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HVV Preise: Jetzt droht der nächste Ticket-Hammer

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Von: Kevin Goonewardena

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Der Hamburger Verkehrsverbund HVV steckt in einer tiefen Krise. Das hat mehrere Gründe. Werden die Preise für Tickets jetzt erneut angehoben?

Hamburg – Wie allen Verkehrsverbünden in Deutschland hat auch dem Hamburger Verkehrsverbund (HVV) die Corona-Zeit zugesetzt. Die Angst vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus, aber auch der Umstand, dass viele Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen von zu Hause aus arbeiten konnten, hat in den Jahren 2020 und 2021 nicht nur die Fahrgastzahlen im HVV sinken lassen.

Wie das Portal nahverkehrhamburg.de berichtet, hätten alleine im Jahr 2020 177.000 Hamburger und Hamburgerinnen ihr Fahrkartenabo gekündigt, was einer Steigerung von 88 Prozent gegenüber 2019 entspricht. Und damit verlor der Verbund 22.000 Kunden mehr, als dieser neu habe gewinnen können. In den vergangenen Jahren überwogen stets die Abo-Abschlüsse gegenüber den Kündigungen. Steigen nun die Preise, anders als üblicherweise nur zum Fahrplanwechsel im Dezember, im HVV erneut?

Name:Hamburger Verkehrsverbund
Gründung:29. November 1965
Linien (Auswahl):6 S-Bahn-, 4 U-Bahn-, 8 Fährlinien und rund 700 Buslinien
Anzahl Stationen:mehr als 10.000 (inkl. Bushaltestellen)

HVV Preise: Werden Tickets nochmals teurer? Ukraine-Krieg hat Folgen

Bereits Anfang des Jahres waren die Preise für Fahrkarten im HVV gestiegen, viele Hamburger zeigten sich wegen der gestiegenen Ticketpreise im HVV außer sich vor Wut. Dabei sind die Preise im HVV schon vorher die höchsten in ganz Deutschland gewesen. Werden die Tickets im HVV nun noch mal teurer? Denn nicht nur die Corona-Pandemie macht dem Verbund zu schaffen. Jetzt kommt auch noch der Ukraine-Krieg und dessen Folgen hinzu. Denn die für Verkehrsunternehmen besonders wichtigen Energiepreise machen auch der Hochbahn, der S-Bahn Hamburg und anderen Verkehrsunternehmen im HVV zu schaffen. So führt laut Hochbahnsprecher Christoph Kreienbaum bereits der Anstieg des Dieselpreises um 1 Cent je Liter zu 300.000 Euro Mehrkosten im Jahr. Das berichtet das Hamburger Abendblatt. Und das ist noch nicht alles.

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HVV: Hochbahn erwartet 2022 Rekord-Minus von mehr als 313 Millionen Euro

Auch Verkehrsprojekte in Hamburg wie etwa der Bau der neuen U-Bahnlinie U5 mit 20 neuen Stationen oder andere Vorhaben wie der sogenannte Hamburg-Takt schlagen sich jetzt schon in den Bilanzen nieder. So sehr, dass die Hochbahn ein Rekordminus von 313,3 Millionen Euro für das laufende Geschäftsjahr 2022 erwartet. Corona, die geplanten Verkehrsprojekte in Hamburg, Energie-Krise und andere Folgen des Ukraine-Kriegs – wie wirken sich die Ereignisse und ehrgeizigen Pläne auf die Preise im HVV aus? Erst einmal kommt das HVV Monatsticket für 9 Euro, mit dem alle HVV-Kunden sparen sollen. Wie es danach weitergeht: unklar!

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Wird das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln im HVV, wie hier in einer U-Bahn der Linie U3 an den Landungsbrücken, künftig teurer? Die städtische Hochbahn AG erwartet für 2022 ein Rekordminus von mehr als 313 Millionen Euro. Die Gründe sind vielfältig. © Jürgen Ritter via www.imago-images.de

HVV: Hamburg-Takt und Anschaffung von 1000 E-Bussen kostet viel Geld

Die Hauptgründe für das Rekorddefizit, das die Hochbahn für das Jahr 2022 erwartet, liegen in der Einführung des Hamburg-Takts im HVV und dem geplanten Bau der U-Bahn-Linie U5. Der Hamburg-Takt soll bis 2030 dafür sorgen, dass Bürgerinnen und Bürger tagsüber überall in der Stadt die Möglichkeit haben, innerhalb von 5 Minuten ein öffentliches Nahverkehrsmittel zu benutzen. Darunter fällt auch die Elektrifizierung der gesamten Busflotte. Aktuell sind auf Hamburgs-Straßen 120 E-Busse unterwegs, 1000 weitere sollen in den nächsten Jahren die noch vorhandenen Dieselfahrzeuge ersetzen. Das kostet.

HVV: U5 Bau noch nicht gestartet – Kosten fallen jetzt schon an

Die Kosten für den auf mit 1,8 Milliarden Euro veranschlagten Bau der U5 sind noch gar nicht einbezogen. Gegenüber dem Abendblatt erklärt Kreienbaum die Gründe.

„Die U 5 taucht in den Zahlen nicht auf, weil sich die Kosten abzüglich der bis zu 70 Prozent Bundesförderung in Form von Zinsen und Abschreibungen auf die nächsten 50 Jahre verteilen.

Hochbahnsprecher Christoph Kreienbaum gegenüber dem Hamburger Abendblatt

Dennoch fallen jetzt schon Ausgaben an, die mit dem Bau zu tun haben. Etwa für die 70 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die bei der eigens für den Bau der U5 von der Hochbahn gegründeten Projektgesellschaft angestellt sind. „PRG U 5 Projekt GmbH“ heißt die 100-prozentige Tochtergesellschaft der Hochbahn und soll sich ausschließlich um die Realisierung des Mega-Verkehrsprojekts kümmern.

Dazu kommen immer mehr Beschwerden und Klagen gegen den Bau der U5.

HVV: Hochbahn kann immer weniger ihrer Kosten selbst tragen

Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, ist seit 2018 der sogenannte Kostendeckungsgrad der Hochbahn deutlich zurückgegangen. Mit diesem Begriff wird der Anteil der Ausgaben, die das städtische Unternehmen selbst tragen kann, beschrieben. Die Kosten, die die Hochbahn nicht selbst decken kann, werden von der Stadt übernommen. 2018 konnte das Unternehmen laut der Tageszeitung noch für 92,2 Prozent seiner Kosten selber aufkommen.

Das heißt, die Stadt Hamburg musste nur 7,8 Prozent der Kosten der Hochbahn übernehmen. 2020 ist die Hochbahn nur noch in der Lage gewesen 84,7 Prozent der eigenen Kosten zu übernehmen, laut Prognosen werden es dieses Jahr nur noch 66,1 Prozent sein. Demnach müsste die Stadt Hamburg für 33,9 Prozent der Ausgaben der Hochbahn aufkommen.

HVV: Werden die Ticketpreise in Hamburg jetzt teurer?

Wie sich das schon jetzt prognostizierte Mega-Defizit auf die Preise im HVV auswirken wird und ob das Minus eventuell sogar noch größer wird, ist nicht bekannt. Genauso wenig wie der HVV und die Hochbahn die Mindereinnahmen kompensieren wollen oder ob sie zuerst einmal ganz auf die finanziellen Zuschüsse der Stadt setzen werden. Auch Verkehrssenator Anjes Tjarks hat sich bisher zu den Berichten über das erwartete Defizit der Hochbahn AG nicht geäußert. Zur Erinnerung: Der letzte Ticket-Hammer hat erst kürzlich den Hamburger Nahverkehr erschüttert: Zum Jahreswechsel stiegen die Preise um gut 1,3 Prozent. *24hamburg.de und kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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