Kampf gegen Pandemie

Inzidenzwert Hamburg: Zahlen sinken – Klinikchef schlägt Alarm

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Der Inzidenzwert in Hamburg ist leicht gesunken. Doch für Euphorie ist es zu früh. Darum schlägt Klinikchef Stefan Kluge vom UKE jetzt Alarm.

Hamburg – Der Inzidenzwert in der Hansestadt Hamburg ist wieder gesunken. Doch trotz der positiven Entwicklung der Corona-Zahlen haben führende Mediziner vor zu viel Leichtsinn im Umgang mit dem Coronavirus gewarnt. „Die Menschen unterschätzen, wie gefährlich auch schon flüchtige Kontakte sein können, sie unterschätzen die britische Variante“, sagte der Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Stefan Kluge, der Nachrichtenagentur dpa.

Hamburg:458 neue Corona-Fälle (Stand Donnerstag, 15. April 2021)
Niedersachsen:2234 Corona-Fälle (Stand Donnerstag, 15. April 2021)
Schleswig-Holstein:407 Corona-Fälle (Stand Donnerstag, 15. April 2021)
Mecklenburg-Vorpommern:575 Corona-Fälle (Stand Mittwoch, 14. April 2021)

Im Vergleich zu den Vortagen hat sich das Infektionsgeschehen in Hamburg am Donnerstag leicht verbessert. Die Zahl der Neuinfektionen erhöhte sich zwar um 458, wie die Gesundheitsbehörde mitteilte. Das waren 19 Fälle weniger als am Mittwoch und 48 weniger als am Donnerstag vor einer Woche. Aber die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen, sank von 150,0 auf nunmehr 147,4. Die Zahl der Corona-Toten erhöhte sich um zwei Fälle auf 1423.

Inzidenzwert Hamburg: Klinikchef Stefan Klug (UKE) und Mediziner warnen

Sorge bereitet den Behörden und Intensivmedizinern die Lage auf den Krankenhäusern. Von 312 Corona-Patienten, die derzeit in den Hamburger Kliniken behandelt werden müssen, liegen 106 Erkrankte auf der Intensivstation. Laut Kluge sind jetzt nur noch wenige Betten frei. In 22 Krankenhäusern stünden noch 24 Betten für eine Maximaltherapie mit invasiver Beatmung frei. „Das ist nicht viel für eine Millionenstadt“, sagte der UKE-Direktor. „Wir segeln hart am Wind.“

Der hohe Inzidenzwert in Hamburg bereitet ihm Sorge: UKE-Intensivmediziner Stefan Kluge. (24hamburg.de-Montage)

Auch vor diesem Hintergrund riefen Experten Bund und Länder jetzt zum schnellen Handeln auf. So forderte das Robert-Koch-Institut (RKI) die sofortige Umsetzung der geplanten Bundes-Notbremse. Man könne nicht länger warten, warnte RKI-Chef Lothar Wieler. „Wir müssen die Zahlen sofort herunterbringen.“ Es sei naiv zu glauben, dass man das Virus „wegtesten“ könne. Deshalb sollten die Bundesländer die neue Bundesverordnung nicht abwarten, sondern selber aktiv werden.

Corona-Zahlen in Hamburg: Intensivbetten werden knapp – Mediziner plädieren für Ausgangssperre

Am Dienstag hatte das Bundeskabinett die Anpassung des Infektionsschutzgesetzes auf den Weg gebracht. Dadurch wird das Vorgehen in der Corona-Krise vereinheitlicht. Neben einer Testpflicht für Unternehmen sieht das Gesetz auch nächtliche Ausgangssperren und strengere Kontaktverbote vor. Allerdings sind Details zu den Maßnahmen noch umstritten.

Das Gesetz muss noch den Bundestag und den Bundesrat passieren. Viele Abgeordnete stören sich weiterhin an den geplanten Ausgangsbeschränkungen. Vergrößert wurde der Unmut jetzt auch noch durch einen Vermerk von Juristen im Kanzleramt, die einige Passagen in dem Gesetzesentwurf als problematisch einstuften.

Für Intensivmediziner sind die politischen Debatten aber gefährlich. Hamburgs Klinikchef Kluge geht davon aus, dass die dritte Pandemiewelle enorm zuschlagen wird. Seine Mahnung fällt deswegen besonders eindringlich aus. „Es ist jetzt keine Zeit mehr für Diskussionen. Wir brauchen die Ausgangsbeschränkungen und andere Elemente der Notbremse sofort“, sagte er. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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