsterflotte


Außerdem ist der Jungfernstieg auch per Auto zu erreichen. In zahlreichen Tiefgaragen in der näheren Umgebung, zum Beispiel bei der Kunsthalle, beim Alsterhaus, bei Karstadt und der Europa Passage, findet sich – gegen das entsprechende Kleingeld – ein Parkplatz für den Wagen. Am schönsten, wenn auch nicht am günstigsten, ist es jedoch, den Jungfernstieg mit einem Alsterdampfer anzusteuern. Die Alsterkreuzfahrt stoppt an folgenden Fähranlegern:

  • Winterhuder Fährhaus
  • Streekbrücke
  • Krugkoppelbrücke
  • Mühlenkamp
  • Fährdamm
  • Uhlenhorster Fährhaus
  • Rabenstraße
  • Atlantic
  • Jungfernstieg

Jungfernstieg: Woher hat die Flaniermeile ihren Namen?


Der heutige Jungfernstieg hieß einst „Reesendamm“ und wurde im Jahr 1235 von Graf Adolf IV. von Schauenburg und Holstein in Auftrag gegeben, um die Alster auf ihrem Weg Richtung Elbe aufzustauen und die Obermühle anzutreiben. 1665 pflanzte man Baumreihen auf den Damm, sodass eine Allee entstand. Diese attraktive Flaniermeile spazierten die wohlhabendsten Familien der Stadt gerne entlang. Sonntags präsentierten sie hierbei ihre unverheirateten Töchter, die „Jungfern“, darauf hoffend, einen passenden Heiratskandidaten für sie zu finden. Durch diesen Ritus erhielt die Straße in der Mitte des 17. Jahrhunderts ihren noch heute gültigen Namen.

Jungfernstieg – Wissenswerte Fakten im Überblick:


Die Haltestelle Jungfernstieg gleicht einem Labyrinth. Als Tourist hat man kaum eine Chance, genau dort ans Tageslicht zu kommen, wo man tatsächlich hin will. Zugänge befinden sich in den Straßen Jungfernstieg, Rathausmarkt, Ballindamm, Bergstraße, Alstertor und Mönckebergstraße. Seit 1958 gibt es außerdem einen unterirdischen Gang, der die Station Rathaus mit dem Bahnhofskomplex verbindet.


Am Alsteranleger machen noch heute die sogenannten Alsterdampfer fest. Doch der Name täuscht: Die Flotte besitzt nur noch ein einziges Museumsschiff, das per Dampfmaschine angetrieben wird.


Vor dem Streit’s Haus, einem ehemaligen Filmtheater, wurde am 5. Oktober 1841 das Deutschlandlied von Hoffmann von Fallersleben zum ersten Mal öffentlich vorgetragen.


Der Yüksel-Mus-Platz an der Ecke Jungfernstieg/Neuer Jungfernstieg erinnert an den gleichnamigen Straßenfeger, der lange Zeit in dem Gebiet tätig war und im Jahr 2015 verstarb.


Einen Jungfernstieg gibt es nicht nur in Hamburg, sondern unter anderem auch in Flensburg, Glückstadt, Kiel, Schwerin, Stralsund und Berlin-Lichterfelde.

Jungfernstieg: Baumaßnahmen vor und nach dem Großen Brand 


Im Jahr 1838 erfolgte dank des Hamburger Hafens, der die Kassen der Stadt reich befüllte, ein weiterer Umbau: Als erste Straße in ganz Deutschland wurde der Jungfernstieg asphaltiert. Beim Großen Brand, der vier Jahre später in Hamburg wütete, kam es an dieser Stelle jedoch zu größeren Schäden, ganze Teile des Stadtzentrums wurden zerstört. In der Folge fanden am Jungfernstieg erneut Baumaßnahmen statt, darunter die Verlegung des Alsterabflusses und die Errichtung des mit Gold und Marmor verzierten Sillem’s Bazars, der ersten Einkaufspassage des Landes. In dieser siedelten sich 30 Luxusboutiquen an. Besucher mussten Eintritt zahlen.

Jungfernstieg: Exklusives Shoppingparadies an der Alster


Auch heute noch ist der Jungfernstieg ein Shoppingparadies der Extraklasse. Während die Europa Passage am einen Ende Läden auch für die weniger gut betuchten Bürger mit kleinerem Budget bereithält, zieht das traditionsreiche Alsterhaus mit internationalen Luxusmarken eher die zahlreichen Millionäre Hamburgs an. Eintritt muss hier jedoch heute nicht mehr gezahlt werden – Besucher können einfach durch die Premium-Modegeschäfte schlendern und angesichts der Preise ins Staunen geraten. 


Und auch nebenan in den Zweigstraßen Große Bleichen, Neuer Wall und Poststraße bieten exklusive Kaufhäuser edle Pralinen, Parfüms, Kleidungs- und Schmuckstücke an. Alteingesessen ist zudem der Hamburger Hof mit dem dahinterliegenden Hanse-Viertel, eher neu hingegen sind das Nivea-Haus am Nordende des Jungfernstiegs und der mittig liegende Apple Store, der deutschlandweit der älteste seiner Art ist. Außerdem absolut sehenswert sind die Colonnaden mit ihren seitlichen Arkadengängen.

Jungfernstieg: Restaurant- und Sightseeing-Tipps


Doch am Jungfernstieg kann man nicht nur exklusiv shoppen, sondern auch speisen. Im VLET zum Beispiel werden gehobene Menüs, aber auch Kochkurse angeboten, während beim kultigen Mö-Grill leckere Currywurst gebrutzelt wird und man sich im Alsterpavillon mit Blick aufs Wasser einen Drink genehmigen kann. Alternativ versüßt ein Eis von Warneke den Tag – oder aber ein exklusives Alster Dinner Shipping. Wer Essen und Schiffstouren lieber getrennt voneinander genießt, kann mit der Alsterflotte auch einfach so in See stechen. Hierfür werden unterschiedliche Bootstouren, zum Beispiel eine Kanalfahrt oder ein Dämmertörn zu späterer Stunde, angeboten.


Unser Tipp: Auch die Alsterarkaden sind einen Besuch wert. Direkt an der Kleinen Alster, einem ehemaligen Festungswall, bietet sich Besuchern ein traumhaftes Bild, das an Venedig erinnert. Über die Schleusenbrücke hinweg gelangt man zudem zügig auf den imposanten Vorplatz des Großen Rathauses, auf dem im Advent immer ein großer Weihnachtsmarkt stattfindet. Hygieia-Brunnen, Heine-Haus und die Hauptkirche Sankt Petri runden die Sightseeing-Tour rund um den Jungfernstieg schließlich gelungen ab. Die einzelnen Standorte zeigt Google Maps an.

  • Jungfernstieg – Veranstaltungen über das Jahr hinweg:
  • Alstervergnügen (Ende August/Anfang September)
  • Christopher Street-Day als Höhepunkt der Pride Week
  • Binnenalster-Filmfest (Anfang September)
  • WeihnachtsmarktWeißerZauber“ ab Ende November
  • Hanse-Marathon (Mitte oder Ende April)
  • Cyclassics (Juli, August oder September)
  • Ironman Hamburg (Juni, Juli oder August)
  • Großes Feuerwerk in der Silvesternacht

Jungfernstieg als verkehrsfreie Zone: Umbaumaßnahmen


Seit dem 17. Oktober 2020 ist der Jungfernstieg autofrei, 24hamburg.de berichtete. Der motorisierte Individualverkehr muss auf die Nebenstraßen ausweichen, nur noch Busse, Taxis, Fahrräder und E-Roller dürfen die Straße befahren. Ausnahmen gelten von 21 bis 11 Uhr für Lieferwagen und ganztägig für Anwohner, die ihre Tiefgarage erreichen wollen. Auf diese Weise soll die von den Grünen initiierte Mobilitätswende in Hamburg vorangetrieben und die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt erhöht werden. Bis die Umbaumaßnahmen, die die Promenade an die neuen Verkehrsbedingungen anpassen sollen, im Herbst 2021 beginnen, wurde zunächst eine Tempo-30-Zone eingerichtet und der wasserseitige Radweg auf die Straße zurückverlegt.


Zukünftig soll der Jungfernstieg eine begrünte Mittelinsel erhalten und barrierefrei sein. Die Umbaumaßnahmen des Jungfernstiegs sollen im Frühling 2022 abgeschlossen werden. Danach stehen in der Hamburger Innenstadt weitere Bauprojekte dieser Art, beispielsweise in der Bergstraße, an. Aus der Mönckebergstraße sollen während der Sanierungsarbeiten an der U3, die ab März 2021 stattfinden, zudem die Busse verschwinden, damit die Passanten mehr Platz haben. Hinzu kommen sogenannte Pop-up-Bikelanes im gesamten Stadtgebiet.

Jungfernstieg: Viel zu tun für Feuerwehr und Polizei


Im Zentrum der Stadt ist eine Menge los. Entsprechend oft kommt es auch am Jungfernstieg zu Polizei- und Feuerwehreinsätzen. Durch die neue Verkehrsführung, an die sich viele Hamburger wohl erst noch gewöhnen müssen, finden vor Ort derzeit Kontrollen statt. Die Schilder allein scheinen einige Autofahrer noch nicht davon überzeugen zu können, von ihrer gewohnten Route abzuweichen.


Doch der Einsatz der Bundesbeamten geht weit über Verwarnungen und Strafzettel hinaus: Erst im April 2018 ereignete sich auf einem Bahnsteig des unterirdischen Bahnhofs Grauenhaftes. Aufgrund eines Sorgerechtsstreits erstach hier ein 34-Jähriger seine Ex-Freundin und das gemeinsame Kind. Im Zuge des darauffolgenden Großeinsatzes sicherten Polizeikräfte die Zugänge der Haltestelle und stellten den Mörder. Außerdem legen regelmäßig auch Alarmierungen der Feuerwehr den Zugverkehr lahm. So gleicht am Jungfernstieg kein Tag dem anderen.

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