Jonas Schmidt-Chanasit

Inzidenzwert Hamburg: Virologe spricht gegen Impfung an Schulen aus

  • Vivienne Goizet
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Der Inzidenzwert in Hamburg ist über 50. Die Impfungen gehen langsam voran. Doch sind Impfungen an Schulen die Lösung? Virologe Schmidt-Chanasit sagt Nein.

Hamburg – Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt weiterhin die Covid-19-Impfung generell nur für Personen ab 18 Jahren. Allerdings gibt es eine Ausnahme für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren mit Vorerkrankungen. Wer jung ist und ein erhöhtes Risiko für einen schweren Corona-Verlauf hat, sollte sich impfen lassen. Trotzdem hatten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern sich auf ein allgemeines Impfangebot für diese Altersgruppe verständigt.

Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit warnt nun vor Impfungen an Schulen: „Der Raum für eine mögliche Impfung ist ganz klar das vertraute Kinderarztzimmer – der geschützte Raum, in dem beraten werden kann, wo man Fragen stellen kann – und sicherlich nicht die Schule“. Gegenüber der dpa ergänzte der Hochschulprofessor, dass so „indirekt Druck aufgebaut wird, sozusagen eine Impfpflicht durch die Hintertür“.

Inzidenzwert Hamburg:54,5 (Stand: 7. August 2021)
Inzidenzwert Schleswig-Holstein:38,5 (Stand: 7. August 2021)
Inzidenzwert Niedersachsen:17,9 (Stand: 7. August 2021)
Inzidenzwert Bremen:26,0 (Stand: 7. August 2021)
Inzidenzwert Mecklenburg-Vorpommern:16,4 (Stand: 6. August 2021)

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher hingegen scheint für Ungeimpfte den „Druck aufbauen“ zu wollen, wie es Gesundheitsminister Jens Spahn vorhat. In Hamburg sind die Sommerferien vorbei und derzeit werden nach dpa-Informationen Impfaktionen an Berufsschulen geplant. Das Coronavirus in Hamburg breitet sich weiter aus.

Inzidenzwert Hamburg: Virologe Schmidt-Chanasit warnt – und steht auf der Seite der STIKO

„Ich stehe und stand immer vollkommen hinter der Empfehlung der Stiko“, sagte Schmidt-Chanasit gegenüber der dpa. Diese gilt für Kinder mit Vorerkrankungen. „Und gesunde Kinder und Jugendliche, die zusammen mit ihren Eltern und den Ärzten zur Entscheidung gekommen sind, sich impfen zu lassen, konnten das auch schon in der Vergangenheit.“, so Schmidt-Chanasit weiter. Aus diesen Gründen sei für ihn kein großer Gegensatz der Positionen zu erkennen.

Doch der Virologe sieht auch vor dem Hintergrund, dass in den Ländern des globalen Südens nicht genügend Impfstoff vorhanden ist, das Impfen von Kindern kritisch: „Die globale Impfstoffgerechtigkeit ist mir ein ganz wichtiges Anliegen. Bevor wir bei uns gesunde 12-Jährige impfen, die eben ein sehr, sehr geringes Risiko haben, sollten wir darüber nachdenken.‘“

Für ihn sei klar, „dass im Rahmen der Impfstoffgerechtigkeit die weltweit betrachtet wenigen Impfstoffe erst einmal für die Älteren und das Pflegepersonal in den Ländern des globalen Südens eingesetzt werden sollten“.

Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit ist gegen das Impfen an Schulen. (24hamburg.de-Montage)

Als Vater freue sich Jonas Schmidt-Chanasit, dass Schulen in Hamburg nach den Ferien mit vollem Präsenzunterricht geöffnet sind, obwohl der Inzidenzwert in Hamburg steigt. Er sehe, dass sehr viel gemacht würde und verweist auf die Tests, Hygienekonzepte in den Schulen und Luftfiltergeräte sowie die Impfungen für Lehrkräfte.

Impfmüdigkeit und Impfaktionen in Deutschland

Neben der Impfung von Kindern und Jugendlichen lassen sich die Bundesländer noch einige anderen Aktionen einfallen, um der wachsenden Impfmüdigkeit entgegenzuwirken und schnellstmöglich Herdenimmunität zu erreichen. Beispielsweise lockt eine Burgerkette Geimpfte mit kostenlosen Menüs.

In Thüringen soll Bratwurst-Impfen die Deutschen aus der Impfmüdigkeit locken. In Olpe können sich Menschen direkt bei McDonalds impfen lassen und bekommen beim „BigMac-Impfen“ hinterher einen Gratis-Burger. Mancherorts wird sogar über eine Belohnung von 500 Euro fürs Impfen nachgedacht.

Impfmüdigkeit: Was bedeutet das?

Die Anzahl der verimpften Dosen täglich ist seit Ende Juni 2021 rückläufig. Es werden also weniger Menschen am Tag geimpft. Derzeit liegt der Stand unter dem vom April 2021 laut Impfdashboard des RKI und des Bundesministeriums für Gesundheit. Deshalb spricht man davon, dass es in Deutschland eine Impfmüdigkeit gibt.

Impfaktionen in Hamburg umfassen unter anderem das Impfen ohne Termin im Impfzentrum in den Hamburger Messehallen sowie Impfstationen in Einkaufszentren beim verkaufsoffenen Sonntag am 8. August 2021. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christian Charisius

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