Händler stinksauer

Inzidenzwert Hamburg unter 100: Aber Geschäfte bleiben dicht

  • Jens Kiffmeier
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Ausgangssperre weg, aber Geschäfte in der Innenstadt weiter zu: Trotz sinkender Inzidenzwerte fährt Senat vorsichtigen Corona-Öffnungskurs. Händler in Rage.

Hamburg – Nach Kritik an der Öffnungsstrategie im Corona-Lockdown hat der Hamburger Senat bei den Einzelhändlern der Stadt um Verständnis geworben. Zwar seien die Inzidenzwerte in der Hansestadt Hamburg im Sinkflug, dennoch könne man jetzt nicht sofort alle Geschäfte öffnen, sagte Innensenator Andy Grote (SPD) am Dienstag bei der Landespressekonferenz und bat die Geschäftsleute um noch ein wenig Geduld. Man brauche nur noch ein paar Tage, um die gute Entwicklung beim Infektionsgeschehen stabil abzusichern.

Hamburg:145 neue Corona-Fälle (Dienstag, 11. Mai 2021)
Niedersachsen:465 neue Corona-Fälle (Dienstag, 11. Mai 2021)
Schleswig-Holstein:136 neue Corona-Fälle (Dienstag, 11. Mai 2021)
Mecklenburg-Vorpommern:58 neue Corona-Fälle (Montag, 10. Mai 2021)

Zuvor hatten sich prominenten Geschäftsleute und zahlreiche Unternehmer in einer ganzseitigen Anzeige im „Hamburger Abendblatt“ über das Vorgehen der Landesregierung in der Corona-Krise beschwert. „Herr Bürgermeister, haben Sie uns vergessen?“, war die Anzeige überschrieben. So beklagen die Firmen, dass sie seit fünf Monaten ihre Geschäfte geschlossen halten müssen, aber bei den jüngsten Lockerungsbeschlüssen nicht an erster Stelle mitbedacht worden sind.

Inzidenzwert Hamburg: Corona-Zahlen stabil unter 100 – wann öffnen die Geschäfte wieder?

Nachdem die Inzidenz in Hamburg seit sieben Tagen in Folge unter der wichtigen Schwelle von 100 liegt, setzt der Senat jetzt seinen Öffnungsfahrplan um. Bereits Ende der vergangenen Woche hatte der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) das dreistufige Konzept vorgestellt.

Wann öffnen die Geschäfte wieder? Trotz sinkender Inzidenzwerte fährt Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) einen vorsichtigen Corona-Kurs. (24hamburg.de-Montage)

Demnach fällt Dienstagnacht um Mitternacht als Erstes die seit Wochen geltende Ausgangssperre wieder weg. Ab Mitternacht dürfen sich die Hamburgerinnen und Hamburger wieder auf den Straßen frei bewegen. Auch die Maskenpflicht auf Spielplätzen gilt dann nicht mehr. Dafür ist Kindersport im Freien mit bis zu zehn Kindern wieder erlaubt. Zudem wechseln die Kitas wieder ab dem 17. Mai 2021 in den eingeschränkten Regelbetrieb und in den Schulen wird wieder für alle Schüler ein Wechselunterricht angeboten.

Inzidenz in Hamburg: Öffnung von Läden und Geschäften erlaubt Tschentscher im zweiten Schritt

Die Geschäfte des von der Pleitewelle bedrohten Einzelhandels dürfen aber erst im zweiten Schritt geöffnet werden, der frühestens zehn bis 14 Tage nach dem Inkrafttreten des ersten Öffnungsschrittes geplant ist. Als Datum visiert der Senat hier den 22. Mai 2021 an. Die Händler fordern aber einen früheren Termin, wenn möglich den 17. Mai 2021.

Aus Sicht von Grote ist der Unterschied zwischen Forderung und Planung damit aber gar nicht so groß. Er könne verstehen, dass der Erwartungsdruck bei den Händlern enorm groß sei nach mehr als einem Jahr Pandemie, so der Senator. Dennoch sei es jetzt wichtig, das Erreichte bei den Corona-Zahlen nicht dadurch zu verspielen, in dem man alles gleichzeitig öffne, stellte der Sozialdemokrat klar.

Corona-Zahlen in Hamburg: Hansestadt liegt im Bundesländer-Vergleich weit vorne

Am Dienstag war der Inzidenzwert wieder gesunken. Zwar meldete die Gesundheitsbehörde noch einmal 145 Neuinfektionen. Aber das waren 47 Fälle weniger als Montag und 108 weniger als am Dienstag vor einer Woche. Dadurch sackte die Zahl der Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen von 83,9 auf 78,2. Damit hatte die Hansestadt nach Schleswig-Holstein den zweitniedrigsten Wert aller Bundesländer und den besten Wert aller deutschen Großstädte.

Vor diesem Hintergrund lobte Grote die Disziplin der Bevölkerung. Die Corona-Zahlen seien ein „Erfolg, den sich alle Hamburgerinnen und Hamburger erarbeitet haben“, sagte er. Trotz schwerwiegender Einschränkungen wie der nächtlichen Ausgangssperre hätten alle ein großes Maß an Verantwortungsbewusstsein bewahrt. So hätte die Hamburger Polizei nur 1053 Verstöße gegen die Corona-Maßnahmen geahndet.

„In einer Millionenstadt ist das wenig“, bilanzierte der Innensenator und bat die Bevölkerung darum, die Disziplin auch weiterhin noch an den Tag zu legen. Denn noch, so Grote, sei die Pandemie nicht vorbei. Trotz erster Lockerungen im Lockdown würden Abstandsgebote und Maskenpflichten ebenso weitergelten wie die strengen Kontaktbeschränkungen, wonach sich ein Haushalt nur noch mit maximal einer weiteren Person aus einem anderen Haushalt treffen darf. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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